Stand: 22.08.2017 11:14 Uhr

Herzfrequenz per Smartphone-App messen

Per Smartphone lässt sich der Herzrhythmus überprüfen. Mehrere Hersteller bieten dafür Apps an, die je nach Modell mit oder ohne Zusatzgerät funktionieren. Damit kann man den Herzrhythmus jederzeit überprüfen. Wer den Verdacht hat, das Herz sei aus dem Takt geraten, kann den Herzrhythmus per Smartphone-App für den Arzt aufzeichnen. So lassen sich zum Beispiel Krankheiten wie Vorhofflimmern erkennen.

Herzfrequenz messen: Apps im Vergleich

Warum Vorhofflimmern so gefährlich ist

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Sie geht mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall einher. Deshalb sollte Vorhofflimmern möglichst schnell erkannt und behandelt werden. Doch das ist alles andere als einfach, da Vorhofflimmern oft nur anfallsartig auftritt und deshalb selbst mit einem Langzeit-EKGs nicht immer erfasst wird. Zwar gibt es implantierbare EKG-Rekorder, die das Herz permanent überwachen und Herzrhythmusstörungen aufzeichnen. Doch die Geräte sind teuer und müssen operativ eingesetzt werden. Die Diagnose per Smartphone-App ist deshalb in vielen Fällen eine unkomplizierte und relativ günstige Alternative.

App Heartbeats: Rhythmustest per Pulsschlag

Die App Heartbeats kommt ohne Zusatzgerät aus und arbeitet mit der Kamera des Smartphones. Man legt die Kameralinse des Handys fünf Minuten auf den kleinen Finger. Die App soll die durch den Pulsschlag ausgelösten Helligkeitsschwankungen auswerten. In der kostenlosen Version der App werden die Ergebnisse in Form einer Ampel angezeigt. In der Version für 5,49 Euro pro Monat lassen sich die kompletten Messergebnisse für den Arzt ausdrucken. Zwei Visite-Testpersonen kamen mit der App nicht zurecht.

App Kardia: Armband für Apple Watch

Auch die App Kardia ist ein mobiles EKG-System (139 Euro), das mit zwei Kanälen arbeitet. Dafür wird ein mitgeliefertes Elektrodenplättchen mit dem Handy verbunden. Zur Messung werden die Zeige- und Mittelfinger beider Hände 30 Sekunden lang auf das Plättchen gedrückt. Für eine automatische Messung können Nutzer der Apple Watch ein Elektrodenarmband (229 Euro) an die Uhr anbringen.

App CardioSecur Active: Mobiles EKG-System

Die App CardioSecur Active ist ein mobiles EKG-System, das sich auch von Laien bedienen lässt. Zum Lieferumfang gehören ein Kabelbaum mit vier Kanälen und ein Paket mit Einmal-Elektroden. Das Starter-Kit kostet 99 Euro, hinzu kommen 9,95 Euro pro Monat. Im monatlich kündbaren Abonnement bekommt man alle sechs Monate Klebeelektroden für 42 Messungen.

Großes Angebot an Apps

Jeden Monat kommen etwa 1.000 Gesundheits- und Fitness-Apps für Smartphone und Computer auf den Markt. Sie zählen zum Beispiel jeden Schritt, kontrollieren den Puls und überwachen den Schlaf. Wie vertrauenswürdig die Programme sind, lässt sich oft nur schwer beurteilen. Die wenigstens Apps werden einer seriösen Prüfung oder Zertifizierung unterzogen.

Unterschied zwischen Medical und Health Apps

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Medical und Health Apps:

  • Medical Apps unterliegen dem Medizinproduktgesetz. Sicherheit und Leistungsfähigkeit sind nach EU-Normen geprüft. Sie werden zum Beispiel zum Blutdruck- oder Blutzuckermessen eingesetzt. Die Daten werden vom Arzt direkt zum Erkennen und Behandeln von Krankheiten genutzt, beispielsweise zur Dosierung von Medikamenten.
  • Health Apps, die nicht reguliert werden, geben zum Beispiel Bewegungstipps, messen die Schrittzahl oder berechnen die Kalorienanzahl, wenn man seine Mahlzeiten eingibt. Eine Selbstauskunft des Herstellers und Prüfsiegel, die von Initiativen oder Verbänden vergeben werden, können eine Orientierung bei der Auswahl geben.

Apps als Motivationshilfe

Für sinnvoll halten Experten Health Apps, die medizinische Inhalte erklären, Patiententagebücher, die bei der Dokumentation der Erkrankung und des Therapieverlaufs helfen oder an die Einnahme von Medikamenten erinnern. Ähnliches gilt für Apps, die gesundheitsbewusstes Verhalten anregen und als Motivationshilfe dienen - etwa durch Trainingspläne. Wer lange keinen Sport gemacht haben, sollte sich von einer App allerdings nicht gleich zu Höchstleistungen antreiben lassen, sondern zunächst einen Gesundheitscheck beim Hausarzt machen lassen.

Vorsicht bei Diagnosen und Therapie-Empfehlungen

Von Apps, die Diagnosen oder Therapie-Empfehlungen geben, halten Experten wenig. Es gebe einfach zu viele Fehlerquellen, es fehle die Präzision: Der Hörtest mit dem Smartphone ist abhängig von der Qualität der Kopfhörer, eine Bilderkennungssoftware bei Verdacht auf schwarzen Hautkrebs kann eine Diagnose beim Hautarzt nicht ersetzen. Bei der Schlafüberwachung mithilfe des Smartphones können die Positionierung des Handys und der Matratzentyp zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Apps speichern persönliche Daten

Die Apps sammeln persönliche Gesundheits- und Fitness-Daten. Die Krankenkassen haben dies erkannt. Einige bieten ihren Versicherten bereits Apps an. Sie wollen einen gesunden Lebensstil unterstützen. Experten gehen davon aus, dass die Daten zukünftig auch dazu genutzt werden, individuelle Tarife für Versicherte anzubieten: Wer bei der Erfassung seiner Daten (Selftracking) mitmacht und gute Werte nachweisen kann, könnte zum Beispiel einen günstigeren Tarif bekommen.

Verbraucherschützer warnen vor dieser Entwicklung. Sie sehen die solidarische Versicherung in Gefahr. Außerdem weisen sie darauf hin, dass ein Missbrauch durch Datenklau nicht ausgeschlossen werden kann.

Eine App auf einem Smartphone visualisiert die Herzfrequenz

Herzfrequenz mit dem Smartphone messen

Visite -

Per Smartphone und App lässt sich die Herzfrequenz überprüfen, um etwa Vorhofflimmern zu erkennen. Wie funktionieren die Apps Heartbeat, CardioSecur Active und Kardia?

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Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Antje Güldenring, Oberärztin
Klinik für Neurologie
Klinikum Itzehoe
Robert-Koch-Straße 2, 25524 Itzehoe
Internet: www.klinikum-itzehoe.de

Dr. Frank Mibach, Kardiologe
Kardiologische Praxis im Gesundheitszentrum Klosterforst
Beethovenstraße 6, 25524 Itzehoe
Tel. (04821) 15 60 15, Fax (04821) 15 60 19
Internet: www.dr-mibach.de

Prof. Dr. Rainer Hambrecht, Chefarzt
Dr. Andreas Fach, Leitender Oberarzt Herzschrittmacher
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Klinikum Links der Weser, Herzzentrum Bremen
Senator-Weßling-Straße 1, 28277 Bremen
Tel. (0421) 879-14 30, Fax (0421) 879-16 75
Internet: www.gesundheitnord.de

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Visite | 22.08.2017 | 20:15 Uhr

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