Stand: 28.11.2017 10:25 Uhr

Borreliose: Die Infektion sicher erkennen

Mit etwa 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist die Lyme-Borreliose hierzulande die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Regional unterschiedlich sind bis zu 30 Prozent der Zecken mittlerweile Träger der Borreliose-Erreger, der sogenannten Borrelien. Bei etwa fünf Prozent der Zeckenstiche kommt es zu einer Borrelien-Infektion, aber nur jeder hundertste Infizierte erkrankt auch tatsächlich an einer Borreliose. Die ist - vor allem früh erkannt - gut zu therapieren und führt nur selten zu einem chronischen Verlauf.

Zecke richtig aus der Haut ziehen

Symptome der Lyme-Borreliose

Die Borreliose ist schwer zu diagnostizieren, weil sie völlig unterschiedliche, diffuse Symptome verursachen kann, die mitunter noch viele Jahre nach einem Zeckenstich auftreten. Zudem gibt es keinen typischen Verlauf. Die Patienten bemerken den Zeckenstich meist nicht, und wenn Monate später Symptome auftreten, denkt auch nicht jeder Arzt gleich an Borreliose. Ein Hauptproblem ist, dass das Stadium der Krankheit schwer zu erkennen ist. Nur in jedem zweiten Fall kommt es zur klassischen Wanderröte nach dem Zeckenstich. Nicht selten sind spät auftretende Symptome wie Schwellungen, Schmerzen und Entzündungen in Gelenken die ersten Anzeichen der Erkrankung, manchmal auch Taubheitsgefühle, Seh- oder Hörstörungen, seltener Lähmungen im Gesicht oder am Körper. So dauert es oft lange, bis die richtige Diagnose gestellt ist.

Diagnose anhand von Labortests und aktuellen Symptomen

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Nur in jedem zweiten Fall kommt es nach einem Zeckenstich zur sogenannten Wanderröte.

Hausärzte, Rheumatologen und Neurologen sind die richtigen Ansprechpartner für diese Erkrankung. Sie stellen die Diagnose in erster Linie anhand der aufgetretenen Symptome. Labortests, vor allem der Nachweis spezifischer Antikörper im Blut, können die Diagnose sichern oder auch widerlegen. Die wissenschaftlich etablierte Diagnostik beginnt immer mit der klinischen Beurteilung der Symptome. Legen diese einen Borreliose-Verdacht nahe, werden ein Elisa-Suchtest und ein Immunoblot als Bestätigung durchgeführt. Diese immunologischen Labortests zeigen sehr sicher, ob der Patient jemals eine Borrelien-Infektion hatte. Sie können allerdings nicht unterscheiden, ob es sich um eine alte, überstandene Infektion handelt oder um eine aktuelle. Deshalb werden die Laborergebnisse immer nur im Zusammenhang mit den aktuellen Symptomen des Patienten beurteilt. Bei neurologischen Symptomen wie Lähmungen wird zusätzlich noch das Nervenwasser untersucht. Finden sich darin Borrelienmarker, ist eine sogenannte Neuro-Borreliose gesichert.

Experten warnen vor unseriösen Testverfahren

Die schwierige Diagnose bietet allerdings auch Nährboden für dubiose Geschäftsgebaren mancher Kliniken. Experten kritisieren, dass immer öfter auch wissenschaftlich nicht ausreichend überprüfte Testverfahren angeboten werden. Dazu gehörten zum Beispiel der sogenannte Lymphozytentransformationstest und der Antigennachweis im Urin. Diese Tests führten in den vergangenen Jahren immer wieder dazu, dass andere Krankheiten wie Fibromyalgie oder das chronische Müdigkeitssyndrom fälschlich als Borreliose diagnostiziert und behandelt wurden.

Therapie mit Antibiotika

Die Therapie der Borreliose besteht immer aus einer Antibiotikagabe, meist für zwei, maximal für vier Wochen. Welches Antibiotikum in welcher Form, Dosis und Dauer dabei eingesetzt wird, ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Langfristige Antibiotikatherapien über mehrere Monate werden immer wieder angeboten, sind aber wissenschaftlich nicht ausreichend begründet und werden von Experten als eher gefährlich als nützlich angesehen.

