Stand: 12.10.2017 21:35 Uhr

Schädelfund in Osnabrück: War es ein Verbrechen?

Naturschützer haben am Osnabrücker Piesberg Überreste eines menschlichen Schädels gefunden. Besonders markantes Kennzeichen: eine Vollprothese samt Goldzahn. Herkunft und Alter des bereits am Mittwoch entdeckten Schädels sind vollkommen unklar. Die Polizei hat die Fundstelle abgesperrt und war am Donnerstag noch einmal zu einer genauen Untersuchung vor Ort. Ergebnisse werden laut einer Polizeisprecherin aber erst in einigen Tagen erwartet. Dann dürfte auch Klarheit herrschen, ob es sich um das Opfer eines Verbrechens handeln konnte.

Ein Biotop für die Kreuzkröte

Karl-Robert Wolf ist einer der beiden Finder. "Der Anblick hat mich noch einige Stunden danach beschäftigt", sagte er im Gespräch mit NDR.de. Wolf gehört zu dem Verein "Natur unterwegs", der sich für Naturschutz und Naturpädagogik einsetzt. Gemeinsam mit einem Kollegen hatte der 60-Jährige an einem Hang in der Nähe des ehemaligen Steinbruchs am Piesberg gearbeitet. Dort soll unter anderem für die besonders geschützte Kreuzkröte ein Biotop entstehen, deshalb werden an der Böschung eines großen Hügels einige Bäume gefällt. Doch bevor der erste Axthieb erfolgen konnte, machten die beiden Männer den grausigen Fund.

Ergebnisse lassen auf sich warten

Beim Aufstieg zum Hügel stieß einer der beiden gegen den Knochen. Und sofort war klar: Heute werden keine Bäume gefällt. Die Augenhöhlen, die Zahnprothese, die Schädeldecke - es handelte sich um menschliche Überreste, das war unverkennbar. Erst recht für den promovierten Biologen Karl-Robert Wolf. Natürlich wollten die Finder der Polizei nicht vorgreifen: "Wir haben nicht weiter gesucht und alles so gelassen, wie wir es vorgefunden haben." Was die Experten zu dem Fund sagen, lässt allerdings noch einige Tage auf sich warten. Wessen Schädel ist es? Unter welchen Umständen ist die Person verstorben?

Viele Fragen offen

Über die Prothese erhoffen sich die Ermittler Hinweise - und ein Spezialist soll eine Altersbestimmung des Schädels vornehmen. Auch der Erdhügel wirft Fragen auf: Wie ist er entstanden? Verbergen sich möglicherweise weitere Leichenteile darin? Der Standort ist sehr abgelegen: am Ende einer kleinen Siedlung, auf dem verlassenen Gelände eines Steinbruchs, wo nur die Osnabrücker Dampflokfreunde beheimatet sind. Doch wirklich klar ist zunächst nur eines: Bäume werden auf jenem Hügel erst einmal nicht gefällt.


13.10.2017 10:42 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war ein Foto zu sehen, das den gefundenen Schädel sehr genau zeigt. Dies haben wir mittlerweile durch ein neutrales Bild ersetzt.

 

Weitere Informationen

Landesmuseum untersucht Herkunft von 20 Schädeln

Im Bestand des Oldenburger Landesmuseums befinden sich 20 Schädel außereuropäischen Ursprungs. Eine Untersuchung soll ihre genaue Geschichte und die Erwerbsumstände klären. (02.05.2017) mehr

Menschlicher Schädel in Eilenriede gefunden

Beim Gassigehen hat ein Mann einen menschlichen Schädel in Hannovers Stadtwald Eilenriede gefunden. Die Polizei sicherte Spuren. Um wessen Überreste es sich handelt, ist unklar. (13.01.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 12.10.2017 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:30

Glyphosat Thema im Landtag

13.12.2017 14:00 Uhr
NDR//Aktuell
02:13

Verstößt Amazon gegen Arbeitnehmerrechte?

12.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen