Stand: 17.02.2017 18:18 Uhr

Wachmänner wegen Misshandlung verurteilt

Das Amtsgericht Lingen hat zwei Wachmänner eines Sicherheitsdienstes wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung verurteilt. Ein 28-jähriger Angeklagter bekam zwei Jahre Haft auf Bewährung, ein 36-Jähriger muss wegen einer Vorstrafe für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Die beiden Männer hatten im Dezember 2015 in einer Lingener Unterkunft Flüchtlinge in eine Umkleidekabine eingeschlossen und geschlagen, so der Richter in seinem Urteil. Mit dem Strafmaß ging er über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Der Richter begründete das damit, dass es sich bei der Tat um Folter gehandelt habe. Die Wachmänner hätten den Flüchtlingen eine Abreibung verpassen wollen. Gegen das Urteil können die Männer Rechtsmittel einlegen.

Opfer berichten von Faustschlägen

Die Angeklagten hatten die Taten zu Prozessbeginn bestritten. Der 28-Jährige hatte lediglich zugegeben, die drei pakistanischen Flüchtlinge eingesperrt zu haben. Die Opfer waren von den Wachmännern in einen engen fensterlosen Raum gesperrt worden. Dort wurden nach Einschätzung des Gerichts sie mit Faustschlägen traktiert und mussten auf dem Boden schlafen. Eines der Opfer gab an, dass der 28-Jährige ihm die Nase gebrochen habe. Der Direktor des Lingener Amtsgericht, Michael Schwickert, sagte: "Die Opfer verstanden nicht, was da passierte. Sie wussten nicht, wie lange sie in dem Raum bleiben mussten."

Chaotische Zustände in Aufnahmeeinrichtungen?

Die Vorfälle aus dem Dezember 2015 waren erst vor wenigen Wochen bekannt geworden. Die Polizei begründete das mit chaotischen Zuständen in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Außerdem seien Aussagen von Flüchtlingen, die Zeugen der Tat wurden, konfus und von Verständigungsschwierigkeiten geprägt gewesen, so die Behörde.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 17.02.2017 | 14:30 Uhr

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