Stand: 18.01.2016 15:12 Uhr

Magenkeim Helicobacter pylori: So wird behandelt

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1932 wurde Helicobacter pylori von der Wissenschaft entdeckt.

Das Bakterium Helicobacter pylori wurde erst 1983 von zwei australischen Forschern entdeckt. Sie setzten damit einen Meilenstein in dem Verständnis von Magenschleimhautentzündungen und Geschwüren des Magens und Zwölffingerdarms. Weltweit ist die Infektion mit dem Helicobacter, neben Karies, eine der häufigsten chronischen Infektionen. In Deutschland sind etwa 33 Millionen Menschen mit dem Helicobacter pylori infiziert. In Entwicklungsländern mit niedrigeren hygienischen Standards liegen die Infektionsraten deutlich höher.

Das Bakterium Helicobacter pylori auf der Magenschleimhaut.

Magenkeim Helicobacter pylori: Wann behandeln?

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Das Bakterium Helicobacter pylori kann zu Entzündungen der Magenschleimhaut, Magengeschwüren, aber auch zu Magenkrebs führen. Wie wird dann behandelt?

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Die Übertragung des Helicobacter erfolgt von Mensch zu Mensch. In den meisten Fällen wird die Infektion schon im Kindesalter innerhalb der Familie erworben. Etwa fünf Prozent der Kinder und 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind mit dem Bakterium infiziert.

Das Bakterium besiedelt den Magen. Mithilfe spezieller Haftstrukturen heften sich die Bakterien an die Zellen der Magenschleimhaut. Um sich vor der Magensäure zu schützen, können die Keime mithilfe eines bestimmten Enzyms den pH-Wert in ihrer unmittelbaren Umgebung anheben. Da die Keime außerdem schleimhautschädigende Stoffe produziert, führt die Besiedelung zu einer dauerhaftem Entzündung der Magenschleimhaut.

Produktion von Magensäure steigt an

Die Folge ist eine gesteigerte Produktion von Magensäure, durch die es zu Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren kommen kann. So sind etwa drei Viertel alle Magengeschwüre (Ulcus ventriculi) und nahezu alle Zwölffingerdarmgeschwüre (Ulcus duodeni) auf eine Infektion mit dem Helicobacter pylori zurückzuführen. Die Besiedlung ist außerdem ein Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs. Eine Magenschleimhautentzündung äußert sich typischerweise durch Schmerzen oder Druck im Oberbauch, die während oder nach einer Mahlzeit kurzzeitig nachlassen sowie ein ständiges Völlegefühl, Appetitlosigkeit oder Übelkeit.

In den meisten Fällen verläuft die Infektion allerdings ohne Beschwerden. Nur bei etwa einem Fünftel der Betroffenen führt sie auch zu einer Erkrankung. Und: Menschen, die den Keim in sich tragen, scheinen weniger Asthma, weniger Reflux und weniger Speiseröhrenkrebs zu bekommen.

So wird eine Helicobacter-Infektion festgestellt

Die Diagnose einer Helicobacter-Infektion wird in der Regel durch eine Magenspiegelung festgestellt. Dabei werden Gewebeproben aus dem unteren Drittel der Magenschleimhaut entnommen. Mithilfe des Urease-Schnelltests kann über den Nachweis des Enzyms Urease indirekt auf das Vorliegen der Bakterien geschlossen werden. Außerdem lassen sich die Bakterien durch eine mikroskopische Untersuchung der Gewebeprobe oder die kulturelle Anzüchtung im Labor nachweisen.

Wann ist eine Behandlung notwendig?

Bezüglich der Behandlungsnotwendigkeit des Helicobacters haben Fachgesellschaften Empfehlungen ausgesprochen. Eine sogenannte Eradikationstherapie ist bei Patienten mit Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren sowie einem MALT-Lymphom unumgänglich. MALT-Lymphome sind eine spezielle Form von Non-Hodgkin Lymphomen. Die Schleimhautveränderungen können gut- oder bösartig sein und sind typischerweise Folge eine langjährigen unbehandelten Helicobacter-Pylori-Infektion. Eine relative Therapienotwendigkeit, also eine "Kann-Empfehlung", besteht zum Beispiel für Betroffene mit Oberbauchbeschwerden wie vermehrtem Aufstoßen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Übelkeit sowie einer asymptomatischen Magenschleimhautentzündung und zur Magenkrebsprophylaxe bei Risikopatienten, also Verwandte ersten Grades von Magenkrebserkrankten.

