Stand: 11.04.2017 16:29 Uhr

Telefon-Trickbetrüger in Braunschweig schlagen zu

Bild vergrößern
Meist sind es angebliche Verwandte, die sich per Telefon von Senioren Geld erbitten. (Themenbild)

In Braunschweig haben innerhalb der vergangenen acht Tage Trickbetrüger drei Senioren um insgesamt fast 100.000 Euro gebracht. Zahlreiche ähnliche Betrugsversuche wurden der Polizei gemeldet - ob es sich um die gleichen Täter handelt, ist unklar. In einigen Fällen gaben Anrufer sich als Angehörige aus und baten um Unterstützung in einer Notlage. In anderen Fällen gaben sie sich als Polizeibeamte aus und wollten eine vermeintliche Falschgeldprüfung vornehmen. Die meisten Anrufe gab es der Polizei zufolge um die Mittagszeit. Neu ist, dass einige Anrufer mit anderen Geschichten erneut anriefen, wenn ihr Gegenüber den Schwindel erkannte. Einige Anrufer beschimpften ihre Gesprächspartner auch. Eine 91-Jährige, die angab, dass sie keinen Enkel habe, wurde vom Anrufer provozierend gefragt, ob sie besoffen sei.

Misserfolg für die Täter am Montag

Am vergangenen Montag begann die Betrugsserie mit einem Misserfolg für die Täter: Ein 74-Jähriger wurde von einem angeblichen Verwandten angerufen, der 30.000 Euro zur Lösung eines finanziellen Problems brauche. Der Senior lehnte ab, doch kurz darauf rief ihn ein angeblicher Polizist an. Dieser gab an, das erste Telefonat abgehört zu haben und bot angebliche Hilfe an, um das Bargeld sicher zu verwahren. Doch der Rentner erkannte auch diesen Betrugsversuch. Bei diesem und weiteren Anrufen erschien die Notrufnummer mit 0531-110 der Polizei auf den Displays der Telefone, was durch Manipulation im Internet möglich ist.

20.000 Euro und zwei Goldmünzen übergeben

Am Tag darauf büßte dann eine 83-jährige Braunschweigerin mehr als 20.000 Euro ein. "Hallo, ich bin's", meldete sich ein Anrufer am Nachmittag in ihrer Wohnung im westlichen Ringgebiet. Die Frau nahm an, ihren Neffen am Telefon zu haben. Dieser bat um 20.000 Euro für eine größere Anschaffung. Daraufhin nahm die Rentnerin das im Haus befindliche Geld, legte noch zwei Goldmünzen dazu und übergab das Päckchen auf der Straße einem etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann. Als sie einen Tag später ihren wirklichen Neffen nach der Rückgabe des Geldes fragte, stellte sich der Betrug heraus.

Geldübergabe scheitert an mutiger Tochter

Auch am vergangenen Mittwoch versuchten es Betrüger mit der Verwandten-Masche. Ein 85-Jähriger wurde mittags in seiner Wohnung in der Weststadt von einer Frau angerufen. Er hielt diese für seine Enkelin und ließ sich auf ihre Bitte ein, ihr Geld für einen Wohnungskauf zu geben. Nachdem er 8.000 Euro von seiner Sparkasse geholt hatte, wollte er weitere 32.000 Euro bei einer anderen Bank abheben. Doch die dorthin geplante Taxifahrt scheiterte. Am Nachmittag rief der Rentner seine in der Nähe wohnende Tochter an, die den Betrugsversuch sofort erkannte und ihn warnte, das Haus zu verlassen. Kurz darauf sah sie, wie ihr Vater auf die Straße trat und einer dort wartenden fremden Person offenbar dennoch einen Umschlag mit Geld übergeben wollte. Laut schreiend verhinderte die 55-Jährige die Transaktion und veranlasste den Täter zur Flucht. Dieser bestieg in der Nähe ein Taxi und verschwand. Die Polizei sucht nun den Taxifahrer als Zeugen.

30.000 Euro für einen Autokauf

Am Donnerstag meldeten sich Betrüger dann bei einer 77-jährigen Braunschweigerin aus dem Süden der Stadt. Die Rentnerin war am Donnerstagmorgen von einem Mann angerufen worden, den sie für den Ehemann der Enkelin hielt. Er gab an, in Wolfsburg zu sein und ein Auto kaufen zu wollen. Dafür bat er kurzfristig um 30.000 Euro zur Unterstützung. Die Frau fuhr sie mit der Straßenbahn zur Zentrale ihrer Bank und ließ sich die Summe auszahlen. Währenddessen hielt der Anrufer ständig Kontakt über das Handy, um sie kontrollieren und weiter unter Druck setzen zu können. Zu Hause angekommen wurde die Geschädigte angewiesen, dass Geld einem vor dem Haus wartenden Mann zu übergeben, was sie auch tat. Der Beschreibung des Geldboten nach könnte es sich um den Mann handeln, der am Dienstag 20.000 Euro von einer 83-Jährigen ergaunert hatte.

Trotz Warnungen 45.000 Euro abgehoben

An diesem Montag ereignete sich der vorerst letzte Fall. Eine 79-Jährige wurde am Morgen von einem Mann angerufen, der sich als Beamter des Bundeskriminalamtes ausgab. Seiner Geschichte nach sei eine verdächtige Person in der Umgebung der Frau festgenommen worden, die einen gefälschten Ausweis mit ihrem Namen bei sich gehabt hätte. Zudem wurden Unregelmäßigkeiten auf ihrem Postbankkonto festgestellt. Der Ratschlag des falschen Polizeibeamten: Die Rentnerin sollte zu einer Bankfiliale fahren, um, 35.000 Euro von ihrem Konto zu holen. Eine Bankmitarbeiterin wies die Kundin ausdrücklich auf eine Betrugsgefahr hin. Auch der Abteilungsleiter bat sie in sein Büro und zeigte ihr die Gefahr des "Enkeltricks" auf. Dennoch ließ sich die Frau kurzentschlossen sogar 45.000 Euro auszahlen.

Polizei rät: Bargeld bei der Bank lassen

Nach ihrer Rückkehr zu Hause meldete sich der angebliche Polizist, ließ sich die Seriennummern der 90 Fünfhundert-Euro-Banknoten durchgeben und erklärte, dass leider alle gefälscht seien. Ein Kollege würde vorbei kommen, um die Fälschungen in einem Labor untersuchen zu lassen. Kurz darauf klingelte ein Mann, nahm das Geldbündel entgegen und verschwand. Die Polizei geht von weiteren betrügerischen Anrufen aus und rät zur Wachsamkeit. Und sie hat einen ganz wichtigen Ratschlag parat, um den Betrügern das Leben schwerer zu machen: "Bargeld gehört in die sichere Verwahrung eines Geldinstitutes."

Weitere Informationen

So wehren Sie sich gegen Enkeltrick und Co.

Enkeltrick, Gewinnversprechen, Schockanrufe - immer wieder gelingt es Betrügern, arglosen Menschen ihr Geld abzunehmen. Die Polizei rät: skeptisch sein und nachfragen! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 11.04.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

05:55

Nach der Wahl: Der Koalitionspoker

16.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:29

AfD-Grabenkämpfe nach der Wahl

16.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:55

Weil und Althusmann in Berlin

16.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen