Stand: 15.09.2015 11:13 Uhr  | Archiv

Warum ein dicker Bauch krank macht

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Zu viel Bauchfett macht krank.

Der "Dad Bod" gilt als neues Schönheitsideal bei Männern. Gemeint ist der "Papa-Körper": ein bisschen pummelig und Bauch. Aus medizinischer Sicht ist dieser Trend wenig empfehlenswert, denn gerade zu viel Bauchfett macht krank. Für Ärzte, die täglich übergewichtige Menschen beraten und behandeln, ist gerade ein dicker Bauch ein Alarmzeichen. Er zeigt, dass die Verfettung im Körper bereits weit vorangeschritten ist und der Organismus darunter leidet - auch wenn sich der Bauchträger eigentlich ganz fit fühlt.

Bauchfett produziert gefährliche Hormone

Das Problem bei Bauchfett: Das versteckte Fett sammelt sich über Jahre zwischen den Organen an und spielt eine völlig andere Rolle als sonstiges Körperfett an den Beinen oder am Gesäß. Es arbeitet wie ein eigenständiges Organ und breitet sich im gesamten Bauchraum aus. Dort produziert es Hormone, die die inneren Organe beeinträchtigen: Der Blutdruck steigt, der Darm ist gestört. Diabetes kann entstehen. Daneben produziert Bauchfett auch Entzündungsstoffe, die Gefäßverkalkung verursachen. Als schlimmste Folgen drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bauch-Hüft-Verhältnis entscheidend

Wichtig für die Bewertung des Risikos ist die sogenannte Waist to Hip Ratio (WHR), also das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang. Als optimal gelten WHR-Werte um 0,90. Noch aussagekräftiger ist das EOSS-System, das zusätzlich die Schwere körperlicher wie psychischer Begleiterkrankungen sowie den funktionellen Status berücksichtigt. Es gibt Hinweise, ob ein stark übergewichtiger Patient von einem chirurgischen Eingriff, zum Beispiel einem Magenbypass, profitieren würde oder ob eine konservative Therapie mit Diät und Bewegung ausreicht. Der Aufwand lohnt sich: Jede Reduzierung des Bauch-Hüft-Verhältnisses hilft, den gestörten Stoffwechsel wieder ins Lot zu bringen und das Erkrankungsrisiko zu verringern.

Interviewpartner

Prof. Dr. Andreas Schuchert
Kardiologe
Chefarzt Medizinische Klinik
Friedrich-Ebert-Krankenhaus
Friesenstraße 11
24534 Neumünster
Tel. (04321) 405 70 01
Fax (04321) 405 70 09
Internet: www.friedrich-ebert-krankenhaus.de

Prof. Dr. Morten Schütt
Endokrinologe, Diabetologe
Medizinische Klinik I – Bereich Diabetes und Stoffwechsel
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Internet: www.uksh.de

Dr. Beate Herbig
Chefärztin
Adipositas Klinik
Schön Klinik Hamburg Eilbek
Dehnhaide 120
22081 Hamburg
Tel. (040) 20 92 75 00
Fax (040) 20 92 30 15
Internet: www.schoen-kliniken.de/ptp/kkh/eil/faz/adipositas

Dieses Thema im Programm:

15.09.2015 | 20:15 Uhr

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