Stand: 22.03.2016 13:34 Uhr

Vorsicht vor dem Fuchsbandwurm

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Füchse sind die Hauptwirte des Parasiten. Gehen die Bandwürmer auf den Menschen über, drohen fatale Folgen.

Der Fuchs hat seinen Lebensraum vom Wald in die Stadt ausgeweitet. Leider verteilt er nun auch dort einen für den Menschen gefährlichen Parasiten: den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Mit fatalen Folgen: Der Fuchsbandwurm kann die Leber, aber auch alle anderen Organe - wie zum Beispiel das Gehirn, Lunge, Milz und Herz befallen. Das Risiko einer Infektion steige jährlich, warnen Experten. Bleibt die Erkrankung (alveoläre Echinokokkose) unbehandelt, endet sie meist tödlich.

Bandwurm unterm Mikroskop

Fuchsbandwurm - so wird behandelt

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Die Larven des Fuchsbandwurmes können beim Menschen verheerenden Schaden auslösen, denn sie wachsen in menschlichen Organen oft unbemerkt. Sie können zerstörerisch sein wie ein Tumor.

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Larven des Fuchsbandwurms wandern in die Leber

Die Infektion mit dem Parasiten erfolgt durch direkten Kontakt mit den Wurmeiern. Studien haben aber ergeben, dass Pilz- und Beerensammler kein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben. Gefährdet sind vor allem Menschen, die beruflich mit der Jagd- oder Forstwirtschaft zu tun haben. Aber auch Halter von Haustieren, die mit Fuchsbandwurmeiern infizierte Kleinnager und andere Zwischenwirtstiere jagen, fressen und dann die Eier am eigenen Fell tragen, laufen Gefahr, sich anzustecken. Streichelt man die Tiere, werden die Fuchsbandwurmeier auf den Menschen übertragen. Nach dem Schlüpfen wandern die Larven in die Leber.

Beim Menschen dauert es oft Jahre, bis eine Infektion diagnostiziert wird. Die Krankheit verläuft schleichend und verursacht viele Jahre meist wenig oder keine Beschwerden. Dann fühlen sich die Patienten zunehmend abgeschlagen und müde, haben Schmerzen im Oberbauch, Magen-Darm-Probleme und verlieren Gewicht.

Krankheit kann mit einer Tumorerkrankung verwechselt werden

Häufig wird die Krankheit mit einer Tumorerkrankung verwechselt. Das ist riskant, denn wird in das Gewebe geschnitten, kann zu einem lebensgefährlichen allergischen Schock kommen, denn der Körper reagiert auf die körperfremden Eiweiße, die der Bandwurm bildet. Außerdem kann sich infiziertes Material in der Bauchhöhle verteilen und Tochterzysten bilden.

Experten arbeiten an besserer Diagnose

Um den Fuchsbandwurm richtig zu erkennen, sind klare Diagnose-Standards wichtig: Experten am Kompetenzzentrum für Fuchsbandwurm-Erkrankungen in Ulm ist es jetzt gelungen, sogenannte Ultraschall- und CT-Klassifikationen zu entwickeln. Hunderte von Patientendaten wurden ausgewertet. Dabei entdeckten die Ärzte charakteristische Muster an der Leber, die bei einer Fuchsbandwurmerkrankung immer wieder auftreten. Dank der Klassifikation lässt sich die Erkrankung früher erkennen und die Ärzte können zwischen operablen und nicht operablen Fällen besser unterscheiden.

Doch erst eine Gewebeprobe zeigt, um welche Art Bandwurm es sich handelt. Und auch hier ist den Experten ein entscheidender Schritt gelungen: Mit einer speziellen Färbemethode des Gewebes können sie eine Hunde- oder eine Fuchsbandwurmerkrankung eindeutig unterscheiden. Für den Patienten bedeutet das eine ganz genaue, zielgerichtete Behandlung.

OP bei Fuchsbandwurminfektion

Die Fuchsbandwurmlarven werden mit einer Chemotherapie bekämpft. Die einzige heilende Therapie gegen die Fuchsbandwurminfektion ist aber eine operative Totalentfernung der betroffenen Areale. So werden zum Beispiel Teile der Leber, die Gallenblase und Teile der Milz entfernt. Rechtzeitig operiert, können Betroffene mit der Infektion sehr gut leben. Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle, denn es kann vorkommen, dass die Krankheit wieder ausbricht.

Einen Rundumschutz vor Fuchsbandwürmern gibt es noch nicht. Man kann nur vorbeugen: bodennahe Früchte waschen, Haustiere regelmäßig entwurmen und nach dem Streicheln von Tieren oder nach der Gartenarbeit die Hände waschen.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. med. Wolfgang Kratzer
Leiter Zentraler Ultraschall
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 23
89081 Ulm
Internet: www.uniklinik-ulm.de

Prof. Dr. Thomas Barth
Oberarzt Institut für Pathologie
Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 23
89081 Ulm
Internet: www.uniklinik-ulm.de
 
PD Dr. Hannes Philipp Neeff
Geschäftsführender Oberarzt
Leiter Leberchirurgie
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Internet: www.uniklinik-freiburg.de

PD Dr. Winfried Kern
Leiter der Infektiologie
Klinik für Innere Medizin II
Universitätsklinikum Freiburg
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Internet: www.uniklinik-freiburg.de

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Visite | 22.03.2016 | 20:15 Uhr