Stand: 17.03.2016 08:49 Uhr

Rockstars in Langelsheim: Beat Club wird 50 Jahre

von Tino Nowitzki

Werner Liebig hat sie alle gehabt: Thin Lizzy, die Scorpions, Bon Scott, Ozzy Osbourne. Es gibt kaum eine Musikgröße der 60er- und 70er-Jahre, die nicht in seinem Beat Club aufgetreten ist. Ein halbes Jahrhundert war der kleine Laden in der Innenstadt von Langelsheim das Mekka von Rockfans aus ganz Norddeutschland. Schließlich konnten sie hier, am Rand des Harzes, die Stars aus den Hitparaden hautnah und in voller Lautstärke erleben. Nun kann Werner Liebig, von allen liebevoll "Wenne" genannt, 50 Kerzen kaufen: Sein Beat Club feiert heute Geburtstag.

Beat Club: Großer Rock im kleinen Langelsheim

Rock 'n' Roll statt Wehrdienst

Liebig ist mächtig stolz, dass er es so weit geschafft hat. Das sieht man dem stattlichen Mann mit Rauschebart und silberner Vokuhila-Frisur an. Dabei war das mit dem Beat Club am Anfang eigentlich nur so eine fixe Idee, die "Wenne" Liebig kam, als er sich vor dem Wehrdienst drücken wollte. Damals war er nach Westberlin gegangen. Schnell lernte er dort Menschen wie Dieter-Thomas Heck, Frank Zander oder Drafi Deutscher kennen. "Da bin ich einfach so in die Musikszene reingerutscht", sagt der 72-Jährige heute. Spätestens nach einigen Abstechern in den Star Club nach Hamburg stand für Werner Liebig fest: So etwas will er auch machen. Mitten im ländlichen Südniedersachsen.

"Ist noch Platz für Uriah Heep?"

Dabei hatte seine Mutter ihm noch abgeraten: "Du übernimmst dich", hatte sie ihren "Wenne" gewarnt. Jeden Abend eine Band, sieben Tage die Woche - das sei zu viel. Zudem ist Werner Liebig noch viel gereist, etwa nach England, um Musik-Verlage und Bands zu überzeugen, zu ihm zu kommen. Und es funktionierte - obwohl der gelernte Betonbauer kein Wort Englisch verstand. Die Hartnäckigkeit zahlte sich schnell aus. Denn die Leute kamen von überall her, selbst aus Hamburg und Frankfurt. Hunderte, an manchen Abenden Tausende, wollten dabei sein, wenn die Stars sich im Beat Club die Klinke in die Hand gaben. "Jeden Tag war der Laden voll", sagt Werner Liebig. Und das sprach sich herum: Plötzlich fragte Radio Bremen bei ihm an, ob nicht noch Platz für Uriah Heep wäre, weil die Jungs nach ihrem Radio-Konzert noch Zeit hätten. Und auch Frank Elsner von Radio Luxemburg vermittelte regelmäßig Künstler an den Beat-Club-Besitzer.

Ein Mann steht vor einem Veranstaltungs-Plakat. © NDR Fotograf: Tino Nowitzki

"Du konntest die Gruppen anfassen"

Der Beat Club in Langelsheim wird 50. Betreiber Werner Liebig erinnert sich zum Geburtstag an die Begegnungen mit bekannten Rocklegenden.

4,78 bei 18 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Udo Lindenberg kostet 7 D-Mark Eintritt

Werner Liebig und sein Laden waren gefragt. "Ich hätte damals mit einem Hubschrauber oder Rolls Royce durch die Gegend reisen können", sagt er. So "geil" hätten es die Leute gefunden. Dabei hat sich "Wenne" nie viel aus Geld gemacht: Black Sabbath, Udo Lindenberg - die hat man bei ihm schon für 7 D-Mark sehen können. Weil der Beat Club so eine gefragte Adresse unter Rockfans war, spielten auch die Bands selbst für wenig Geld: Die Scorpions, heute millionenschwere Musik-Dinosaurier, bekamen in ihren Anfangstagen 100 Mark für einen Auftritt. "Die waren wie eine Hausband hier", sagt Liebig. Da half schon einmal Gerhard Schröder, damals Studienkollege von Scorpions-Sänger Klaus Meine, beim Tragen der Gesangsanlage mit.

12.000 Fans kommen durch den Wald

Es lief noch lange gut für Werner Liebig. So stellte er 1971 und 72 sogar ein Musik-Festival auf die Beine: Bis zu 30.000 Menschen kamen unter dem Motto "Freedom" in das Harz-Vorland. "Wenne" kann sich zwar nur an etwas mehr als 18.000 zahlende Besucher erinnern. "Der Rest ist wohl einfach durch den Wald gekommen", sagt er. Aber irgendwann, Mitte der 80er-Jahre, ebbte alles ab. Schuld sei auch der Musikwandel gewesen. Als Hip-Hop und Techno kamen, da waren Live-Bands immer weniger gefragt, erinnert sich Liebig. Das sei dann auch nicht mehr "seins" gewesen.

Rockstars sind heute unbezahlbar

Und heute? Werner Liebig hat Grund zur Hoffnung. Den Beat Club gibt es immer noch, an derselben Ecke, in dem Haus mit den roten Klinkersteinen. Oft steht jetzt sein Sohn Marco hinter den Plattentellern. Musik aus der Konserve sei heute einfach viel gefragter als Band-Abende. Die gibt es hier zwar trotzdem noch. Nur kommen dann oft Cover-Combos oder Bands, die noch an ihrem großen Erfolg arbeiten. Die ganz großen Namen kriegt "Wenne" Liebig nicht mehr her: "Die sind einfach unbezahlbar." Auch mit den Bands von früher hat der Mann vom Beat Club kaum noch Kontakt: Zwar hatte er die Scorpions vor einiger Zeit mal wieder getroffen und sich gut unterhalten. Zum 50. Club-Geburtstag hat ihn bisher aber noch keiner der damaligen Stars angerufen. Schlimm findet das "Wenne" nicht. Er guckt lieber nach vorne: "Ich mache weiter, der Beat Club ist wie ein Kind von mir."

Ähnliches Thema

"Eine Blume für die versumpfte Kulturlandschaft"

Die "Sumpfblume" ist der größte Kulturanbieter in der Region Hameln. In dieser Woche feiert das Haus 35-jährigen Geburtstag. Begonnen hat alles mit viel Initiative von Jugendlichen. (16.10.2015) mehr

Rock 'n' Roll - Der Sound der Rebellion

Mit dem Rock 'n' Roll erfasst ab Mitte der 50er-Jahre ein neues Lebensgefühl die Jugend. In Hamburg verschreiben sich viele Klubs der neuen Musik. Dort treten auch die Beatles auf. (16.12.2013) mehr