Sendedatum: 03.03.2015 20:15 Uhr  | Archiv

Individuelle Prothesen aus dem 3-D-Drucker

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Eine spezielle Computersoftware ist Grundlage für die Erstellung eines individuellen Implantats.

Ist das Knie verschlissen und nicht mehr belastbar, bleibt oft nur der Einbau eines künstlichen Gelenks, um es wieder schmerzfrei bewegen zu können. Die richtige Prothese zu finden ist nicht einfach - außerdem muss der Knochen entsprechend angepasst werden. Mit einem am Computer geplanten Ersatzknie aus dem 3-D-Drucker funktioniert das umgekehrt: Die Prothese wird dem Körper genau angepasst.

In Deutschland sind die Mediziner am Klinikum Dortmund mit dieser Methode Vorreiter. Inzwischen wurde dort 200 Patienten ein maßgeschneidertes Kniegelenk aus dem 3-D-Drucker implantiert. Für solch eine Prothese werden zuerst sämtliche Maße des Knies genommen und von einer speziellen Computersoftware aufbereitet. So wird nicht nur der aktuelle, sondern auch der ideale Zustand des Knies ermittelt.

Implantat, OP-Besteck und Schablonen aus den USA

Mit diesen Daten füttert der Hersteller in den USA zwei verschiedene 3-D-Drucker: Der eine liefert das individuelle Implantat mit einer Chrom-Kobalt-Legierung, der andere das OP-Besteck und die Schnittschablonen aus festem Nylon-Verbundstoff. Anstatt während einer herkömmlichen Operation Kunstgelenk und OP-Besteck erst noch auswählen zu müssen, können die Ärzte mit der neuen Methode nun viel schneller und präziser operieren. Das ist auch schonender für die Patienten, denn durch die Maßanfertigung muss im Durchschnitt ein Viertel weniger Knochen abgefräst werden, um das Gelenk einsetzen zu können. Die Blutung ist geringer – und für einen eventuellen späteren Prothesenwechsel ist noch ausreichend Knochenmaterial vorhanden.

Wann wird die 3-D-Technik eingesetzt?

Besonders für junge Menschen ist das von Vorteil, denn Prothesen halten keine Ewigkeit. Normalerweise klagt jeder fünfte Patient nach Einsatz eines Kunstgelenks über Beschwerden, mit der neuen Methode nur jeder Zwanzigste. Aber: Wer zu starke X-Beine hat oder O-Beine mit einer Abweichung über 15 Prozent von der Mittelachse, kommt für ein Knie aus dem 3-D-Drucker nicht infrage. In solch einem Fall muss die Achsstellung im gesamten Bein korrigiert werden – und das gelingt mit der neuen Methode nicht.

Der Eingriff bei einem Kunstgelenk aus dem 3-D-Drucker ist rund 1.000 Euro teurer als eine herkömmliche OP. Obwohl es noch keine Langzeitstudie zur neuen Operationsmethode gibt, übernehmen die Krankenkassen diese Mehrkosten zurzeit.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Christian Lüring
Direktor
Orthopädische Klinik – Klinikzentrum Mitte
Klinikum Dortmund gGmbH
Beurhausstraße 40
44137 Dortmund
Tel. (0231) 95 32 18 50, Fax (0231) 95 32 10 19
Internet: www.klinikumdo.de/medizin/kliniken-und-abteilungen/orthopaedie/

Prof. Dr. Karl-Dieter Heller
Chefarzt
Orthopädische Klinik Braunschweig
Herzogin Elisabeth Hospital (HEH)
Leipziger Straße 24
38124 Braunschweig
Tel. (0531) 699 20 01
Fax (0531) 699 20 90
Internet: www.heh-bs.de

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