Stand: 26.01.2016 11:45 Uhr

Aromatherapie: Mit Düften heilen

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Lavendel hat eine beruhigende Wirkung.

Ein schöner Duft hebt die Stimmung oder sorgt für Entspannung - aber Aromen lassen sich auch medizinisch einsetzen. Bestimmte Duftstoffe beheben zum Beispiel Schlafstörungen und Ängste und sollen in Zukunft vielleicht sogar gegen Krebs helfen. Einige Krankenhäuser setzen die Aromatherapie bereits in der Pflege ein: Beim Waschen wird Lavendel zur Beruhigung oder Waldtanne zur Kräftigung eingesetzt. Aromasalben sollen Lungenentzündungen vorbeugen. Eine Öllampe mit Orangen- und Zedernduft im Wartebereich sorgt für Entspannung bei Patienten und Klinikpersonal.

Aromaöle

Mit Düften heilen

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Wir riechen nicht nur mit unserer Nase, sondern mit jeder Zelle unseres Körpers. Und deshalb lassen sich Düfte gezielt in der Therapie einsetzen, vielleicht sogar bei Krebs.

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Geruchsmoleküle docken an Sinneshärchen an

Das funktioniert, weil in unserer Nasenschleimhaut Millionen von Riechsinneszellen sitzen, aus denen feinste Sinneshärchen herausragen, die auf 350 unterschiedliche Aromen reagieren. Die Geruchsmoleküle docken an den Sinneshärchen an und erregen so die Sinneszellen, die eine Botschaft ans Gehirn weitergeben. Besonders eng ist der Geruchssinn mit dem limbischen System im Gehirn verbunden, das unter anderem die Emotionen steuert.

Körperzellen haben Rezeptoren für Duftstoffe

Eine bahnbrechende Entdeckung weckt nun Hoffnungen, dass die Duftstoffe in Zukunft noch viel mehr bewirken könnte: Nicht nur in der Nase, sondern in allen Körperzellen gibt es Rezeptoren für Duftstoffe - sogar in Herz, Lunge, Niere und Gehirn. Zuerst wurden die Forscher bei Spermien fündig, die den Weg zur Eizelle dank ihrer Duftrezeptoren finden. Die Eizelle strömt einen Maiglöckchenduft aus und weist den Spermien so den Weg.

Krebszellen reagieren auf bestimmte Duftstoffe mit Wachstumsstopp

Jede Zellart reagiert auf einen anderen Duft: So regt der Duft des Thymians (Thymol) die Darmtätigkeit an und der Sandelholzduft Sandalore wird bereits erfolgreich in der Wundheilung eingesetzt, weil er Hautzellen anregt, sich schneller zu teilen. Krebszellen haben bis zu tausendmal mehr Duftrezeptoren als gesunde Zellen und reagieren auf bestimmte Duftstoffe mit einem Wachstumsstopp. Bislang funktionierte das allerdings nur im Reagenzglas. Bis diese Erkenntnisse in der Krebstherapie eingesetzt werden können, ist es noch ein weiter Weg. Denn der entsprechende Duftstoff muss in höchster Konzentration aufgenommen werden - und das funktioniert nicht über die Nase.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Dieter Melchart
Leiter des Kompetenzzentrums für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat)
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Kaiserstraße 9
80801 München
Tel. (089) 72 66 97 22
Fax (089) 72 66 97 21
Internet: www.mri.tum.de/kokonat

Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt
Lehrstuhl für Zellphysiologie
Ruhr-Universität Bochum
Universitätsstraße 150
44780 Bochum
Tel. (0234) 322 45 86
Fax (0234) 321 41 29
Internet: www.cphys.ruhr-uni-bochum.de

Andrea Warmuth
Aromatherapeutin und Intensiv-Krankenschwester
Klinikum Itzehoe
Robert-Koch-Straße 2
25593 Itzehoe
Tel. (04821) 772 25 40

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Visite | 26.01.2016 | 20:15 Uhr