Stand: 16.06.2015 11:59 Uhr

Diabetes-Chip: Zuckermessung per Implantat

Den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren, ist für Diabetiker lebenswichtig. Diese ständige Kontrolle soll gefährlichen Unter- oder Überzuckerungen vorbeugen und dabei helfen, den Insulinbedarf zu berechnen. Über lange Sicht kann regelmäßiges Messen auch einen Eindruck darüber vermitteln, wie sich der eigene Lebensstil auf die Blutzuckerwerte auswirkt. Standard-Blutzuckermessgeräte können dabei allerdings "Stich-Proben"-artig immer nur eine Momentaufnahme der Stoffwechsellage liefern.

Messdaten auf einem Handydisplay.

Diabetes-Messchip auf dem Prüfstand

Visite -

Bis zu sechs Mal am Tag müssen Diabetiker ihren Blutzuckerwert mit einem Pieks kontrollieren. Jetzt gibt es eine Alternative: Ein Implantat, das am Oberarm abgebracht wird.

2,84 bei 45 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Implantat auf der Rückseite des Oberarms

Neuartige Glukose-Monitoring-Systeme sollen dagegen eine kontinuierliche und minutiöse Ermittlung. Und tatsächlich entfällt mit dieser Technik das lästige Stechen in den Finger zur Gewinnung eines Bluttropfens. Stattdessen muss man alle 14 Tage einen Sensor mithilfe eines Applikators auf der Rückseite des Oberarms anbringen. Dabei schiebt sich ein feiner Fühler ins Unterhautfettgewebe, um dort die Glukosekonzentration im Zwischenzellraum kontinuierlich zu messen. Die Messwerte werden im Sensor bis zu acht  Stunden gespeichert und können mithilfe eines Lesegerätes angezeigt werden. Zum Abrufen der Werte muss das Lesegerät über den Sensor gehalten werden. Wenn der Abstand vier Zentimeter nicht überschreitet, ist ein Scan auch durch Kleidung möglich.

Innerhalb von wenigen Sekunden erfährt der Nutzer dann nicht nur seinen aktuellen Glukosewert, sondern auch den Verlauf der letzten acht Stunden. Ein Trendpfeil gibt außerdem an, ob der Zuckerspiegel gerade sinkt, steigt oder sich nur langsam ändert. So kann nicht nur schnell und einfach dargestellt werden, wie sich zum Beispiel Sport oder bestimmte Lebensmittel auf den Glukosespiegel auswirken, sondern auch, wie sich Zuckerwerte nachts entwickeln.

Betroffene müssen vorher geschult werden

Das kontinuierliche Erfassen der Werte kann dem Patienten und dem behandelnden Arzt bei der Auswertung dabei helfen, die Diabetestherapie zu optimieren. Durch die Nutzung dieser neuen Messtechnik erhält der Patient in Echtzeit viel mehr Informationen, als es bislang bei der punktuellen Blutglukosemessung möglich war. Das kann allerdings auch gefährlich werden, wenn der Patient nicht weiß, wie er bestimmte Werte oder einen Verlauf interpretieren soll. Experten empfehlen daher, dass diese Geräte nicht ohne vorhergehende Schulung angewandt werden sollten. Eine Fehlinterpretation der Werte kann zu falschen Therapieentscheidungen führen - und das kann gefährlich werden.

Keine Kostenerstattung durch die Krankenkassen

Ein weiterer Nachteil sind die Kosten: Lesegerät und Sensor haben einen Preis von circa 60 Euro. Da der Sensor alle 14 Tage gewechselt werden muss, sollte man mit mindestens 120 Euro im Monat rechnen. Es kann allerdings noch teurer werden, denn in der Praxis hat sich leider gezeigt, dass die Sensoren nicht immer so gut halten wie vom Hersteller versprochen. Die Kosten werden von den Krankenkassen noch nicht regelhaft übernommen, was unter anderem daran liegt, dass bislang noch keine wissenschaftlichen Studien veröffentlicht wurden, die den medizinischen Nutzen und eine sichere Anwendung garantieren können.

Weitere Informationen
mit Video

Typ-2-Diabetes erkennen und behandeln

Typ-2-Diabetes bleibt oft lange unentdeckt, denn anfangs verläuft die Zuckerkrankheit symptomfrei. Die schweren Folgeerkrankungen lassen sich durch richtige Ernährung verhindern. mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. med. Christine Nagel-Reuper
Diabetologin

Sandra Schlüter
Diabetologin
Diabetologische Schwerpunktpraxis
Mühlenstraße 26
37154 Northeim
Tel. (05551) 910 22 77
Fax (05551)  910 22 78

Dr. med. Guido Freckmann
Institut für Diabetes-Technologie
Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH an der Universität Ulm
Helmholtzstraße 20
89081 Ulm
Tel. (0731) 509 900
Mail: info@idt-ulm.de
Internet: www.idt-ulm.de/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 16.06.2015 | 20:15 Uhr