Stand: 07.04.2015 17:46 Uhr  | Archiv

Zeckengefahr auch in Städten

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Der Stich einer Zecke kann die Infektionskrankheit Borreliose übertragen.

Zecken erobern die Städte: Das Risiko einer Infektion mit Lyme-Borreliose droht inzwischen selbst in städtischen Parks, Gärten und auf Spielplätzen. Laut einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim befinden sich Zecken in allen Gärten und Grünanlagen von Großstädten, denn Wirtstiere wie Mäuse, Ratten, Vögel oder Wildtiere finden hier immer mehr geeignete Lebensräume. Wer nicht selbst in Parks und Wäldern unterwegs ist, kann trotzdem durch Haustiere, insbesondere freilaufende Katzen, mit Zecken in Berührung kommen. Auch die klimatischen Rahmenbedingungen haben sich verändert: In den Städten ist es heute im Schnitt zwei bis drei Grad wärmer als im Umland - ein Paradies für Zecken, denn die lieben höhere Temperaturen. Sinkt das Thermometer nicht unter sieben Grad Celsius, bleiben Zecken auch im Winter aktiv.

Während die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) bisher nur im Süddeutschland vorkommt, liegt das Risiko, sich durch einen Zeckenstich mit Lyme-Borrelien zu infizieren, im bundesweiten Durchschnitt bei rund 50 Prozent. Wo es zwischen Flensburg und Konstanz geeignete Wirte gibt, sind auch mit Borrelien infizierte Zecken unterwegs. Sticht eine Zecke zu, dauert es durchschnittlich zehn Stunden bis sie Borrelien überträgt. Oft breitet sich daraufhin eine sogenannte Wanderröte ringförmig um den Einstich aus. Die Bakterien verteilen sich im Körper und können ins Nervensystem, in die Gelenke oder das Herz eindringen. Wird die Krankheit chronisch, führt das auch Jahre oder Jahrzehnte später zu Hautveränderungen sowie zu Gelenk- oder Nervenschäden.

Bei Verdacht auf Borreliose muss man schnell handeln, doch oft werden nach Zeckenstichen kostspielige Laboruntersuchungen auf Antikörper durchgeführt, die viele Menschen nach einer früheren, unbemerkt gebliebenen Infektion in sich tragen. Die Laboruntersuchung zeigt aber nicht, ob bei dem aktuellen Stich Borrelien übertragen wurden, mahnen Experten.

Neue Krankheitserreger entdeckt

Aber nicht nur Borreliose kann mit dem Stich der Zecken übertragen werden. Auch ganz neue bakterielle Zeckenerkrankungen kommen dazu, warnen Experten des Robert Koch Instituts (RKI) in Berlin. Diese Erreger können zu Schlaganfällen und vermutlich auch Herzinfarkten führen. Die Forscher des RKI sammelten Zecken aus verschiedenen Gebieten in und um Berlin. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass bereits bis zu 20 Prozent aller Zecken die neuen Erreger in sich tragen. Auch neue Zeckenarten verbreiten sich hierzulande - und tragen weitere Krankheitserreger in sich, die man bisher nur aus südlichen Ländern kennt. Mehr als zehn für den Menschen gefährliche Erreger wiesen die Forscher in den Zecken nach. Einige zerstören die Wände der Blutgefäße und könnten Ursache vieler Thrombosen sein.

Links

Von Zecken übertragene Erkrankungen

Das Robert Koch Institut informiert. extern

FSME-Risikogebiete

Informationen des Robert Koch Instituts zu FSME mit einer Karte der Risikogebiete. extern

Deutschlandkarte: Wo sind Zecken aktiv?

Auf der Internetseite zeckenwetter.de finden Sie eine Prognose, in welchen Regionen Zecken aktiv sind. extern

Um sich zu schützen, raten Experten zu angemessener Kleidung (helle lange Hosen, die in die Socken gesteckt werden, und festem Schuhwerk. Bestimmte Öle und Mittel (Repellentien) halten durch ihren Geruch Zecken fern. Sie werden auf die Haut aufgetragen und bieten für einige Stunden einen gewissen Schutz. Wer im Freien unterwegs war, sollte seinen Körper außerdem direkt danach auf Zecken untersuchen. Zum Entfernen sollte man eine Zeckenzange oder sogenannte Zeckenkarte verwenden. Die Parasiten dürfen nicht gequetscht werden, sonst gelangen die Viren und Bakterien in den Körper des Wirts. Anschließend sollte der Stich desinfiziert werden.

Weitere Informationen

FSME und Lyme-Borreliose

Zecken können verschiedene Krankheiten übertragen. Die Lyme-Borreliose kann mit Medikamenten behandelt werden, bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis hilft nur eine Schutzimpfung. mehr

So schützen Sie sich vor Zecken

In Wäldern, Parks und im Garten kann man von einer Zecke gestochen werden. Wie groß ist die Gefahr, dadurch an Borreliose oder einer Hirnhautentzündung zu erkranken? mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Univ.Prof. Franz-Rainer Matuschka
Parasitologe
Hochschulambulanz Universität Potsdam
Zentrum für Sportmedizin, Freizeit-, Gesundheits- und Leistungssport
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam
Internet: www.uni-potsdam.de/sportmedizin/index.html

Dr. rer. nat. Peter Hagedorn
Diplom-Biologe
Robert Koch Institut
Postfach 650261
13302 Berlin
Internet: www.rki.de

Dr. Christoph Salomon
Allgemeinmediziner
Große Bergstraße 211
22767 Hamburg
Tel. (040) 38 08 78
Internet: www.dr-salomon.net/

Susanne Gullans
Internistin
Wiesenkamp 5
22359 Hamburg
Tel. (040) 68 87 09 99
Internet: www.gullans.de/

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Visite | 07.04.2015 | 20:15 Uhr