Stand: 19.04.2016 12:44 Uhr

Borreliose: Mücken sind nicht Überträger

Je nach Gebiet sind 10 bis 30 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert.

Die Lyme-Borreliose ist eine von Zecken übertragene, mit der Syphilis verwandte Infektionskrankheit. Sie verläuft anfangs oft unbemerkt, kann aber unbehandelt noch nach vielen Jahren Gelenkschmerzen und Nervenleiden wie Empfindungsstörungen oder Sehschwächen auslösen.

Eine Mücke.

Borreliose: Können auch Mücken Überträger sein?

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Können neben Zecken auch Mücken Überträger von Borrelien sein? Experten geben Entwarnung. Übertragen wird die Borreliose ausschließlich von Zecken. Wie schützt man sich?

Lyme-Borreliose nicht durch Mücken übertragbar

Für Aufregung sorgten kürzlich Meldungen, Borrelien, die Erreger der Lyme-Borreliose, seien auch in Mücken gefunden worden. Doch Experten geben Entwarnung: Noch nie sei die Krankheit über einen Mückenstich auf den Menschen übertragen worden und in einer Studie seien nur Bruchstücke von Borrelien-DNA in Mücken nachgewiesen worden, keine lebenden Bakterien.

Zecken wandern in die Städte

Übertragen wird die Borreliose also ausschließlich von Zecken. Vor allem in Laubwäldern warten die Spinnentiere bis zu drei Jahre auf Gräsern und Sträuchern auf ihr Opfer, aber auch in städtischen Grünanlagen kommen sie immer häufiger vor. Je nach Gebiet sind 10 bis 30 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert, die sie auf den Menschen übertragen können. Sie lassen sich im Vorübergehen abstreifen, klettern dann unbemerkt an ein ruhiges, gut durchblutetes Plätzchen am Körper ihres neuen Wirtes und stechen zu.

Trägt die Zecke Borrelien in sich, dauert es meist 24 Stunden, bis sie die spiralförmigen Bakterien auf den Menschen überträgt: Die Borrelien sitzen an der Außenseite der Darmwand der Zecke. Erst wenn die Zecke Blut saugt und das erste Blut in ihrem Darm ankommt, wandern die Bakterien in den Zeckendarm der Zecke und von dort über den Saugrüssel in die Wunde. Zunächst gelangen die Borrelien durch die Stichwunde in die Haut und verteilen sich dann über die Blutbahn im ganzen Körper, dringen in das Nervensystem, das Herz oder die Gelenke ein.

Borreliose lässt sich nur schwer erkennen

Da Zecken beim Stich ein Betäubungsmittel in die Wunde spritzen, bleiben sie oft lange unbemerkt und fallen erst auf, wenn sich ihr Körper mit Blut gefüllt hat. Dann kann es schon zu spät sein. Das Problem: Eine Borreliose lässt sich nur schwer erkennen. Die ersten Symptome werden häufig mit einem grippalen Infekt verwechselt. Es gibt zwar typische Zeichen wie eine Wanderröte direkt nach dem Stich, doch die tritt nur in einem Drittel aller Fälle auf. Und je länger die Borreliose unerkannt bleibt, desto schwerer lässt sie sich diagnostizieren.

Links

Borreliose (Lyme-Borreliose)

Das Robert Koch Institut informiert. extern

Zecken

Hintergrundinformationen und Ansprechpartner bietet das Deutsche Grüne Kreuz. extern

Zecken - Borreliose und FSME

Hintergrundinformationen und Ansprechpartner bietet das Deutsche Grüne Kreuz. extern

Oft sind mehrere Antikörpertests erforderlich, bis der Arzt wirklich Hinweise auf eine Borreliose findet. Und selbst dann ist die Erkrankung nicht gesichert - dafür müssen noch typische Symptome wie Kopfschmerzen, Gelenkschwellungen und Erschöpfungszustände hinzukommen. Behandelt wird eine Borreliose mit einer bis zu dreimonatigen Antibiotika-Therapie, die umso erfolgreicher ist, je früher sie einsetzt. Trotz erfolgreicher Therapie können aber Folgeschäden zurückbleiben.

So schützt man sich vor Zecken

Zecken sind extrem widerstandsfähig und können sowohl lange Trockenperioden als auch einen Waschgang in der Waschmaschine überleben. Ein guter Schutz sind helle lange Hosen, die in die Socken gesteckt werden, und festes Schuhwerk. Sie erschweren es den Spinnentieren erheblich, sich unbemerkt in der Haut festzusetzen. Hat sich eine Zecke doch festgebissen, sollte sie ganz dicht an der Haut gefasst und senkrecht entfernt werden. Nicht drehen oder quetschen, denn sonst entleert die Zecke ihren infektiösen Speichel ins Blut ihres Opfers. Wird die Zecke möglichst schnell entfernt, ist das Risiko einer Borreliose gering.

Weitere Informationen

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Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Stefan Schmiedel
Leiter Klinische Infektiologie, Sektion Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Klinik
Ambulanzzentrum des UKE GmbH
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

Dr. Olaf Kahl
Biologe
tick-radar GmbH
Haderslebener Straße 9, 12163 Berlin
Internet: www.zeckenwetter.de

Prof. Dr. rer. nat Stefan Linder
Institut für medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Campus Forschung (Geb. N27, 2. OG)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de

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