Stand: 08.03.2016 11:46 Uhr

Grippewelle: Impfung schützt nur unvollständig

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Typisch für eine Grippe: Die Symptome treten plötzlich und sehr heftig auf.

Sie sind mikroskopisch klein, hoch infektiös und verbreiten sich in Windeseile: Influenza-Viren, die Erreger der Grippe. Viele Menschen hat es bereits erwischt, die Viren sorgen für übervolle Wartezimmer. Zurzeit machen sich vor allem sogenannte Influenza B-Viren breit. Das Problem: Einer dieser zirkulierenden Erreger ist in dem bisher vor allem verwendeten Grippeimpfstoff gar nicht enthalten. So kommt es zu einer Grippekrankheit trotz Impfung.

Ein Arzt injiziert einen Impfstoff.

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Die Virusgrippe breitet sich aus. Das Problem: Zurzeit grassiert unter anderem der Virus-Subtyp B "Brisbane". Vor diesem speziellen Erreger schützt der gängige Impfstoff nicht.

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Dreifach-Impfstoff schützt nicht gegen B-Brisbane-Linie

Experten hatten schon lange davor gewarnt, dass dieser auch als B-Brisbane-Linie bezeichnete Virenstamm verstärkt auftreten werde. Doch dagegen sind nur die Menschen geschützt, die den diesjährigen Vierfach-Impfstoff bekommen haben, der aber aus Kostengründen an Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen gar nicht ausgegeben wurde. Aus medizinischen Gründen hätte eigentlich der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Vierfach-Impfstoff flächendeckend eingesetzt werden sollen. Doch aufgrund des deutlich höheren Preises entschieden sich die Krankenkassen, nur den billigeren Dreifach-Impfstoff auszugeben - in der Hoffnung, dass die darin nicht enthaltenen Influenza-Varianten erst gar nicht in nennenswertem Umfang auftreten.

Vierfach-Impfstoff muss von gesetzlich Versicherten selbst bezahlt werden

Seit 2011 werden in Deutschland die Grippeimpfstoffe von den gesetzlichen Krankenkassen ausgeschrieben. Den Zuschlag erhalten die günstigsten Anbieter - und so stellen die Krankenkassen ihren Versicherten regelhaft ausschließlich Dreifach-Impfstoffe zur Verfügung. Den Vierfach-Impfstoff bekommt nur, wer ihn privat bezahlt. Da deswegen auch nur eine viel geringere Menge davon hergestellt wurde, ist der Vierfach-Impfstoff schon lange ausverkauft. Experten fordern nach den aktuellen Erfahrungen, künftig nur noch Vierfach-Impfstoffe zu verwenden.

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Fragen und Antworten zur Grippe

Das Robert Koch Institut informiert. extern

Ganz umsonst war die Dreifach-Impfung aber nicht: Sie schützt effektiv gegen den aggressiven Schweinegrippen-Virus und die anderen beiden Stämme. Doch diejenigen, die der B-Brisbane-Stamm erwischt hat, leiden sehr stark unter der Erkrankung.

Typisch für die Grippe: Plötzlicher und heftiger Beginn

Typisch für eine Grippe ist der plötzliche und heftige Beginn der Erkrankung: Die Betroffenen leiden unter Symptomen wie hohem Fieber, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Schluckbeschwerden, Augenbrennen und Niedergeschlagenheit. Eine gezielte medikamentöse Behandlung der Grippe ist nur in den ersten zwei Tagen der Erkrankung möglich, danach können Ärzte nur die Symptome lindern und Folgeerkrankungen wie zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung vermeiden. Verläuft die Grippe sehr aggressiv, kann es zu gefürchteten Komplikationen wie einem Lungenversagen kommen. Meist ist dafür eine Superinfektion durch Bakterien verantwortlich, aber auch der Virus selbst kann die Ursache sein.

Wer bereits unter einer Grippe leidet sollte sich dringend schonen, denn Ruhe ist bei dieser Erkrankung unverzichtbar und die beste Medizin. Um eine Infektion zu vermeiden, sollte man Menschenansammlungen meiden und häufiger die Hände waschen.

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Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Andreas Plettenberg
Infektiologe      
IFI-Institut für Interdisziplinäre Medizin an der Asklepios Klinik St. Georg       
Lohmühlenstraße 5
20099 Hamburg
Internet:www.ifi-infektiologie.de

Priv.-Doz. Dr. Hans-Peter Hauber
Lungenfacharzt
Lungenfunktionslabor und Pneumologie
Abteilung für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
Tel. (040) 18 18 81 12 21
Internet: www.ak-altona.de

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Alexander S. Kekulé
Direktor
Institut für Medizinische Mikrobiologie
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Magdeburger Straße 6
06112 Halle (Saale)
Internet: www.medizin.uni-halle.de

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