Steinfelder Fleischlieferant unter Verdacht
Der Lebensmittelproduzent Nestlé beschuldigt den Steinfelder Fleischlieferanten Schypke, nicht deklariertes Pferdefleisch in Nudelprodukten verwertet zu haben.
Bildergalerie starten
Bislang hat das Amt für Verbraucherschutz kein Pferdefleisch in Proben gefunden.
Die gute Nachricht kommt aus Göttingen: Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat mittlerweile 92 von 99 eingereichten Lebensmittelproben auf Pferdefleisch untersucht - und keines gefunden. Die schlechte Nachricht kommt aus Cuxhaven: Der Hersteller Wingert Foods hat am Freitag Zigeuner-Hacksteak der Marke "Maitre Corbell" zurückgerufen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Anteile von Pferdefleisch in dem Produkt enthalten seien, teilte das Unternehmen mit. Das Gericht sei in den Supermärkten bereits aus dem Verkauf genommen worden.
Unterdessen hat Niedersachsens neuer Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) eine EU-Task-Force vorgeschlagen, die bei Lebensmittelskandalen zum Einsatz kommen soll. Der "Osnabrücker Zeitung" sagte Meyer: "Es muss endlich deutlich werden, was in Lebensmitteln drin ist und wo es herkommt." Es gehe um ein europaweites, ja sogar weltweites Problem. Eine besondere Herausforderung seien die internationalen Warenströme mit zig Zwischenhändlern. Lebensmittel-Kontrollen sollten von einer bei der EU-Kommission angesiedelten Taskforce koordiniert werden, ansonsten sei ein Land anfälliger für Manipulationen als ein anderes.
Das Unternehmen Schypke bereitet sich derweil auf eine Klage gegen Unbekannt vor, so der Firmensprecher. Die Firma aus Steinfeld verarbeite ausschließlich Rindfleisch. Ein DNA-Test widerspricht den Lieferdokumenten: In der Fleischmasse ist Pferdefleisch enthalten. Der könnte von Lieferanten aus dem europäischen Ausland stammen. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt weiter gegen das Unternehmen aus Steinfeld, Ergebnisse stehen noch aus. Bei Schypke droht aufgrund des Fleischskandals jetzt Kurzarbeit. Der Schweizer Lebensmittelproduzent Nestlé hatte den Betrieb beschuldigt, ihm falsch deklariertes Fleisch für Ravioli und Tortellini geliefert zu haben.
Der Fleischverarbeiter und Wursthersteller aus Steinfeld hatte die Vorwürfe zuvor zurückgewiesen. "Wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen, wir produzieren weiter", sagte Schypke-Vertriebschef Manfred Diekmann. Bei Schypke wird laut Geschäftsführung weder geschlachtet noch zerlegt. Das Fleisch werde von zertifizierten Lieferanten bezogen und in Steinfeld lediglich weiterverarbeitet.
Nach den Berichten über die Firma aus Steinfeld ordnete der Landkreis Vechta an, dass verdächtiges Fleisch des Unternehmens vorerst nicht verarbeitet oder weitertransportiert werden darf, wie ein Kreissprecher auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen sagte. Die Anordnung gelte, bis das Fleisch von der Behörde kontrolliert worden ist, sagte der Kreissprecher. Bislang gilt das Unternehmen als "nicht auffällig". Weitere Angaben wollte der Sprecher nicht machen. Er verwies auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.
Neben Schypke stehen noch weitere niedersächsische Hersteller unter Verdacht, mit Pferdefleisch versetzte Fertiggerichte ausgeliefert zu haben. So hat die Firma Bünting aus Leer Lasagne aus den Regalen ihrer Combi- und Famila-Märkte genommen. Kontrollen hätten ergeben, dass sie Pferdefleisch-Anteile enthalte, so Bünting. Das Unternehmen hatte die Produkte der Marke "Jeden Tag" bereits vor Wochen vom Markt genommen, aber erst später die Öffentlichkeit informiert. Diese Vorgehensweise ist laut Verbraucherschutzministerium rechtlich in Ordnung, da keine Gesundheitsgefahr bestanden habe.
Auch in Ravioli-Dosen, die das Unternehmen Betz aus Buchholz in der Nordheide an Aldi-Süd lieferte, wurde Pferdefleisch entdeckt. Auch Aldi-Süd nahm alle Dosen aus den Regalen.
"Geiz ist geil"-Entschuldigung ist zu billig
Wer behauptet, das alles sei allein auf die "Geiz ist geil"-Mentalität der Verbraucher zurückzuführen,macht es sich zu einfach. Der Kunde ist durch die Täuschungen ebenso Leidtragender wie viele... [mehr]
Vorrat
Was schon, aufessen, Pferd ist doch nicht schädlich! [mehr]
jeden Tag gehen
Und was machen die Menschen, die sich einen Wochenvorrat mit 9 Packungen auf einmal angeschafft haben? Die kauft man nicht mal eben jeden Tag! Und erzählen Sie mir nicht, dass Sie jetzt auch noch... [mehr]
Ist denn immer der Kunde schuld?
Da bin ich anderer Meinung. Wenn Produzenten EHRLICH kalkulieren würden, wären qualitativ schlechtere Produkte gar nicht im Handel. Als die erste Billigkette aufmachte, wurde der günstigere Preis... [mehr]
Warum genau halten Sie das denn bitte für nicht in Ordnung?! Was möchten Sie denn gerne alles zurück geben? In der Mitteilung steht doch, daß Sie sämtliche Produkte, die in der aktuellen Diskussion... [mehr]