Stand: 02.02.2016 19:39 Uhr

Erneut Streit um Masterplan Ems entbrannt

von Christina Gerlach
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Mit dem Emssperrwerk in Gandersum steht und fällt der Masterplan Ems. (Archivbild)

Der Masterplan Ems soll die Wasserqualität des Flusses verbessern. Gelingt das nicht, drohen Millionenstrafen von der EU. Doch das Projekt droht zu scheitern, denn ein wichtiger Baustein - das Emssperrwerk in Gandersum als Schlickbremse - funktioniert nicht wie erhofft. Mit ihm steht und fällt der Masterplan. Nach drei Versuchen war erstmal Schluss. Ein vierter wurde kurzfristig abgesagt. Denn kein Gutachter will sein Okay für einen weiteren Test geben. Zu riskant. Das bestätigt Ralf Kaiser, Ministerialrat im Umweltministerium.

Strömung unterspült das Sperrwerk

Dabei klingt der Plan plausibel: Man öffnet bei Flut nur eines der sieben Sperrwerkstore. Dann kommt weniger Schlick in die Ems. Aber damit nimmt auch die Strömung zu. Sie reißt am Bauwerk, spült tiefe Löcher ins Flussbett und unterhöhlt das Sperrwerk.

Kann ein Umbau den Masterplan retten?

Das lässt sich nur verhindern, wenn es aufwändig umgebaut wird. Hajo Rutenberg von der Bürgerinitiative "Rettet die Ems" sieht hohe Kosten auf das Land Niedersachsen zukommen. Für ihn ist der Masterplan bereits nach einem Jahr gescheitert. Ministeriumsmitarbeiter Kaiser widerspricht. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt er dem NDR. Auch Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz (Grüne) sieht den Masterplan Ems nicht in Gefahr. NDR.de sagte sie: "Die Arbeiten bewegen sich innerhalb des abgesteckten Zeitplans. Die Machbarkeitsstudien sind eine wertvolle Grundlage für weitere Entscheidungen. Nach Vorgaben des Masterplans sollen erste Ergebnisse Ende 2016 und weitere Ende 2018 vorliegen. Der Masterplan Ems ist und war zu keinem Zeitpunkt gefährdet." Die Machbarkeitsstudie für den Polder Coldemüntje sollte Ende 2015 vorliegen, so sagte es Helmut Dieckschäfer vom NLWKN dem NDR. Er rechne aber damit, dass sie nun Anfang März 2016 fertig wird.

Wasserqualität, Schiffbau, Ausgleichsflächen

Ziel des Masterplans Ems ist eine verbesserte Wasserqualität bis zum Jahr 2050. Gleichzeitig soll die Meyer Werft in Papenburg den Fluss weiter für die Schiffsüberführungen nutzen können. Außerdem fordert die Europäische Union, dass zur Sanierung und ökologischen Verbesserung des Flusses bis 2050 insgesamt 700 Hektar Fläche mehr als bislang für den Naturschutz zur Verfügung stehen. Diese sogenannten Ausgleichsflächen sollten zunächst nur von Landwirten im Landkreis Leer zur Verfügung gestellt werden. Ein Kompromiss mit dem Land sieht nun vor, dass im Landkreis Leer nur noch 250 bis 300 Hektar Land als Ausgleichsflächen für den Naturschutz bereitgestellt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2016 | 16:00 Uhr