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Nationales Referenzzentrum für Borrelien

Am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist das Nationale Referenzzentrum für Borrelien angesiedelt. Bürger, Patienten und Mediziner können sich dort beraten lassen. extern

Warnung vor Ausbreitung neuer Zeckenerkrankungen

Besser als jede Therapie ist es, Zeckenstiche von vornherein zu vermeiden, zumal die Borreliose nicht die einzige durch Zecken übertragene bakterielle Infektionskrankheit ist. Experten des Robert-Koch-Instituts in Berlin warnen seit Jahren vor der Ausbreitung neuer bakterieller Zeckenerkrankungen, die Schlaganfälle und vermutlich auch Herzinfarkte verursachen können. Auch neue Zeckenarten verbreiten sich hierzulande - und tragen Erreger in sich, die man bisher nur aus südlichen Ländern kennt. Diese Entwicklung macht einen effektiven Schutz gegen Zeckenstiche immer wichtiger.

Zecken warten bis zu drei Jahre auf ihren Wirt

Immer häufiger treten Zecken nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt in Massen auf, zum Beispiel auf öffentlichen Grünflächen und in Parks. Auf Grashalmen warten sie bis zu drei Jahre auf ihren nächsten Wirt. Bietet sich die Gelegenheit, lassen sie sich abstreifen, wandern am Körper unbemerkt an eine gut durchblutete Stelle und stechen zu. Da die winzigen Spinnentiere beim Stich ein Betäubungsmittel in die Wunde spritzen, bleiben sie oft lange unbemerkt und fallen erst nach Tagen auf. Dann hat sich ihr Körper prall mit Blut gefüllt und Krankheitserreger können bereits auf wenn den Wirt übertragen worden sein.

Blutsauger können sogar Waschgang überstehen

Einige Zecken schmuggeln sich über die Kleidung in die Wohnung. Dort können sie lange überleben. Sie überstehen sogar einen Waschgang bei 40 Grad mit anschließendem Schleudern. Festes Schuhwerk und lange Hosen, deren Beine in die Socken gesteckt werden, lassen Zecken kaum eine Chance, auf die Haut zu gelangen. Der Körper sollte nach einem Aufenthalt im Freien in bekannten Risikogebieten immer nach Zecken abgesucht werden. Bestimmte Duftstoffe (Repellentien) halten durch ihren Geruch Zecken fern. Sie werden auf die Haut aufgetragen und bieten für einige Stunden einen gewissen Schutz vor den gefährlichen Blutsaugern.

Lebensgefährliche Hirnhautentzündung

In der Vergangenheit wurden auch in Norddeutschland vereinzelt Menschen durch Zecken mit dem FSME-Virus infiziert. Der Erreger löst die lebensgefährliche Hirnentzündung "Frühsommer-Meningo-Enzephalitis" aus, gegen die es keine Therapie gibt. Forscher vermuten, dass die Infektionen in Norddeutschland von der Auwaldzecke übertragen wurden. In süddeutschen Risikogebieten wird empfohlen, sich gegen FSME impfen zu lassen. Diese allgemeine Empfehlung gilt im Norden noch nicht, aber wer häufig im Wald unterwegs ist oder in Süddeutschland Urlaub macht, sollte über die Impfung nachdenken.

Eine Zecke wandert auf der Haut.

Borreliose: Die Infektion sicher erkennen

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Bis zu 30 Prozent der Zecken tragen Borreliose-Erreger in sich und können diese bei einem Stich auf den Menschen übertragen. Früh erkannt, ist die Krankheit gut zu therapieren.

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Mit bis zu 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist die Lyme-Borreliose hierzulande die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Interview mit der Rheumatologin Gabriela Riemekasten. Video (04:29 min)

Interviewpartner

Prof. Dr. Gabriela Riemekasten, Klinikdirektorin
Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Internet: www.rheuma.uni-luebeck.de

Dr. Peter Michels, Leitender Oberarzt
Abteilung für Neurologie mit überregionaler Stroke-Unit, Neurophysiologie und Neurologischer Intensivmedizin
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1, 22763 Hamburg
Tel. (040) 18 18-81 14 01, Fax (040) 18 18-81 49 06
Internet: www.asklepios.com/altona

Prof. Dr. Frank Moosig, Facharzt für Innere Medizin/Rheumatologie
Rheumazentrum Schleswig-Holstein Mitte
Kuhberg 5a-7, 24534 Neumünster
Tel. (04321) 60 223-0
Internet: www.rheuma-schleswig-holstein.de

Weitere Informationen
Robert-Koch-Institut
Internet: www.rki.de

Nationales Referenzzentrum Borrelien
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Internet: www.lgl.bayern.de/

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