Stand: 17.03.2016 15:36 Uhr

Schüler als IS-Kämpfer: Scherz könnte teuer werden

Diese Softair-Waffen fand die Polizei bei einem 18-Jährigen in Hameln.

Ein 18-Jähriger, der sich als IS-Kämpfer mit Maschinenpistole verkleidet hat: Dieser Scherz könnte für einen Gymnasiasten aus dem Landkreis Holzminden schwerwiegende Folgen haben. Der Abiturient war in IS-Verkleidung im Auto durch Hameln und Umgebung gefahren und hatte täuschend echt aussehende Soft-Air-Waffen bei sich. Jetzt drohe dem jungen Mann nicht nur ein Strafverfahren wegen Störung des öffentlichen Friedens, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Gleichzeitig kämen möglicherweise auch hohe Kosten auf den 18-Jährigen zu. Es werde geprüft, ob er den Großeinsatz der Polizei bezahlen muss, den er ausgelöst hat.

Notrufe besorgter Zeugen

Am Dienstagnachmittag waren bei der Polizei Weserbergland mehrere Notrufe besorgter Augenzeugen eingegangen, die den vermeintlichen IS-Kämpfer im Auto gesichtet hatten. Nach einer Verfolgungsjagd mit mehreren Streifenwagen durch die Region stoppten die Beamten das verdächtige Fahrzeug schließlich in Hehlen, dem Wohnort des Gymnasiasten. Die Softair-Waffen, die er bei sich trug, ähneln echten Pistolen, verschießen aber mit Luftdruck "nur" kleine Kunststoffkugeln. Diese sogenannten Anscheinwaffen seien aus der Distanz selbst von geschulten Beamten nicht zu erkennen, so die Polizei.

Projekts zum Thema "Gut und Böse"

Eine Stadtsprecherin sagte, der Schüler eines Hamelner Gymnasiums habe sich im Rahmen eines von den Abiturienten selbstverantworteten Projekts zum Thema "Gut und Böse" als islamistischer Kämpfer verkleidet. Der dunkelhaarige, bärtige 18-Jährige habe offensichtlich nicht darüber nachgedacht, wie dies auf Unbeteiligte wirke. Der Schulleiter habe den jungen Mann "auf den Pott gesetzt".

"Mit dem Thema scherzt man nicht"

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Schon bei der Absage des Braunschweiger Schoduvels 2015 war dies eine umstrittene Kostümwahl. (Archiv)

"Die Anschläge von Paris, die Absage des Länderspiels in Hannover aufgrund einer konkreten Terrordrohung, der vermutlich islamistisch motivierte Angriff auf einen Beamten der Bundespolizei ebenfalls in Hannover und verschiedene weitere, gleichgelagerte Taten sind in der Öffentlichkeit, aber auch bei jedem Polizeibeamten derzeit sehr präsent", so Ralf Leopold von der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont. "In dieser Situation sollte jedem klar sein, dass man mit diesem Thema im öffentlichen Raum nicht scherzt." Andernfalls müsse man mit einem konsequenten Vorgehen der Polizei rechnen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.03.2016 | 15:00 Uhr