So läuft die Eradikationstherapie ab

Die Eradikationstherapie zur Behandlung des Helicobacter pyloris besteht aus der Kombination eines Magensäureblockers (Protonenpumpenhemmer) sowie zweier Antibiotika. Der erste Therapieversuch erfolgt empirisch, das heißt, aus der Erfahrung heraus und ohne vorherige Bestimmung der Empfindlichkeit des Keims gegenüber bestimmten Antibiotika. In der Regel handelt es sich um eine siebentägige Kombinationstherapie ("Triple-Therapie") aus dem Säureblocker Pantoprazol und den Antibiotika Clarithromycin, Metronidazol oder Amoxicillin.

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Magenkeim Helicobacter pylori: Interview

19.01.2016 20:15 Uhr
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Sollte man sich vorsorglich auf den Keim Helicobacter pylori testen lassen? Dr. Ulrich Rosien im Interview mit Moderatorin Vera Cordes. Video (04:10 min)

Aufgrund von Resistenzentwicklungen gegen das Clarithromycin ist die Therapie in einigen Fällen nicht mehr erfolgreich. Alternativ steht dann eine zehntägige vierfach Therapie ("Quadrupel-Therapie") aus einem Protonenpumpenhemmer, Bismutsalz und den Antibiotika Tetracyclin und Metronidazol zur Verfügung. Sie ist zwar mit einer Erfolgsrate von bis zu 95 Prozent sehr effektiv, geht aber mit deutlich mehr Nebenwirkungen einher. Bereits zwei bis drei Tage nach Therapiebeginn tritt eine deutliche Besserung der Beschwerden ein. Dennoch ist es wichtig, die Medikamente über die vorgeschrieben Zeit einzunehmen.

Atemtest gibt Aufschluss

Der Erfolg der Behandlung kann etwa vier bis sechs Wochen nach Therapieende durch eines Atemtest überprüft werden. Dazu wird Harnstoff mit dem Kohlenstoff-Isotop 13C markiert und in Fruchtsaft aufgelöst und getrunken. Vorher und 30 Minuten nachher wird der Kohlendioxidgehalt der Ausatemluft gemessen. Harnstoff kann im Magen eigentlich nicht verdaut werden, es sei denn, der Magen ist noch mit Helicobacter pylori besiedelt. Sie verstoffwechseln den 13C-Harnsoff zu Ammoniak und Kohlendioxid (CO2), das als markiertes Kohlendioxid (13CO2) im Magen freigesetzt und über die Lunge abgeatmet wird. Das Ergebnis der Analyse liegt nach wenigen Tagen vor. Im Erwachsenenalter ist eine erneute Infektion nach einer erfolgreichen Eradikation sehr selten.

Weitere Informationen

"Helicobacter wird im Kleinkindalter übertragen"

Wie wird Helicobacter pylori behandelt? Kann der Keim nach einer erfolgreichen Behandlung wieder auftreten? Diese und weitere Fragen hat Dr. Ulrich Rosien im Chat beantwortet. mehr

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Ulrich Rosien
Leitender Arzt in der Medizinischen Klinik und Leiter der Endoskopie
Israelitisches Krankenhaus Hamburg
Orchideenstieg 14
22297 Hamburg
Tel. (040) 51 12 50
Fax. (040) 511 25 50 11
Internet: www.ik-h.de

Im Beitrag:
Prof. Dr. med. habil. Dr. h.c. Peter Malfertheiner
Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie
Medizinische Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Leipziger Straße 44
39120 Magdeburg
Tel. (0391) 671 31 00
E-Mail: peter.malfertheiner@med.ovgu.de
Internet: www.kghi.ovgu.de

Prof. Dr. Peter Layer
Internist, Gastroenterologe
Ärztlicher Direktor
Israelitisches Krankenhaus Hamburg
Orchideenstieg 14
22297 Hamburg
Tel. (040) 51 12 50
Internet: www.ik-h.de

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