Stand: 23.02.2016 22:15 Uhr

Durchbruch im Kampf gegen Aids?

von Daniela Remus, NDR Info

Rund 35 Millionen Menschen sind weltweit mit dem HI-Virus infiziert, das Aids verursacht. Millionen Patienten sind bereits an dieser Krankheit gestorben. Trotz aller Forschungen kann Aids bisher nicht geheilt werden. Das könnte sich aber nun ändern. Wissenschaftler vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg und von der Technischen Universität in Dresden haben eine weltweit neue und vielversprechende Möglichkeit vorgestellt, um die Krankheit heilen zu können: das sogenannte Rekombinase-Verfahren.

Ein Forschungslabor.

Hoffnung auf Heilung von Aids

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Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, mit der sich Aids endlich heilen lassen könnte. Große Hoffnung also für HIV-Infizierte. Noch stehen Tests mit Menschen aus.

"Wir gehen an die Wurzel des Übels"

Ihr Ansatz könne die HIV-Therapie grundlegend ändern, meint das Forscherteam. "Wir haben Enzyme - eine molekulare Schere - entwickelt, die den HIV-Bauplan in der Zelle aufspürt und wieder entfernt", sagt Joachim Hauber, Professor für Virologie vom Heinrich-Pette Institut, im Interview mit NDR Info. "Wir gehen wirklich an die Wurzel des Übels. Und im eigentlichen Sinne ist dann kein HIV mehr da. Das heißt, die Zelle ist dann geheilt."

Heilen statt behandeln

Was ist Rekombinase?

Bei der Rekombinase wird mittels spezieller Enzyme eine Spaltung und Neuverknüpfung von DNA-Abschnitten vorgenommen. Dies ermöglicht eine Reparatur mutierter, also veränderter DNA.

Das HI-Virus setzt sich in der DNA der befallenen Zellen fest. Deshalb lässt es sich mit den marktüblichen Medikamenten zwar in Schach halten, nicht aber heilen. Molekulare Scheren sind seit ihrer Entdeckung vor einigen Jahren ein viel benutztes Instrument in der Forschung, um genetische Veränderungen durchzuführen. Die "Gen-Schere" sei speziell dafür entwickelt worden, das HI-Virus zu erkennen, sagt Frank Buchholz, Professor für Medizinische Systembiologie von der TU Dresden: "Prinzipiell funktioniert das Ganze wie das Züchten von Tieren. Wir benutzen die Kraft der Evolution, indem wir uns immer wieder die besten Moleküle heraussuchen und die dann kombinieren. Bis wir so weit sind, dass das Enzym das macht, was wir wollen." Diesen Typ Enzym nennen Forscher Rekombinase.

Die molekulare Schere

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Der Molekularbiologe Frank Buchholz (l.) und der Virologe Joachim Hauber bei der gemeinsamen Forschungsarbeit im Labor.

Die molekulare Schere mit dem Namen BREC 1 erkennt über 90 Prozent aller HI-Viren und entfernt sie dauerhaft aus der Zelle. Das ist weltweit einmalig. "Die Idee ist, blutbildende Stammzellen, die bei uns im Oberschenkelknochen sitzen, zu isolieren", erklärt der Virologe Hauber das Vorgehen. "Dann bringen wir im Labor die molekulare Schere ein und der Patient bekommt seine eigenen Zellen wieder zurück." Der Vorteil sei, dass es auf diesem Weg keine Abstoßungsreaktionen gebe.

Was bewirkt die neue Methode?

Wie bei Dialysepatienten findet die Behandlung außerhalb des Körpers statt. Die Versuche mit humanisierten Maus-Modellen - also genetisch veränderten Mäusen, die menschliche Zellen in sich tragen - hätten gezeigt, dass schon nach rund 15 Tagen nahezu alle HI-Viren beseitigt waren. Dann könne das Blut zurück in den Körper: "Bei HIV ist ja das Problem, dass das Virus in das lymphatische Gewebe geht", sagt Hauber. "Wenn man jetzt über die blutbildenden Stammzellen geht, kann man auch diese Gewebe erreichen, weil die Blutzellen dorthin wandern können und dann auch dort HIV bekämpfen."

Läuft Pilotstudie noch in diesem Jahr an?

Damit die Entdeckung auch tatsächlich den Erkrankten zugute kommen kann, soll die molekulare Schere in klinischen Studien am Menschen erprobt werden. Die Wissenschaftler zeigen sich optimistisch, dass dies schon Ende des Jahres möglich sein wird. Genehmigt sei eine erste Studie mit HIV-Patienten bereits. Allerdings liefen noch die Gespräche mit Investoren, so Hauber. Eine Pilotstudie koste etwa 15 Millionen Euro.

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NDR Info | Aktuell | 23.02.2016 | 06:54 Uhr