Stand: 18.11.2014 11:21 Uhr  | Archiv

Aggressiver Schlaf: Was steckt dahinter?

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90 Prozent der Personen, die am Schenk-Syndrom leiden, sind Männer.

Sie schlagen im Schlaf um sich und schreien, sie verletzen sich und ihren Partner:  Menschen, die an einer REM-Schlafverhaltensstörung leiden, träumen nicht nur, dass sie kämpfen, sondern tun es tatsächlich. Die Ursache dafür liegt in einer Störung der REM-Schlafphase. Die Abkürzung "REM" steht für "Rapid Eye Movement". Die REM-Phasen treten hauptsächlich in der zweiten Nachthälfte auf. Sie sind gekennzeichnet von schnellen Augenbewegungen und Träumen. Im REM-Schlaf Gesunder ist die Skelettmuskulatur schlaff und entspannt, willkürliche Bewegungen treten daher nicht auf.

Angriffe und Flucht bestimmen die Träume

Anders ist das dagegen bei Patienten, die unter der REM-Schlafverhaltensstörung leiden. Bei ihnen fehlt die Hemmung der Skelettmuskulatur. Sie leiden unter lebhaften Träumen, die überwiegend von Angriffen und Flucht handeln. Nur selten gehen die Aggressionen von ihnen selbst aus. Die Angreifer sind Insekten, Tiere oder Menschen. Die Betroffenen wehren sich gegen diese Angriffe und schlagen daher um sich, treten und boxen. Manche halten ihren Partner für den Traumgegner und greifen ihn an, wenn er versucht sie aus dem Traum zu wecken.

Ursache bisher unbekannt

90 Prozent der Betroffenen sind Männer. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen sind über 60 Jahre alt, nur vereinzelt sind auch deutlich jüngere Personen betroffen. Die Ursachen, dass die Entspannung der Muskulatur ausbleibt, sind bislang nicht bekannt.  Auffällig ist, dass fast 95 Prozent der Betroffenen innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Demenz oder Parkinsonkrankheit entwickeln. Tritt begleitend der Verlust des Geruchssinnes auf, sind die Betroffenen besonders gefährdet an Demenz zu erkranken.

Bislang gibt es keine ursächliche Therapie gegen die Schlafverhaltensstörung. Die Behandlung  erfolgt daher symptomatisch mit dem Schlafmittel Clonazepam. Problematisch ist dabei die Entwicklung einer Abhängigkeit. Wird das Medikament abgesetzt, treten die Symptome sofort wieder auf. Gute Therapieergebnisse lassen sich mit dem Wirkstoff Melatonin erreichen. Melatonin ist ein Botenstoff, der maßgeblich das Schlaf-Wachverhalten steuert. Betroffene können besser durchschlafen und auch die Verwirrungszustände können nachlassen.

Interviewpartner

Dr. Dieter Kunz, Schlafmediziner
Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin und Chronomedizin
Schlafambulanz
St. Hedwigs Krankenhaus
Große Hamburger Straße 5-11
10115 Berlin
Tel. (030) 23 11 29 02
Fax: (030) 23 11 29 03 (Mo-Fr 8:30-14:00 Uhr, Frau S. Dümchen)

Priv.-Doz. Dr. Paul Christian Baier
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP)
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Schlaflabor
Niemannsweg 147
24105 Kiel
Tel. (0431) 99 00 26 64

Dieses Thema im Programm:

Visite | 18.11.2014 | 20:15 Uhr

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