Stand: 07.01.2016 20:55 Uhr

Geköpfte Wildtiere geben Rätsel auf

von Frank Jakobs

In einem Wald in Dinklage-Langwege (Landkreis Vechta) hat ein Jäger einen erschreckenden Fund gemacht. Vier tote Rehe lagen dort vergraben. Ohne Kopf. An einem toten Reh wurde ein Einschussloch gefunden. Das war ein Tag vor Heiligabend. Doch die Tiere lagen dort wohl schon länger, sagte eine Sprecherin der Polizei Cloppenburg: "Nach  Einschätzung des Jägers hätten die Kadaver bereits seit zwei bis drei Monaten dort gelegen." Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der Jagdwilderei. Sie hat einen Aufruf gestartet und sucht Zeugen, die zwischen September und November des vergangenen Jahres in Dinklage im Wald im Ortsteil Langwege verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben. Bisher gebe es aber keine Hinweise.

Auch im Harz enthauptete Tiere entdeckt

Warum den Tieren die Köpfe abgetrennt wurden, ist unklar. Heinrich Voet, Vorsitzender der Jägerschaft in Vechta, vermutet, dass sie als Jagdtrophäe dienen. Für Köpfe mit Geweih gebe es einen Markt. Knapp 300 Kilometer weiter südlich in Braunlage im Landkreis Goslar wurde Ende Dezember ebenfalls ein toter Hirsch ohne Kopf gefunden. Das Tier wurde laut Polizei mit einem großkalibrigen Geschoss niedergestreckt. Danach wurde der fünf bis sechs Jahre alte Hirsch fachgerecht enthauptet. Der restliche 130 Kilogramm schwere Körper wurde an einer Bundestraße entdeckt. Vermutlich wurde das Tier an einer anderen Stelle erlegt und dann zum Fundort geschleppt, so die Polizei in Goslar. Weil das Tier sehr schwer war, sei es wahrscheinlich kein Einzeltäter gewesen. Die Polizei hat ein Verfahren wegen Jagdwilderei eingeleitet. Doch Hinweise auf den oder die Täter gebe es bisher nicht.

Rätsel um verendete Ricke

Im Dunkeln tappt auch noch die Polizei in Bad Lauterberg (Landkreis Osterode). Dort hatten Spaziergänger Ende des vergangen Jahres eine verendetet Ricke entdeckt. Auch diesem Tier wurde der Kopf abgetrennt. Allerdings nicht waidgerecht, wie die Polizei mitteilt. Der Torso sei anschließend in der Feldmark liegen gelassen worden. Die genaue Todesursache konnte ein alarmierter Jagdpächter nicht abschließend klären. Möglich wäre auch ein Riss durch ein Raubtier. Doch die Polizei ermittelt noch.

Warum wird der Torso liegengelassen?

Wilderei gibt es immer wieder, sagt Florian Rölfing. Er ist Sprecher des Landesjagdverbandes Niedersachsen. So gab es 2014 nach Angaben der Kriminalstatistik 84 Fälle von Jagdwilderei. Davon wurden 29 aufgeklärt. Für 2015 gibt es erst im kommenden Februar Zahlen. "Jeder Fall von Wilderei ist einer zu viel", sagt Rölfing. Doch insgesamt sei die Zahl der Wilderei im Verhältnis zu den geschossenen Tieren eher gering. Dass in diesen Fällen die Köpfe abgetrennt wurden und der Torso einfach liegen gelassen wurde, kann er sich nicht erklären. "Solche Fälle sind mir bisher auch nicht bekannt in Niedersachsen", so Rölfing. Denn aus seiner Sicht sei das Fleisch sehr kostbar und könne auch vermarktet werden. Doch wertvoller sind die Trophäen.

Landesforsten-Sprecher: "Es geht ums Erlebnis"

Die Landesforsten erheben für private Jäger, die in ihrem Wald jagen wollen, einen Jagdbetriebskostenbeitrag. Der errechnet sich aus dem Alter des Tieres, dem Gewicht und der Größe des Geweihs. Bei einem stattlichen Hirsch können dann auch schon mal bis zu 3.000 Euro fällig werden. So ein hoher Betrag sei jedoch selten, sagt Michael Rudolph von den Landesforsten Niedersachsen-Süd. Aber wer wildert, spart sich diese Gebühr. Diese Fälle mit den enthaupteten Wildtieren mache aber noch etwas deutlich, sagt Stefan Fenner, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten: Es gehe den Wilderern nicht um das Fleisch, wie das früher der Fall war. Es geht ums "Erlebnis". Und um dieses Erlebnis zu dokumentieren, werde der Kopf als Trophäe mitgenommen und der Rest bleibe liegen, so Fenner.

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