Stand: 23.08.2016 14:06 Uhr  | Archiv

EMDR-Therapie hilft bei chronischen Schmerzen

Es klingt verrückt, doch es funktioniert: Durch gezieltes Bewegen der Augen kann das Gehirn so stimuliert werden, dass sich manche Leiden wie beispielsweise Depressionen und traumatische Erlebnisse signifikant lindern lassen. Diese Technik nennt sich EMDR - Englisch für "Eye Movement Desensitization and Reprocessing". Das bedeutet, dass durch Augenbewegungen eine Desensibilisierung und Aufarbeitung stattfinden soll. Die Wirksamkeit der Methode wurde bereits in klinischen Studien untersucht und erwiesen.

Wundersame Wirkung

Bild vergrößern
Warum EMDR funktioniert, ist noch nicht ganz verstanden. Vermutlich werden durch bestimmte Augenbewegungen die Gehirnhälften synchronisiert - ähnlich wie beim REM-Schlaf.

Zum Einsatz kommt EMDR bisher bei Soldaten und anderen Trauma-Patienten, um schreckliche Erlebnisse zu verarbeiten und sich davon lösen zu können. Hierfür wird die psychosomatische Therapieform mittlerweile von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Behandlungsmethode empfohlen und seit 2015 auch von den Krankenkassen bezahlt.

Einfluss auf das Schmerzgedächtnis

Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg mit EMDR ein Behandlungskonzept für Patienten mit chronischen Schmerzen entworfen, das bisher vielversprechende Ergebnisse liefert. Dabei beschreibt der Patient dem Arzt ausführlich seine Schmerzen und ruft sich außerdem besonders heftige Attacken zurück ins Gedächtnis. Gleichzeitig folgt er mit seinen Augen den gezielten Handbewegungen des Therapeuten. Durch diese Links-Rechts-Bewegungen können bestimmte Gehirnregionen stimuliert werden - und das Schmerzgedächtnis lernt Schritt für Schritt zu vergessen.

Nachgewiesene Erfolge

Die Ergebnisse verblüffen: Jedem zweiten Patienten mit chronischen Schmerzen kann auf diese Weise in mehreren Sitzungen geholfen werden - und das unabhängig davon, wie kritisch die Patienten der ungewöhnlichen Therapie gegenüberstehen.

Interviewpartner im Beitrag
Dr. med. Michael Hase
Chefarzt der Abteilung Psychosomatik
Facharzt für Psychiatrie, Zusatzbezeichnung Psychotherapie
Diana Kliniken
29549 Bad Bevensen
Tel. (05821) 80 31 11

Dr. Jonas Tesarz
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Universität Heidelberg
Tel. (06221) 56 0
E-Mail: psychosomatik@med.uni-heidelberg.de
Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen
EMDRIA Deutschland e. V.
Fachverband für Anwender der psychotherapeutischen Methode EMDR
Tel. (040) 69 66 99 37, Fax (040) 69 66 99 38
E-Mail: info@emdria.de
Internet: www.emdria.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.08.2016 | 20:15 Uhr

mit Video

Verhärteter Muskel statt Bandscheibenvorfall

Wenn starke Schmerzen vom Gesäß ins Bein ziehen, stellen einige Ärzte schnell die Diagnose Bandscheibenvorfall. Doch oft verursacht ein Muskel die Beschwerden. mehr

Kreuzschmerzen: Wenn es das ISG-Syndrom ist

Schmerzen im unteren Rücken kommen häufig vor. Oft ist ein blockiertes oder entzündetes Iliosakralgelenk die Ursache. Eine manuelle Therapie kann in vielen Fällen helfen. mehr

mit Video

Rückenschmerzen durch das Brustwirbelsäulen-Syndrom

Schmerzen im oberen Rücken beruhen häufig auf Störungen der Brustwirbelsäule, etwa Muskelverhärtungen oder Blockaden. Erfahrene Ärzte können sie ertasten und auflösen. mehr

Mehr Ratgeber

12:03

Winterquartiere für Nützlinge

16.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
03:45
05:58

Mit Sport gegen den Krebs

15.11.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin