Stand: 21.07.2015 13:59 Uhr

Nicht immer einfach: Datenschutz beim Arzt

von Michael Engel, NDR Info
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Oft ist im Anmeldebereich einer Arztpraxis nicht genügend Platz, um Vertraulichkeit zu wahren.

Die Anmeldung ist die Schaltzentrale einer Arzt-Praxis. Hier laufen alle Fäden zusammen, melden sich Patienten zur Sprechstunde an oder holen Rezepte ab. Und immer geht es auch um persönliche Daten und deren Schutz. Doch oft bilden sich am Anmeldetresen lange Schlangen und alle können mithören, was dort gesprochen wird.

Anders sieht es bei Dr. Matthias Berndt, Allgemeinmediziner in Hannover, aus. Dort ist die Anmeldung der größte Raum. Patienten treten einzeln heran oder warten nebenan hinter einer Glaswand. "Wir haben spezielle Schallschutztüren, damit auf keinen Fall etwas herausdringt", erklärt der Arzt. Wer in der Praxis anruft, um einen Termin zu vereinbaren oder ein Rezept zu bestellen, kann sicher sein, dass keine Daten an die Öffentlichkeit gelangen. Anrufe werden nämlich nicht in der Anmeldung angenommen, sondern separat in einer Telefonzentrale.      

Auch Patientenakten liegen nicht herum: Die Daten sind im Computer elektronisch durch Passwörter geschützt. Es wird sogar festgehalten, wer wann welche Seiten geöffnet hat. Kleinere Praxen, so die Datenschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen Barbara Thiel, hätten da schon Probleme einen sogenannten Diskretionsabstand einzuhalten.

Namentlicher Aufruf ist nicht optimal

Wer beim Arztbesuch spürt, dass andere mithören, muss die Frage nach dem Grund des Besuches nicht beantworten. Oder er beantwortet sie schriftlich auf einem Zettel. Um nicht mit dem richtigen Namen aufgerufen zu werden, kann ein Pseudonym vereinbart werden, rät die Unabhängige Patientenberatung. "Der namentliche Aufruf ist sicherlich nicht völlig bedenkenfrei", meint auch Datenschützerin Thiel.   

Arzt muss Schweigepflicht einhalten

Fremde Patientenakten, die noch im Sprechzimmer herumliegen, sind kein Zeichen für ernst genommenen Datenschutz. Vorhänge zur optischen Abtrennung von Behandlungsbereichen passen ebenso wenig in die Zeit wie Gespräche mit dem Arzt über aktuelle Befunde auf dem Flur. Wer die ärztliche Schweigepflicht verletzt sieht, sollte sich nach Ansicht von Datenschützerin Thiel besser gleich an die Behörde wenden: "Der Arzt wird sicherlich seine Sicht der Dinge haben und unter Umständen kommt der Patient an der Stelle nicht weiter. Jeder hat die Möglichkeit, sich mit Anliegen, Anfragen und Beschwerden an uns zu wenden. Wir prüfen das, gehen der Sache nach, setzen uns mit dem Betroffenen auseinander und machen deutlich, was anders laufen müsste."

Auch Online-Service nicht immer sicher

Viele Praxen bieten ihren Patienten auch online die Möglichkeit, Termine zu vereinbaren und Rezepte anzufordern. Nur leider in aller Regel unverschlüsselt über offene Verbindungen. Und das geht nach Ansicht der Datenschutzbeauftragten gar nicht. Patienten sollten daher besser anrufen und vor Ort Abstand halten. Denn Datenschutz ist nicht nur eine Bringschuld des Arztes, auch die Patienten können ihren Teil dazu beitragen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 22.07.2015 | 09:20 Uhr

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