Stand: 10.03.2015 13:53 Uhr  | Archiv

Chikungunya-Fieber auf dem Vormarsch

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Vor allem die Asiatiasche Tigermücke ist für die globale Verbreitung des Chikungunya-Fiebers verantwortlich.

Wer nach dem Urlaub von heftigen Symptomen wie hohem Fieber, starken Gelenk- oder Kopfschmerzen oder Hautausschlag geplagt wird, den hat es möglicherweise richtig erwischt: Immer mehr tropische Krankheiten machen sich auch in Europa breit. Malaria und Dengue-Fieber kennen die meisten, nun behandeln Mediziner immer mehr Personen, die am Chikungunya-Fieber leiden.

"Chikungunya" - "der gekrümmte Gehende"

"Chikungunya" stammt aus der Sprache der Makonde im Südosten Tansanias und heißt übersetzt "der gekrümmte Gehende" - wegen der starken Schmerzen, die das Virus auslöst. In Tansania und Uganda wurde es in den 1950er-Jahren entdeckt. Als 2006 auf der französischen Insel La Reunion mehr als 200.000 Infizierte gemeldet wurden, rückte die Krankheit wieder mehr ins Bewusstsein der westlichen Mediziner. In der Zwischenzeit ist das Virus auch in der Karibik und auf dem amerikanischen Festland angekommen. Laut Robert Koch-Institut nehmen Infektionen bei deutschen Karibik-Reiserückkehrern stetig zu.

Stechmücken als Überträger

Von Mensch zu Mensch können sich die Viren nicht verbreiten, sie benötigen Stechmücken als Überträger. Vor allem die Asiatiasche Tigermücke ist für die globale Verbreitung des Chikungunya-Fiebers verantwortlich - und sie ist auch bereits in Südeuropa nachweisbar. Über den Speichel des Insekts gelangen die Erreger in das Blut des Menschen und breiten sich im ganzen Körper aus. Das Tückische ist, dass die Tiere, im Vergleich zu unseren heimischen Mücken, die in der Dämmerung aktiv sind, tagsüber stechen.

Die Symptome treten drei bis sieben Tage nach dem Mückenstich auf. Betroffene haben etwa eine Woche mit Fieber zu kämpfen. Kritisch kann Chikungunya für Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen sein.

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Chikungunya-Fieber

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Importierte Epidemien

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. extern

Die Krankheit kann mit einer Blutuntersuchung auf spezielle Antikörper nachgewiesen werden. Bisher gibt es aber weder wirksame Medikamente noch einen Impfstoff. Mediziner können nur die Symptome lindern. Wichtig ist, dass Betroffene ihren Arzt informieren, wenn sie kurz zuvor von einer Reise zurückgekehrt sind. Wer die Krankheit überstanden hat, besitzt nach jetzigem Forschungsstand eine lebenslange Immunität.

Mediziner raten dringend, sich vor einem Urlaub in ferne Länder reisemedizinsch beraten zu lassen. Vor Ort kann man das Infektionsrisiko nur durch Mückenschutz verringern. Langärmelige Shirts und Hosen sowie mückenabweisende Mittel gelten als beste Maßnahmen. Nachts schützt ein Moskitonetz.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Irmela Müller-Stöver
Tropenmedizinerin, Funktionsoberärztin
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie
Universitätskliniukm Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
Tel. (0211) 81 00
Fax: (0211) 810 48 55
Internet: www.uniklinik-duesseldorf.de/

Dr. Jonas Schmidt-Chanasit
Leiter Virusdiagnostik
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
Internet: www.bnitm.de

Dr. Stefan Schmiedel
Leiter Klinische Infektiologie
Sektion Tropenmedizin, Bernhard-Nocht-Klinik
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

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