Sendedatum: 14.01.2014 20:15 Uhr

Grauer Star: Welche Linse ist die richtige?

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Eine zunehmende Verdickung und Trübung der Augenlinse raubt Betroffenen die Sicht.

Der graue Star ist eine der häufigsten Beeinträchtigungen des Auges im Alter. Es handelt sich dabei weniger um eine Erkrankung als vielmehr um eine normale Alterserscheinung. Chemische und physikalische Veränderungen führen im Laufe der Zeit dazu, dass sich die Linse trübt. Die dauerhafte Einnahme von Kortisonpräparaten, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus sowie Strahleneinwirkungen (UV-Strahlen, Röntgenstrahlen und Infrarotlicht) können die Entwicklung der Linsentrübung begünstigen.

Durch Veränderungen der Eiweißstruktur und des Wassergehaltes der Linse verändern sich ihre optischen Eigenschaften. Das einfallende Licht kann die Linse dann nicht mehr ungehindert passieren. Die Lichtstrahlen werden gebrochen und die Streuungseffekte führen dazu, dass auf der Netzhaut ein unscharfes Bild entsteht. Folglich ist der Seheindruck unscharf und kontrastarm.

Nur eine Kunstlinse kann helfen

Mit rund 600.000 Eingriffen pro Jahr ist die Katarakt-OP die häufigste Operation in Deutschland und risikoarm. Der Eingriff dauert keine zehn Minuten und wird in der Regel ambulant durchgeführt.

Das Auge wird mit Tropfen betäubt, bevor der Operateur mit einer Nadel die Linsenkapsel über eine Länge von etwa drei Millimetern aufschneidet und so einen Zugang zur Linse schafft. Durch die Öffnung wird die trübe Linse per Ultraschall zertrümmert und abgesaugt, anschließend nimmt eine Kunstlinse ihren Platz im Auge ein, die mit zwei winzigen Haken ihre Position hält.

Monofokallinsen: Scharfes Sehen in Nähe oder Ferne

In der Regel werden bei der Operation sogenannte Monofokallinsen eingesetzt, die entweder in der Ferne oder in der Nähe scharfes Sehen ermöglichen. Wer in der Ferne ohne Brille scharf sehen möchte, ist also auf eine Lesebrille angewiesen. Wer viel lesen oder am Computer arbeiten muss, benötigt eine Brille zum Autofahren oder eine Gleitsichtbrille.

Multifokallinsen: Sehen in mehreren Entfernungsstufen

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Kunstlinsen werden in der Regel ambulant eingesetzt.

Eine Alternative sind Multifokallinsen, die scharfes Sehen in mehreren Entfernungsstufen ermöglichen, aber eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich bringen: In einem Abstand von einem halben bis einem Meter stört Streulicht die Sicht, weil die Multifokallinsen nicht in allen Bereichen gleich gut funktionieren. Das kann bei der Arbeit am Computer Probleme bereiten. Zunehmende Blendungseffekte und Lichtreflexe sowie schlechteres Kontrast- und Dämmerungssehen können  das Autofahren bei Dämmerung oder in der Nacht für viele Träger von Multifokallinsen schwierig, manchmal sogar unmöglich machen. Außerdem können Multifokallinsen nur bei Patienten ohne gravierende Augenerkrankungen und Hornhautverkrümmung eingesetzt werden.

Neues Verfahren für Patienten mit Hornhautverkrümmungen

Inzwischen gibt es ein neues Operationsverfahren, von dem vor allem Patienten mit Hornhautverkrümmung profitieren. Der sogenannte Femtosekundenlaser erlaubt so präzise Schnitte, dass der Augenarzt Speziallinsen einsetzen kann, die Sehschwächen und die Hornhautverkrümmung ausgleichen. Diese Linsen müssen ganz exakt im Auge sitzen, um zu funktionieren. Hier scheint der Laser der Ultraschalltechnik überlegen zu sein, weil er präziser und reproduzierbarer arbeitet.

Dabei übernimmt die Maschine die ersten Arbeitsschritte: Zunächst wird das Auge angesaugt, damit es sich nicht bewegen kann. Dann schneidet der Laser einen exakten, immer gleichen Kreis in die Kapsel und zertrümmert blitzschnell die getrübte Linse. Dem Auge bleibt so ein großer Teil der Belastung durch die Ultraschallenergie erspart. Anschließend wird die alte Linse wie bei der Ultraschallmethode abgesaugt und durch die Speziallinse ersetzt.

Kosten muss Patient selbst übernehmen

Die Kosten der Lasermethode von rund 1.500 Euro pro Auge müssen die Patienten bislang selbst tragen. Dies will gut überlegt sein: Den meisten Patienten ohne Hornhautverkrümmung biete der Laser zurzeit noch keinen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Ultraschall, sagen Mediziner. In jedem Fall gilt: Die Operation ist ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung. Schon am Tag danach können die Patienten endlich wieder klar sehen.  

Interviewpartner

Im Studio:
Privatdozentin Dr. Andrea Hassenstein                                                                 
Oberärztin
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf W 40
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 31 13
E-Mail: hassenstein@uke.de

Im Beitrag:
Ralph Herrmann
Augenarzt
Hildesheimer Augenzentrum am St. Bernward Krankenhaus
Lehrkrankenhaus der Universität Göttingen
Langelinienwall 7, 31134 Hildesheim
Tel. (0800) 566 77 88

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Visite | 14.01.2014 | 20:15 Uhr