Stand: 20.09.2017 20:14 Uhr

Northeimer Salafist gesteht Anschlagsplan

Der mutmaßliche Islamist Sascha L. aus Northeim hat gestanden, einen Anschlag geplant zu haben. Zu Beginn des Prozesses gegen ihn vor dem Landgericht Braunschweig sagte L. am Mittwoch, er habe vorgehabt, entweder Polizisten oder Soldaten mit einem selbstgebauten Sprengsatz zu töten. Diesen habe er per Fernzündung auslösen wollen, erklärte L. Den Anschlagsplan habe er allerdings später wieder aufgegeben. Im Prozess sind drei Männer mitangeklagt, die dem 26-Jährigen geholfen haben sollen. Bei ihnen handelt es sich um einen 21-jährigen Deutschen, einen 27-jährigen Afghanen sowie einen 28 Jahre alten Türken.

Polizisten führen einen mutmaßlichen Salafisten in den Gerichtsaal.

Mutmaßlicher Salafist gesteht Anschlagsplan

Hallo Niedersachsen -

Zum Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Salafisten aus Northeim hat der Angeklagte einen Anschlagsplan gestanden. Er habe Polizisten oder Soldaten töten wollen.

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Durch "Ungerechtigkeiten" zu Anschlag motiviert

Während der Vorbereitungen sei ihm klar geworden, dass sein Vorhaben unsinnig sei, sagte Sascha L. vor Gericht. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme im Februar habe der Plan nicht mehr bestanden, so der Angeklagte, der früher Neonazi gewesen sein soll und nun mutmaßlich Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist. Nach eigenen Angaben ist er zum Islam konvertiert. Bei einer Hausdurchsuchung sei ihm der Computer weggenommen worden. Später habe er wegen eines im Internet geposteten Videos eine Geldstrafe zahlen sollen. Diese Ungerechtigkeiten sowie ein ähnliches Vorgehen anderer Muslime hätten ihn zu seinen Anschlagsplänen motiviert, erklärte der Angeklagte.

Angeklagter versichert: Bin nicht mehr gefährlich

Mithilfe von Videos habe er Sprengsätze nachgebaut und sich über Fernzünder informiert. Doch dann sei wegen des Kaufs von Chemikalien und anderer Bauteile sein Geld knapp geworden und er habe sich immer häufiger gefragt, was ihm das Vorhaben eigentlich bringe. "Ich habe Bestellungen storniert und den Ermittlern selbst ein Versteck hinter meinem Spiegel gezeigt", sagte Sascha L., der beteuerte, er habe auf keinen Fall Frauen und Kindern schaden wollen. Da ein Anschlag auf Polizisten aber auch eine Frau oder ein Kind gefährden könnte, sei er von seinem Plan abgerückt. Heute stelle er keine Gefahr mehr da, versicherte L. in seiner rund einstündigen Äußerung.

Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat

Zum Teil waren die Angaben des 26-Jährigen schwer nachvollziehbar. So sagte L. auf die Frage, warum er eine IS-Flagge in seiner Zelle in der Untersuchungshaft nicht entfernt habe, er habe dies wegen einer spannenden Fernsehserie nicht rechtzeitig geschafft. Die Generalstaatsanwaltschaft in Celle wirft dem Deutschen die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vor. "Das Vorhaben wäre im Falle der Umsetzung geeignet gewesen, die Sicherheit der Bundesrepublik zu untergraben", heißt es in der Anklageschrift.

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Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Gericht

Der Prozess war am Mittwochnachmittag aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen mit rund einer halben Stunde Verzögerung gestartet. Sämtliche Zuschauer und Medienvertreter mussten beim Einlass Sicherheitsschleusen passieren und wurden mit Metalldetektoren untersucht. Polizisten patrouillierten vor und in dem Gerichtsgebäude mit Maschinenpistolen. In Hand- und Fußfesseln wurden drei der vier Angeklagten, darunter Sascha L., in den Saal gebracht, bewacht von bewaffneten und vermummten Beamten. Der vierte Angeklagte, der 21-jährige Wladislav S., wurde zwischenzeitlich aus der Untersuchungshaft entlassen und befindet sich auf freiem Fuß.

14 Verhandlungstage, 29 Zeugen

Zum Auftakt des Prozesses verlas der Oberstaatsanwalt die Anklage - allerdings nur eine Zusammenfassung, denn die vollständige Anklageschrift umfasst 60 Seiten. Zeugen waren zum ersten Prozesstag noch nicht geladen. Insgesamt sollen 29 Zeugen befragt werden. 14 Verhandlungstage sind für den Prozess angesetzt, der nächste am 12. Oktober.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 20.09.2017 | 18:00 Uhr

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