Stand: 08.09.2017 07:31 Uhr

Wer kommt in den Vorstand? EWE-Aufsichtsrat tagt

von Christina Gerlach

Der regionale Energieversorger EWE in Oldenburg erlebt turbulente Zeiten. Der Vorstandsvorsitzende im Februar wegen einer Klitschko-Spende gefeuert; Wirtschaftsprüfer, die mit ihren Zwischenberichten zwei Vorstandskandidaten ausgebremst hatten. Drei von fünf Führungspositionen sind vakant. Dazu Korruptionsvorwürfe und der Verdacht mangelnder interner Kontrolle. Eine lange Tagesordnung für den EWE-Aufsichtsrat, der sich heute trifft. Als wichtigster Punkt gilt die Diskussion über zwei EWE-Vorstandskandidaten, die ihre Bewerbung zwischenzeitlich zurückgezogen hatten. Aber offenbar sind die beiden wieder im Rennen.

Zwei unterschiedliche Gutachten

Erstaunlich, denn noch im April attestierten die Wirtschaftsprüfer von KPMG den beiden EWE-Vorstandskandidaten Poppe und Maus Versäumnisse. Torsten Maus ist Geschäftsführer der EWE Netz, Timo Poppe mittlerweile Vorstand der Bremer EWE-Tochter swb. Laut KPMG-Zwischenbericht sollen beide ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Maus habe der EWE "einen substanziellen Schaden zugefügt." Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt. Bei SWB-Vorstand Poppe warf KPMG zusätzlich die Frage nach der charakterlichen Eignung auf, nachdem öffentlich geworden war, dass er einen EWE-Vorstandsfahrer in dessen Urlaub privat für eine Fahrt in die Ski-Ferien nach Österreich angeheuert hatte.

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Aufsichtsratsmitglied sieht Vorwürfe entkräftet

Doch der KPMG-Sonderprüfungsbericht vom 21. Juli 2017 könnte den beiden den Sprung in den Vorstand doch noch ebnen. Auftraggeber: der EWE-Aufsichtsrat. Wenn man der Äußerung eines Mitgliedes des Aufsichtsratspräsidiums glaubt, sind die Vorwürfe offenbar ausgeräumt. "Bei Poppe, da bleibt so gut wie nix übrig. Und bei Maus, da bleibt auch relativ wenig übrig", hieß es von ihm.

Wieder Interesse?

Poppe und Maus hatten zwar schon abgewinkt, offiziell das Interesse am Karrieresprung verloren. Danach befragt, ob das noch gelte, lehnte Maus gegenüber dem NDR eine Stellungnahme ab. Mit der Frage habe er sich inhaltlich noch nicht auseinandergesetzt, sagte er. Poppe hat auf die Anfrage nicht reagiert. Vielleicht wissen die obersten EWE-Kontrolleure mehr. Schließlich entscheiden sie in zehn Tagen über den neuen Chefposten.

Neuer Vorstandsvorsitzender am 18. September

Laut Tagesordnung wird der oder die neue Vorstandsvorsitzende am 18. September bestellt. Dazu passt möglicherweise, dass die Personalberatung Egon Zehnder, die den Auftrag für die Suche nach geeigneten Personen bekommen hatte, gern hausinterne Kandidaten präsentieren soll. Die Diskussion über das Personal-Karussell wird unter Garantie spannender als die Diskussion über die internen Kontrollsysteme bei der EWE Netz. Denn die steht auch noch auf der Tagesordnung heute: Die Wirtschaftsprüfer haben dort "signifikante Schwächen" festgestellt, die weder Unternehmensführung noch Aufsichtsrat bemerkt hatten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.09.2017 | 08:00 Uhr

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