Stand: 28.11.2015 14:26 Uhr

Eine Jute-Aktion gegen Plastikmüll

von Katharina Lohmeyer

Vor allem in der Vorweihnachtszeit gehen sie wieder massenhaft über die Ladentheken: Plastiktüten. Dabei können die gekauften Geschenke genauso gut in einer Stofftasche oder in einem Jutebeutel nach Hause transportiert werden. Darauf haben am Sonnabend Schüler der Ursulaschule in Osnabrück aufmerksam gemacht. 10.000 Jutebeutel mit der Aufschrift "GeBeuteltes Osnabrück" hatten sie im Gepäck, um sie an Passanten zu verteilen. Bei der Produktion der Jutebeutel wurden die Schüler vom Kinderhilfswerk Terres des Hommes, dem Bistum und der Stadt Osnabrück unterstützt. Mit ihrer Aktion wollen die Umweltbotschafter der Ursulaschule erreichen, dass die Stadt bis Ende 2017 plastiktütenfrei ist. Das bedeutet, dass keine neuen Plastiktüten mehr herausgegeben und alte Plastiktüten lange genutzt oder recycelt werden sollen.

10.000 Jutebeutel für den Umweltschutz

Mikroplastik gelangt in die Nahrungskette

Warum die Schüler darauf großen Wert legen, erklärt die 15-Jährige Samara Budde interessierten Passanten: Plastiktüten schadeten nicht nur der Umwelt, sondern letztendlich auch den Menschen. So zersetzten sich die Tüten zu Mikroplastik und sammelten sich dann in großen Plastikmüll-Teppichen auf dem Meer. Von dort gelangten sie über die Fische in unsere Nahrungskette.

8.000 Plastiktüten eingesammelt

Vor gut einem Jahr begannen die Schüler mit ihrem Projekt. Mehr als 8.000 Plastiktüten haben sie eigenen Angaben zufolge gesammelt. Diese wurden zu Granulat verarbeitet, eingeschmolzen und in Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück zu großen Plastikbahnen verarbeitet. Die wiederum sollen von der Heilpädagogischen Hilfe zu neuen, dauerhaft einsetzbaren Tragetaschen verarbeitet werden. So erklärte es der 15-jährige Florian Hehmann zum Beginn der Straßenaktion.

"Die Welt in gutem Zustand an eigene Kinder übergeben"

Das nasskalte Wetter störte die teilnehmenden Schüler heute nicht. Sie wissen, wie wichtig ihr Einsatz ist. "Wenn ich einmal Kinder bekomme, dann möchte ich ihnen die Welt in einem möglichst guten Zustand übergeben. Und deshalb stehe ich gerne hier", sagte der 15-jährige Finn Ketteler. Viele Passanten unterstützen die Aktion der Schüler. Jeder könne etwas gegen die wachsenden Müllberge tun, sagte Christina Gatersleben, die mit ihrer Tochter aus Harsewinkel zum Adventsbummel nach Osnabrück gekommen ist.

Besuch im Kanzleramt

Zum Dank für ihre Initiative schickte EU-Umweltkommissar Karmenu Vella den Schülern im Oktober eine Videobotschaft. Bürgermeisterin Birgit Strangmann und mehrere Bundes- und Landtagsabgeordnete lobten den Einsatz der Schüler. Außerdem erhielten sie den Kid-Courage-Preis der Osnabrücker Bürgerstiftung. Diese Woche erlebten die Schüler dann mit einem Besuch im Kanzleramt den vorläufigen Höhepunkt. Dort wurde ein Buch der weltweiten Initiative "youthinkgreen" vorgestellt, der die Umweltbotschafter angehören. "Das war schon ein Erlebnis", sagte Florian Hehmann.

Zwölf Geschäfte machen schon mit

Der Einsatz der Schüler zahlt sich bereits aus: Zwölf Osnabrücker Geschäfte verzichten mittlerweile auf Plastiktüten und tragen dafür das grüne Siegel der jungen Umweltaktivisten: "Plastikfreies Osnabrück".

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.11.2015 | 10:00 Uhr