Stand: 17.11.2014 15:52 Uhr

Schwimmendes Großlabor "Sonne" übergeben

Nach 36 Jahren hat die deutsche Meeresforschung ein neues Flaggschiff bekommen. Das Forschungsschiff "Sonne" ist am Montag in seinem Heimathafen Wilhelmshaven offiziell an die Wissenschaft übergeben worden. Es soll bisher nicht gekannte Einblicke in die Tiefsee eröffnen. Das könnte Forschern bei Untersuchungen zu Klimawandel und Ökosystemen helfen. Denn die Experten bekommen mit dem Neubau aus der Papenburger Meyer Werft ein schwimmendes Großlabor für Untersuchungen zur Biologie der Meere. Die 116 Meter lange "Sonne" sei ein "Hightech-Schiff" und das derzeit modernste Forschungsschiff der Welt, erklärte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU). "Es wird unserer Gesellschaft und der Wissenschaft große Dienste leisten." Die "Sonne" werde den hervorragenden Ruf der deutschen Meeresforschung in alle Welt hinaustragen, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der ebenfalls zur Übergabe nach Wilhelmshaven gekommen war.

Erstmals Messungen am unteren Rand der Weltmeere möglich

Die "Sonne" wird in Wilhelmshaven stationiert und federführend von der Universität Oldenburg genutzt. Hauptfahrtgebiete des Forschungsschiffes sollen künftig im Indischen und Pazifischen Ozean liegen. Dort sollen unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels, die Nutzung von Rohstoffen und Energieträgern sowie die Veränderung der marinen Ökosysteme untersucht werden. Zur Ausrüstung zählen nicht nur Bohrsonden, Echolote und ferngelenkte Unterwasserroboter, sondern auch Forschungswinden mit Drähten und Kabeln von bis zu zwölf Kilometern Länge. Damit werden erstmals Messungen im äußersten unteren Rand des Weltmeere möglich. Hochauflösende Anlagen dienen der Erkundung des Meeresbodens. Proben können in Laboren und Kühlräumen gelagert und untersucht werden.

Eine Herausforderung für die Meyer Werft

"Für die Meyer Werft war es eine große Herausforderung, dieses technologisch anspruchsvolle Schiff zu bauen. Die Berücksichtigung aller technologischen Anforderungen, die die Wissenschaft an ein Forschungsschiff stellt, war eine hochkomplexe Aufgabe", sagte Meyer-Werft-Chef Bernard Meyer. Er war wie die niedersächsische Wissenschaftsministerin, Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne), und die Präsidentin der Universität Oldenburg, Professorin Katharina Al-Shamery, zur Übergabe gekommen.

Vorstellungsreise durch norddeutsche Städte

Bis Ende November startet die "Sonne" eine zweiwöchige Vorstellungsreise durch norddeutsche Hafenstädte. In Bremen, Hamburg, Warnemünde und Kiel können Besucher kostenlos Einblicke in das Bordleben bekommen. Daneben informiert eine Ausstellung norddeutscher Forschungseinrichtungen über Klima und Ozean, Meeresbodenerkundung und biologische Vielfalt in der Tiefsee.

Vorstellungsreise: Hier kann das Forschungsschiff "Sonne" besichtigt werden
Open-Ship-TageHafenÖffnungszeiten
17. NovemberWilhelmshaven14 bis 19 Uhr
18. NovemberBremen13 bis 17 Uhr
19. NovemberBremen10 bis 15 Uhr
21. NovemberHamburg10 bis 16 Uhr
22. NovemberHamburg10 bis 17 Uhr
25. NovemberWarnemünde11 bis 17 Uhr
27. NovemberKiel12 bis 18 Uhr
28. NovemberKiel10 bis 14 Uhr

Die "Sonne" löst die gleichnamige Vorgängerin ab, die mehr als drei Jahrzehnte auf den Weltmeeren unterwegs war. Die Baukosten betrugen rund 124 Millionen Euro. Davon übernahm der Bund 90 Prozent, den Rest teilen sich die Küstenländer Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

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