Stand: 27.10.2015 14:58 Uhr  | Archiv

Frei verkäufliche Schlafmittel nicht harmlos

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Koordinationsschwierigkeiten, Schwindelgefühl und Benommenheit können Nebenwirkungen von Schlafmitteln sein.

Viele Menschen mit dauerhaften Schlafstörungen greifen aus Angst vor Tablettenabhängigkeit und den Folgen des Schlafmangels zu rezeptfreien und vermeintlich unbedenklichen Schlafmitteln. Doch die frei verkäuflichen Präparate mit ihren harmlos klingenden Namen sind alles andere als ungefährlich. So können sie zu Herzproblemen führen, da die Herzfrequenz sich erhöht - dies ist besonders bei ohnehin vorbelasteten Patienten bedenklich.

Oft wird auch der sedierende Effekt unterschätzt, der auch zehn Stunden nach der Einnahme noch zu Koordinationsschwierigkeiten, Schwindelgefühl und Benommenheit führt. In der Folge kann dies gerade bei älteren Patienten Stürze und andere Unfälle verursachen. Doch damit nicht genug: Laut einer aktuellen Studie aus den USA mit 3.500 Personen stehen die Inhaltsstoffe vieler Einschlafhelfer sogar im Verdacht, in manchen Fällen Demenz zu fördern.

Wirkung im peripheren Nervensystem und Gehirn

Die Substanzen wirken zentral auf das periphere Nervensystem und das Gehirn. Dort beeinflussen sie bestimmte Signalübermittler - die sogenannten Neurotransmitter. Bekannteste Wirkstoffe sind Diphenhydramin und Doxylaminsuccinat. Beide sind sogenannte Histaminblocker der ersten Generation und wurden noch vor einigen Jahren vor allem bei Allergiepatienten eingesetzt. Als Nebenwirkung machen sie aufgrund ihrer zentralen Wirkungsweise müde - und genau das macht sie heute so populär im Einsatz als rezeptfreie Schlafmittel. Aktuelle Antihistaminika gegen Allergien haben diese Nebenwirkungen aber nicht mehr und sind besser verträglich.

Baldrian kann eine Alternative sein

Wer regelmäßig Einschlafprobleme hat, sollte also lieber zu natürlichen Alternativen greifen. Der bekannteste Vertreter ist der Baldrian. Seine Wirkstoffe beeinflussen den Stoffwechsel der Nervenzellen und lindern damit Unruhe und Nervosität. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 450 bis 750 Milligramm. Gesteigert werden kann die Wirkung des Baldrians durch die Zugabe von Hopfen: Die natürlichen Bitterstoffe wirken stark beruhigend. Wichtig bei den natürlichen Schlafmitteln ist allerdings ein wenig Geduld, denn die Wirkung der pflanzlichen Helfer setzt in der Regel erst nach 14 Tagen ein.

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Wieso Schlafmittel so gefährlich sind

Um Schlaf zu finden, greifen viele Menschen zu Medikamenten. Ärzte verschreiben sie relativ sorglos. Dabei kann auch eine relativ kurze Einnahmedauer gravierende Folgen haben. mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Markus Schwaninger
Pharmakologe, Toxikologe
Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität zu Lübeck
Universitätskrankenhaus Schleswig-Holstein
Ratzeburger Allee 160
23562 Lübeck
Tel. (0451) 500 26 81
E-Mail: office@pharma.uni-luebeck.de
Internet: www.pharma.uni-luebeck.de/

Dr. Martin Willkomm
Geriater
Geriatriezentrum
Krankenhaus Rotes Kreuz Lübeck
Marliestraße 10
23566 Lübeck
Tel. (0451) 98 90 21 70
Fax: (0451) 98 90 21 72
Internet: www.geriatrie-luebeck.de/

Dr. Holger Hein
Schlafmediziner
Bahnhofstraße 9
21465 Reinbek
Tel. (040) 722 83 93
Fax: (040) 722 84 66
Internet: www.dr-holger-hein.de/

Dr. Jördis Hendricks
Internistin
Internistische Praxis
Brunsberg 2
22529 Hamburg
Tel. (040) 46 09 20 92
Internet: www.internist-hendricks.net/

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Visite | 27.10.2015 | 20:15 Uhr

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