Stand: 21.08.2015 10:15 Uhr

"Til Schweiger Foundation" hat prominente Helfer

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Am Freitag hat Til Schweiger eine Stiftung gegründet - "viel Kohle" will er nun für Flüchtlinge sammeln. (Archiv)

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, Rapper Thomas D, Schauspieler Jan Josef Liefers und ARD Unterhaltungschef Thomas Schreiber: Die Liste der Prominenten, die Schauspieler Til Schweiger bei seiner Flüchtlingshilfe unterstützen wollen, wird immer länger. Am Freitag ist dazu eine Stiftung gegründet worden - die "Til Schweiger Foundation". Er selbst will 100.000 Euro einzahlen, die gleiche Summe habe ihm Thomas D von der Band Die Fantastischen Vier zugesagt, sagte Til Schweiger im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (Freitagausgabe). Zudem konkretisierte er erstmals seine Pläne. "Das Ziel dieser Stiftung war von Anfang an für allgemein traumatisierte Kinder zu sammeln", sagte er am Freitag "Bild.de". Im Idealfall sollten die Flüchtlingskinder ihre Traumata mit Hilfe der Stiftung überwinden.

Til Schweiger lässt Beziehungen spielen

Schweiger: "Zustände nicht besser als in Griechenland oder Italien"

Schweiger bezeichnete die Zustände in den deutschen Flüchtlings-Aufnahmelagern als "kaum besser als in Griechenland oder in Italien". Er selbst werde die Einrichtung in Osnabrück voraussichtlich im September besuchen, kündigte der Schauspieler und Filmproduzent an. Zudem machte er - wie zu Beginn der Woche in der ARD-Talkshow "Menschen bei Maischberger" - deutlich, dass er sich sowohl in Osnabrück als auch in Osterode am Harz engagieren werde. In Osterode werde sich die Eröffnung aber um sechs bis sieben Monate verzögern.

Flüchtlinge sollen Sprachkurse bekommen

Mithilfe der Stiftung will Schweiger in Osnabrück beispielsweise Sprachkurse und eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge betreiben. Das niedersächsische Innenministerium hatte Schweigers geplantes Engagement bestätigt. Die Einrichtung der Fahrradwerkstatt, eines WLAN-Netzwerks sowie von Sport- und Freizeitangeboten sei als eine erste Idee aus einem Gespräch des Schauspielers mit Innenminister Boris Pistorius (SPD) hervorgegangen, hieß es. Um die Vorhaben umzusetzen, werde die Stiftung "viel Kohle einsammeln", hatte Schweiger zuvor in der ARD angekündigt.

Osnabrücks OB lädt Schweiger ein

Dass Schweiger sich für seine Initiative die Stadt Osnabrück ausgesucht habe, bestätige, dass man auf dem richtigen Weg sei, erklärte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU). "Wir haben im vergangenen Jahr die Einrichtung der Landesaufnahmestelle schnell und gut vorbereitet." Der Politiker lud den 51-jährigen Schauspieler und Regisseur ins Rathaus ein.

Hilfe rollt in gut sechs Wochen an

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Bis es so weit sei und die Hilfe anrolle, würden noch gut sechs Wochen vergehen, so Schweiger in der ARD-Sendung. Dem Stiftungsbeirat sollen seinen Angaben nach unter anderem der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, Schauspieler Jan Josef Liefers sowie die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth angehören. Die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Niedersachsen für Asylsuchende in Osnabrück wurde Ende 2014 in Betrieb genommen. Dass Schweiger sich nun dort engagieren will, liege daran, dass seine Pläne für eine "Vorzeige-Flüchtlingsunterkunft" in Osterode am Harz nicht so schnell vorwärts gehen wie eigentlich gedacht. "Um nicht untätig rumzusitzen, gehe ich mit meiner Stiftung nach Osnabrück", so der Schauspieler in der ARD.

CSU-Mann geht Schweiger "auf den Sack"

Im Laufe der Sendung geriet Schweiger mehrere Male mit dem CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer aneinander. "Sie gehen mir auf den Sack, echt", sagte er, nachdem Scheuer seinen Vorschlag, den Solidaritätszuschlag zur Finanzierung von Flüchtlingsunterkünften zu nutzen, als "albern" bezeichnet hatte. Als der CSU-Mann dann fragte, wann die Einrichtung im Harz an den Start gehe, entgegnete der Schauspieler: "Ich find' das so geil, Ihren süffisanten Blick, weil Sie mich jetzt vorführen wollen."

Verhandlungen mit Eigentümer dauern noch

In Osterode verhandelt die Landesregierung noch mit dem Eigentümer der als Wohnheim vorgesehenen ehemaligen Kaserne. Diese Verhandlungen werden sich laut Schweiger noch hinziehen, deshalb dauere es noch etwas, bis er seinen Plan in die Tat umsetzen könne. Am Dienstag hatte das Land die Eigentümerfirma Princess of Finkenwerder als potenziellen Betreiber der Unterkunft ausgeschlossen. Sie habe keine Erfahrungen in dem Bereich, hieß es aus dem Innenministerium. Princess of Finkenwerder hatte in den vergangenen Tagen für Negativschlagzeilen gesorgt: Recherchen des NDR hatten ergeben, dass Zweifel an der Bonität des Unternehmens bestehen. Wie der "stern" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, kennt Schweiger den Chef der Firma zudem gar nicht persönlich. Außerdem ist nach Recherchen des Blattes auch die Vorgeschichte der Firma zweifelhaft. Demnach ließ sie in ihren Jahresabschlüssen der vergangenen drei Jahre jeweils identische Zahlen veröffentlichen. Dies deute darauf hin, dass sie in dieser Zeit keinerlei Geschäftstätigkeit entfaltet habe, so Experten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.08.2015 | 08:00 Uhr