Stand: 16.06.2015 11:59 Uhr

65-Jähriger stirbt an Mers-Erkrankung

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So sieht es unter dem Mikroskop aus, das gefährliche Mers-Coronavirus. (Archiv)

Todesfall nach Mers-Erkrankung: Ein 65-Jähriger aus Minden-Lübbecke (Nordrhein-Westfalen) ist, wie erst heute bekannt geworden ist, bereits am 6. Juni in einem Krankenhaus in Ostercappeln gestorben. Ein Versagen der Lunge hat zum Tode des Mannes geführt, der sich im Februar bei einer Urlaubsreise in die Vereinigten Arabischen Emirate mit dem tödlichen Erreger infiziert hatte. Die Ursache für die Erkrankung des Mannes ist noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise hat er sich während der Reise auf einem Tiermarkt angesteckt. "Reisende, die die arabische Halbinsel besuchen, werden insbesondere vor einem Kontakt mit Dromedaren bzw. mit von diesen stammenden Produkten gewarnt. In Deutschland besteht keine Ansteckungsgefahr", teilte das niedersächsische Gesundheitsministerium am Dienstag mit.

Drei Behandlungen in Deutschland

Der Mann ist der dritte Mensch, der in Deutschland wegen einer Mers-Infektion behandelt wurde. In Niedersachsen war es der erste nachgewiesene Fall. In München war im März 2013 ein 73-jähriger Mers-Patient aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gestorben. Ein anderer, in Essen behandelter Patient überlebte die Krankheit. Saudi-Arabien ist weltweit das am stärksten von Mers (Middle East Respiratory Syndrome) betroffene Land. Reisende brachten den Erreger auch in die USA und in europäische Länder wie Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich und die Türkei. Besonders betroffen vom Mers-Virus ist derzeit Südkorea: Dort gab es bislang 19 Todesfälle; außerdem sind mehr als 5.500 Menschen, die sich angesteckt haben könnten, in Quarantänestationen untergebracht. Weltweit erstmals tauchte der Erreger 2012 auf. Mers gehört zu den Coronaviren, zu denen auch der Sars-Erreger und viele Erkältungsviren zählen. Das Virus kann eine schwere Infektion der Atemwege, Lungenentzündung und Nierenversagen verursachen.

Keine anderen Personen angesteckt?

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Hinweise darauf, dass der Mann aus Nordrhein-Westfalen seinerseits andere Menschen angesteckt hat, gibt es bislang nicht. Mehr als 200 Personen, die mit dem 65-Jährigen im Lauf von dessen Krankheit Kontakt hatten, seien negativ getestet worden, hieß es aus dem Ministerium weiter. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach derzeitigem Wissensstand selten.

Mers-Coronaviren

Mers steht für das "Middle East Respiratory Syndrome" und bezeichnet eine Infektion der Atemwege, die durch das Mers-Coronavirus (Mers-CoV) verursacht wird. Zum ersten Mal wurde Mers-CoV im Jahr 2012 identifiziert. Das Virus ist vor allem auf der arabischen Halbinsel verbreitet und trat überwiegend in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber auch in Katar, Kuwait, Bahrain, in Jordanien, Jemen und Oman auf. Alle bisher außerhalb dieser Region bekannt gewordenen Erkrankungsfälle standen mit einem vorangegangenen Aufenthalt der Erkrankten in diesen Ländern im Zusammenhang. Die Erkrankung beginnt üblicherweise mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Magen-Darm-Beschwerden können ebenfalls auftreten. Häufig entwickelt sich eine Lungenentzündung. Als Komplikation können Nierenversagen und ein akutes Atemnotsyndrom auftreten. Die Inkubationszeit beträgt meist weniger als eine Woche.