Stand: 04.09.2017 17:25 Uhr

Modellversuch: Arztbesuch auf dem Tablet-PC

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In einigen Gemeindem im Landkreis Osnabrück übernehmen Arzthelferinnen Hausbesuche. Der Arzt wird bei Bedarf zugeschaltet.

Ärztliche Versorgung auf dem Land steht seit jeher vor zwei Problemen: Die Wege zu den Patienten sind lang und dann ist da noch der chronische Ärztemangel. Wenn Mediziner zu Hausbesuchen rausfahren, bleibt ihnen für den einzelnen Menschen also oft wenig Zeit. In Stadt und Landkreis Osnabrück geht man deswegen nun neue Wege und versucht, die Probleme mit digitaler Technik in den Griff zu bekommen. Die Hausbesuche sollen dabei speziell geschulte Arzthelferinnen übernehmen. Der Arzt wird nur noch im Bedarfsfall zugeschaltet - per Tablet-PC. Der Name des Pilot-Projekts: "Telearzt".

Daten gehen per Computer zur Praxis

Die Arzthelferinnen sollen sich vor allem um Belange kümmern, die nicht unbedingt ein Arzt erledigen muss: Blut abnehmen, Verbände wechseln oder Blutdruck messen. Die gesammelten Daten schicken sie dann direkt per Tablet-PC in die Praxis. Der Patient stimmt der Weiterleitung seiner Daten automatisch zu, wenn er der Behandlung nicht ausdrücklich widerspricht. Mit dieser Behandlungsform würden Arzthelferinnen und Technik die Hausärzte entlasten, findet der Erste Kreisrat des Landkreises Osnabrück, Stefan Muhle (CDU): "Das heißt, dass Ärzte möglichst wenig Zeit verlieren durch die langen Wege im Auto auf den Straßen im Landkreis." Sollte doch ein ernsterer Fall eintreten, kann der Arzt per Video-Konferenz auf dem Tablet zugeschaltet werden.

"Telearzt" könnte den Beruf Hausarzt attraktiver machen

Zunächst wird das System in fünf Gemeinden im Landkreis Osnabrück getestet: An dem Pilotprojekt beteiligen sich fünf Praxen aus Melle, Nortrup, Berge und Osnabrück, die das Modell ein Jahr lang testen sollen. Schon jetzt verspricht sich Kreisrat Muhle aber viel von dem Projekt: So gebe es mancherorts Schwierigkeiten, Arztpraxen wieder zu besetzen, wenn ein Mediziner in den Ruhestand geht. "Wir können mit solchen Projekten möglichst frühzeitig sicherstellen, dass es attraktiv bleibt, Hausarzt zu sein", so Muhle. In der Praxis muss sich das Projekt in der Testphase erst bewähren. Die Kosten in Höhe von 35.000 Euro teilen sich Stadt und Landkreis Osnabrück.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 04.09.2017 | 17:00 Uhr

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