Stand: 05.12.2017 16:19 Uhr

Was hilft gegen chronischen Juckreiz?

Bild vergrößern
Chronischer Juckreiz kann für Betroffene quälend sein.

Wenn die Haut länger als sechs Wochen brennt, spannt oder juckt, sprechen Ärzte von chronischem Juckreiz. Betroffene haben oft einen hohen Leidensdruck: Sie kratzen sich beispielsweise wund oder können nicht mehr richtig schlafen. Juckreiz macht sich zwar an der Haut bemerkbar, der Auslöser liegt jedoch oft ganz woanders im Körper. Mögliche Ursachen sind Entzündungen, Medikamente, Allergien, Erkrankungen von Leber oder Niere, Diabetes, Tumore und neurologische Erkrankungen. In vielen Fällen wird der Grund für chronischen Juckreiz nicht oder erst sehr spät erkannt. In Deutschland leiden rund zwölf Millionen Menschen an chronischem Juckreiz.

Eine Hand untersucht die Haut eines Arms mit Kratzspuren.

Was hilft gegen chronischen Juckreiz?

Visite -

Chronischer Juckreiz kann die Folge einer Erkrankung von Leber oder Galle sein. Gegen die oft quälenden Beschwerden können verschiedene Therapien helfen.

bei Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Cholestatischer Juckreiz durch Leber und Galle

Sind Erkrankungen von Leber oder Galle die Ursache, handelt es sich um den sogenannten cholestatischen Juckreiz. Dieser tritt bereits in frühen Krankheitsstadien auf und kann beispielsweise auf eine Gelbsucht (Ikterus) hinweisen.

Typisch ist eine Zunahme der Beschwerden in den frühen Abend- und Nachtstunden. Häufig tritt der Juckreiz an den Fußsohlen und an den Innenflächen der Hände auf. Er kann zu Schlafstörungen und Depressionen führen. Kratzen der Haut bringt beim cholestatischen Juckreiz oft keine Linderung, kann aber zu sogenannten sekundären Hautveränderungen wie Hautabschürfungen, kleinen Wunden, Blutungen, Krusten und Juckreizknötchen (Prurigo nodularis) führen. Und das wiederum kann erneut Juckreiz auslösen.

Bei 80 Prozent derjenigen, die an primärer biliärer Zirrhose (PBC) oder primärer sklerosierender Cholangitis (PSC) erkrankt sind, ist Juckreiz vorherrschendes Symptom. Bei chronischer Hepatitis-C-Infektion leiden fünf bis 15 Prozent der Betroffenen an chronischem Juckreiz. Relativ selten tritt Juckreiz bei chronischer Hepatitis-B-Infektion und alkoholischen Lebererkrankungen auf. 

Weitere Informationen

Chat-Protokoll zum Thema Juckreiz

Wenn die Haut länger als sechs Wochen juckt, sprechen Ärzte von chronischem Juckreiz. Prof. Dr. Stefan Schneider hat im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Ursachen für cholestatischen Juckreiz

Bei gestörter Sekretion von Gallensäure sammeln sich sogenannte gallepflichtige Stoffe im Blut und im Gewebe an. Sie können zur Entstehung von Juckreiz beitragen. Auch weibliche Sexualhormone werden als Juckreiz-auslösende Stoffe diskutiert. Frauen mit cholestatischen Lebererkrankungen berichten häufig über besonders starken Juckreiz. Bei Lebererkrankungen könnten körpereigene Opioide eine Rolle als Auslöser spielen.

Cholestatischen Juckreiz behandeln

Erste Wahl bei der Behandlung des cholestatischen Juckreizes ist das sogenannte Austauscherharz Colestyramin. Es sollte jeweils vor und nach dem Frühstück eingenommen werden. Allerdings muss die Einnahme mit einem zeitlichen Abstand von mindestens vier Stunden zu anderen Medikamenten erfolgen, da es deren Aufnahme im Körper stören kann. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Unwohlsein, Blähungen und Durchfälle.

Das Antibiotikum Rifampicin stellt die zweite Wahl in der Juckreizbehandlung dar. Als Nebenwirkung kann es eine zusätzliche Leberschädigung verursachen. Daher sollten bei einer Rifampicin-Therapie die Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden. Auch Opioid-Antagonisten wie Naltrexon als Tablette oder Naloxon als Infusion können zur Behandlung des chronischen Juckreizes eingsetzt werden. Die Therapie sollte mit niedriger Dosierung beginnen, da sonst schwere Entzugserscheinungen auftreten können. An zwei Tagen pro Woche sollte die Behandlung pausieren, damit kein Gewöhnungseffekt an das Medikament eintritt.

Neuropathischen Juckreiz behandeln

Vom cholestatischen Juckreiz unterscheidet sich der sogenannte neuropathische Juckreiz. Er entsteht bei starkem Druck auf die empfindlichen Nervenfasern der Haut, wie zum Beispiel bei einem Bandscheibenvorfall. In der Regel betrifft der neuropathische Juckreiz ein bestimmtes, klar begrenztes Hautareal. Gegen neuropathischen Juckreiz hilft das Kühlen der Haut, zum Beispiel mit mentholhaltigen Cremes und Medikamente, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden (Anti-Epileptika wie Gabapentin oder Pregabalin). Offenbar dämpfen sie die Weiterleitung bestimmer Impulse an das Gehirn.

Tipps gegen Juckreiz

Die Haut sollte regelmäßig mit rückfettenden Cremes behandelt werden, vor allem nach dem Duschen. Damit die Haut nicht mechanisch gereizt wird, sollten Betroffene nicht zu eng anliegende Kleidung aus Baumwolle tragen. Antihistaminika können Juckreiz dämpfen.

Weitere Informationen
mit Video

Leberschäden: Wie Regeneration gelingen kann

Die Leber entgiftet, bildet Blut-Eiweiße und hilft bei der Fettverdauung. Alkoholmissbrauch und Entzündungen, aber auch falsche Ernährung und Bewegungsmangel können das Organ schädigen. mehr

mit Video

Fettleber mit gesunder Ernährung heilen

An einer Fettleber können auch schlanke Menschen erkranken. Mögliche Folgen: Nierenschwäche, Krebs und Diabetes. Mit dieser Ernährung schützen Sie die Leber. mehr

Lebermetastasen: Heilungschancen und Therapien

Die Leber hat das Vermögen, sich zu regenerieren. Diese Eigenschaft machen sich Mediziner bei Metastasen in dem Organ zunutze. Durch spezielle Therapien ist Heilung möglich. mehr

05:03

Interview: Chronischer Juckreiz

05.12.2017 20:15 Uhr
Visite

Chronischer Juckreiz kann die Folge einer Erkrankung von Leber oder Galle sein. Was gegen die Beschwerden hilft, erklärt Dermatologe Professor Stefan W. Schneider. Video (05:03 min)

Interviewpartner

Prof. Dr. Stefan Werner Schneider
Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Andrologie und Venerologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 52 630, Fax (040) 7410 54 861
Internet: www.uke.de

Dr. Claudia Zeidler
Funktionsoberärztin der Klinik für Hautkrankheiten
Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus
Universitätsklinikum Münster
Von-Esmarch-Str. 58, 48149 Münster
Tel. (0251) 83 56 501
Email: juckreizambulanz@ukmuenster.de
Internet: www.juckreiz-informationen.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.12.2017 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

09:07

Alltagspsychologie: Warum wir Rituale brauchen

11.12.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
43:42

Tipps zum Schutz vor Arthrose

11.12.2017 21:00 Uhr
NDR Fernsehen
06:15

Grillpfannen im Praxistest

11.12.2017 20:15 Uhr
Markt