Stand: 11.03.2016 12:58 Uhr

Ein Mega-Bordell für Fürstenau?

von Kerstin Staben

Eigentlich wissen sie schon längst, dass sie verloren haben: die Grüne Ratsfrau Claudia Funke und ihre etwa 30 Mitstreiterinnen und -Streiter. Sie wollen das angekündigte und quasi fast schon genehmigte Bordell von Fürstenau doch noch verhindern. Denn ihr Fürstenau ist idylisch hat Charme, die 9.200 Einwohner genießen die Ruhe des Osnabrücker Land, das imposante Schloss und selbstverständlich die Kirche - in ihrem Fürstenau ist kein Platz für ein Bordell. Und schon gar nicht für ein so großes, werbewirksames angekündigtes, das eine Strahlkraft über den Ort hinaus haben wird - denn genau das befürchten die Bordell-Gegner, mit Blick auf ihre Kleinstadt-Idylle.

Fürstenauer demonstrieren gegen Mega-Bordell

Erlebnisgastronomie mit dem gewissen Etwas

Die Visionen des Investors für das 4.800 große Bordell-Gelände sind fast luxuriös zu nennen: Zehn Zimmer soll das Bordell haben, einen Wellness-Bereich mit Sauna, ein Film- und Fotostudio und sogar eine Autowaschanlage soll es auf dem Gelände geben. "Wahrscheinlich um Kunden anzulocken und ihnen ein besseres Gefühl zu geben", mutmaßen einige Bürger hinter vorgehaltener Hand. Vor neugierigen Blicken soll außerdem ein Sichtschutzzaun schützen.

Fürstenau bald Mekka für Prostitution und Kriminalität?

"Ich glaube, dass das der Todesstoß für Fürstenau ist", sagt Kay-Ute Hallen. Sie lebt seit sechs Jahren in der Stadt und kommt aus Hamburg. In der Innenstadt würde sowieso schon ein Geschäft nach dem nächsten schließen. Außerdem bringe Prostitution immer mehr Kriminalität mit sich ebenso wie einen größeren Straßenstrich. Margreth van der Meer stimmt mit ein. Sie betreibt ein kleines Geschäft in der Fürstenauer Innenstadt. Prostitution sei frauenverachtend und sie habe Angst, dass junge Frauen ausgebeutet würden. Außerdem fürchten die Gegner "groben Tourismus von Männergruppen, die einen nahegelegenen Freizeitpark für Panzerfahrten und Offroad-Angebote besuchen" und danach ins Bordell gehen könnten.

Sichtbarer Widerstand hält sich (noch) in Grenzen

Viele Bürger auf der Straße zeigen sich in Bezug auf die Bordell-Pläne auch gleichgültig. "Solange mein Mann bei mir zu Hause bleibt, ist es mir egal", sagt eine Frau lächelnd. "Viele denken anders", sind Kay-Ute Hallen und Margreth van der Meer überzeugt. Sie trauten sich nur nicht, ihre Meinung klar zu äußern. Die beiden Frauen haben gemeinsam mit der Grünen Ratsfrau Claudia Funke Flyer produziert und vor einer Verwaltungsausschusssitzung eine Demo organisiert. Gekommen sind schließlich rund 30 Bürger, um den Politikern ihren Unmut über das Bordell zu zeigen. Doch vermutlich kommen sie zu spät. Der Rat ist mehrheitlich für das Bordell und hat bereits zugestimmt. Jetzt liegt es am Landkreis Osnabrück, endgültig über den Bauantrag zu entscheiden. Einzig ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt den Gegnern in Fürstenau noch.

Grüne fordert Sperrbezirk

Ratsfrau Claudia Funke hat einen Antrag auf einen Sperrbezirk gestellt. Am Dienstag will der Rat darüber entscheiden. Doch die Chancen sind gering: Das Bordell soll in einem Gewerbegebiet gebaut werden, Gründe für einen Sperrbezirk - wie beispielsweise Schulen oder Kindergärten in direkter Umgebung - gibt es kaum.

Gegner wollen weiter kämpfen

"Wir wissen, dass das Bordell sehr wahrscheinlich gebaut wird", sagt Kay-Ute Hallen. Doch wo einmal ein Funken Widerstand sei, bleibe er auch. "Möglicherweise organisieren wir dann Mahnwachen vor dem Bordell, um Freier davon abzuhalten hineinzugehen."

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