Stand: 17.10.2017 14:31 Uhr

Wenn das Immunsystem die Nerven angreift

Bild vergrößern
Bei der Krankheit CIDP greift das Immunsystem aus unbekannter Ursache die äußere Hülle der Nervenfasern an.

Die chronische inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie (CIDP) ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung der peripheren Nerven. Sie ist sehr selten und tritt bei etwa vier bis acht von 100.000 Menschen auf. Prinzipiell gibt es sie in jedem Alter, gehäuft tritt sie allerdings im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt auf. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen.

im OP.

Abenteuer Diagnose: CIDP

Visite -

Die chronische inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie (CIDP) ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung der peripheren Nerven. Sie tritt sehr selten auf.

4,75 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Schädigung der Nervenfasern

Die CIDP beruht auf einer Schädigung der äußeren Hülle - der sogenannten Myelinschicht - der Nervenfasern. Die Folge dieser Demyelinisierung ist eine gestörte Fortleitung elektrischer Impulse über die betroffenen Nerven. Die sich daraus entwickelnden Beschwerden entstehen in der Regel langsam über einen Zeitraum von bis zu zwei Monaten oder länger. Das Beschwerdebild hängt davon ab, welche Nerven betroffen sind. In den meisten Fällen sind motorische Nervenfasern betroffen. Dann kommt es typischerweise zu einer Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen.

Symptome sind Gangstörungen oder Taubheitsgefühle

Sind die Beine betroffen, kommt es zu Gangstörungen sowie zu Schwierigkeiten beim Treppensteigen und beim Aufstehen von niedrigen Sitzgelegenheiten. Sind die Arme betroffen, kommt es zu einer Störung in der Feinmotorik. Eine Schädigung sensibler Nervenfasern dagegen äußert sich in Missempfindungen wie Taubheitsgefühlen oder Kribbelparästhesien.

Die CIDP wird oft erst relativ spät erkannt, da sie sehr selten aufritt und es andere Erkrankungen gibt, deren Symptome ähnlich und daher leicht mit der CIDP zu verwechseln sind. Es gibt verschiedene Verlaufsformen der CIDP. In der Regel kommt es in unregelmäßigen Abständen zu Krankheitsschüben.

Ursache ungeklärt

Die Erkrankung scheint durch eine Fehlsteuerung des körpereigenen Immunsystems ausgelöst zu werden. Das Immunsystem erkennt dabei Bestandteile der Myelinschicht als fremd und wehrt sie ab. Die Ursache dafür ist bislang nicht abschließend geklärt. Vermutlich ist dafür aber eine Kreuzreaktion verantwortlich: Infolge einer Entzündungsreaktion kommt es zu einer regulären Immunantwort, bei der Antikörper gebildet und zelluläre Abwehrmechanismen aktiviert werden. Diese richten sich schließlich gegen Bestandteile des körpereigenen Nervensystems, so dass es zu einer Schädigung des Myelins kommt. Höchstwahrscheinlich sind die Nerven allerdings durch vorherige Schäden besonders anfällig für diese Reaktion. Interessanterweise tritt die CIDP häufig in Kombination mit anderen Erkrankungen wie Lymphomen, HIV-Infektionen, dem Systemischen Lupus erythematodes, Diabetes und Hepatitis C auf.

Weitere Informationen

Abenteuer Diagnose

Visite

Bei der "Fahndung" nach der rettenden Diagnose geht es in der Medizin zu wie bei einem Kriminalfall. Abenteuer Diagnose stellt spannende Patientengeschichten vor. mehr

Diagnose der CIDP

Die Diagnose der CIDP wird anhand der typischen klinischen Symptomatik, dem Ausschluss aller anderen in Fragen kommenden Ursachen für eine demyelinisierende Polyneuropathie sowie elektrophysiologische Untersuchungen gestellt. Die Elektroneurographie zeigt typischerweise eine verlangsamte Nervenleitgeschwindigkeit auf weniger als 70 bis 80 Prozent des Normwerts. Im MRT lassen sich unter Umständen typische entzündliche Veränderungen im Bereich des Nervensystems nachweisen. Labordiagnostisch ist es in einigen Fällen möglich, die Autoimmun-Antikörper nachzuweisen.

CIDP behandeln

Die Behandlung von CIDP erfordert eine individuelle Vorgehensweise, da die Betroffenen sehr unterschiedlich auf die Therapie ansprechen. Prinzipiell lassen sich die Beschwerden allerdings gut behandeln. Kortikosteroide wirken sich in zweierlei Hinsicht positiv auf den Erkrankungsverlauf aus. Zum einen reduzieren sie die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe und zum anderen hemmen sie die Vermehrung von Abwehrzellen. Aufgrund ihrer Nebenwirkungen können begleitend immunsuppressive Substanzen wie Azathioprin, Ciclosporin und Methotrexat eingesetzt werden. Die intravenöse Gabe von Immunglobulinen stellt eine weitere Therapieoption dar. In einigen Fällen hat Rituximab eine gute Wirksamkeit bei der CIDP gezeigt. Rituximab ist ein biotechnologisch hergestellter Antikörper, der in der Krebstherapie zur Behandlung von malignen Lymphomen eingesetzt wird. Im Rahmen der Plasmapherese können die schädlichen Antikörper im Sinne einer Blutwäsche aus dem Blutplasma entfernt werden. Diese Therapie muss allerdings regelmäßig alle ein bis drei Monate wiederholt werden. Bei ungefähr zwei Drittel der Patienten zeigen sich positive Therapieerfolge.

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Jens Schmidt
Oberarzt der Klinik für Neurologie
Universitätsmedizin Göttingen
Georg-August-Universität
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Email: neurosek@med.uni-goettingen.de

Priv.-Doz. Dr. Annalen Bleckmann
Oberärztin der Klinik für Hämatologie und medizinische Onkologie
Universitätsmedizin Göttingen
Georg-August-Universität
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
E-Mail: a.bleckmann@med.uni-goettingen.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.10.2017 | 20:15 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Abenteuer-Diagnose-CIDP,cidp100.html

Mehr Ratgeber

12:21

Geschmorte Ochsenbäckchen

22.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
11:18

Sicheres Fahren auf glatten Straßen

21.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
05:46

Dackel: Wie tickt der beliebte Hund?

21.11.2017 16:20 Uhr
Mein Nachmittag