Stand: 23.02.2016 16:31 Uhr  | Archiv

Zu viele Fuß-Amputationen bei Diabetes

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Diabetiker sollten besonders gut auf ihre Füße aufpassen, um Wunden zu vermeiden.

Das diabetische Fußsyndrom (DFS) ist eine der gefürchtetsten Komplikationen des Diabetes mellitus. Erste Anzeichen sind Taubheitsgefühle, Kribbeln, Brennen und Stechen, das an den Zehen beginnt. Durch die Zucker-Krankheit wird die Durchblutung des Beines und des Fußes gestört. Nervenstränge sterben ab und die Betroffenen spüren Verletzungen, Kälte- und Hitzeschäden an ihren Füßen erst viel zu spät - unbemerkt können sich innerhalb kürzester Zeit Geschwüre und offene Wunden entwickeln. Nicht selten bleibt dann nur noch die Amputation.

Diabetischer Fuß: Risiko wird häufig falsch eingeschätzt

Das Amputationsrisiko ist bei Diabetikern gegenüber Nichtdiabetikern 50-fach erhöht. Eigentlich sollte eine Amputation die allerletzte Option sein, doch im internationalen Vergleich sind die Zahlen in Deutschland laut Experten viel zu hoch. Bei etwa 50.000 Diabetikern pro Jahr wird eine Amputation durchgeführt. Was sind die Gründe? Immer wieder werden Patienten erst viel zu spät zum Spezialisten überwiesen, wenn eine Amputation schon unvermeidbar scheint. Viele Ärzte können aufgrund mangelnder Ausbildung oder Kenntnis das Risiko des diabetischen Fußes nicht richtig einschätzen.

Betroffene sollten spezialisierte Zentren aufsuchen

Die von der Deutschen Diabetischen Gesellschaft veröffentlichen Zahlen machen dies deutlich: In spezialisierten Zentren, in denen Diabetologen, Gefäßchirurgen, Orthopäden, Podologen und Schumacher zusammen über Therapien beraten, liegt die sogenannte Majoramputation (Abtrennung des Fußes oberhalb des Knöchels) bei 3,1 Prozent. In nicht-spezialisierten Kliniken liegt diese bei 10 bis 20 Prozent. Dabei ist es entscheidend eine Majoramputation zu vermeiden, denn nur ein Viertel überlebt diese OP fünf Jahre. Bei der Abtrennung von Fußteilen unterhalb des Knöchels (Minoramputation) sind es dagegen 80 Prozent. Experten fordern deshalb ein obligatorisches Zweitmeinungsverfahren.

Eine weitere Ursache für die hohe Zahl an Amputationen in Deutschland ist laut Experten das Vergütungssystem: Eine OP ist kostengünstiger als der Erhalt des Fußes, der meist mit einem längeren Klinikaufenthalt verbunden ist. Experten fordern deshalb einen Bonus für die Rettung des Fußes.

So kann man vorbeugen

Diabetiker sollten sich schon bei kleinsten Verletzungen an Fuß oder Bein einen Gefäßspezialisten aufsuchen, wenn die Wunde nach einer Woche nicht heilt, sondern schlimmer wird. Auch falsches Schuhwerk kann beim Diabetiker erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen.

Links

Ambulanten und stationären Fußbehandlungseinrichtungen

Die Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß informiert. extern

Bei Fußproblemen können Einlagen für Entlastung sorgen. Der Abdruck wird in sogenannten Trittschaum angefertigt. Dabei sollte der Betroffene nicht stehen, sondern im Sitzen und entlastet den Sohlenabdruck machen. Sonst kann die Einlage später die falschen Stellen an der Fußsohle betonen und zu Problemen führen. Ein Orthopädieschuhmacher fertigt die richtigen Einlagen.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Berthold Amann
Facharzt für Innere Medizin
Chefarzt Innere Medizin
Franziskus-Krankenhaus Berlin
Budapester Straße 15-19
10787 Berlin
Tel. (030) 263 80
Fax (030) 26 38 30 17
Internet: www.franziskus-berlin.de/

Prof. Ralf Lobmann
Ärztlicher Direktor
Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie
Klinikum Stuttgart
Kriegsbergstraße 60
70174 Stuttgart
Tel. (0711) 27 84 48 74
Internet: www.klinikum-stuttgart.de/kliniken-institute-zentren/klinik-fuer-endokrinologie-diabetologie-und-geriatrie/startseite/

Prof. Dr. Holger Reinecke
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Angiologie
Leiter der Abteilung für Angiologie
Spezielle internistische Intensivmedizin
Universitätsklinikum Münster
Department für Kardiologie und Angiologie
Albert-Schweitzer-Campus 1
48149 Münster
Tel. (0251) 83 476 25
Internet: klinikum.uni-muenster.de/index.php?id=angiologie_uebersicht

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Visite | 23.02.2016 | 20:15 Uhr

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