Stand: 20.10.2015 14:14 Uhr

Schwanewede hat eine Bürgerwehr - gegen Flüchtlinge

1.200 Flüchtlinge sind in der Lützow-Kaserne in Schwanewede im Landkreis Osterholz untergebracht. Menschen aus Syrien und dem Irak, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen sind. "Kriminelle", hetzt eine Gruppe von Rechtsradikalen und Rechtspopulisten auf Facebook - und nimmt die Flüchtlinge zum Anlass, in einer selbst ernannten "Bürger-Patrouille" durch das Wohngebiet rund um die ehemalige Bundeswehrkaserne zu marschieren. Mal sind es vier, mal acht Leute, die sich in der Nacht treffen. Mit Taschenlampen leuchten sie in den Straßen nach potenziellen Straftätern, wollen Vergewaltiger, Einbrecher und Diebe abschrecken, wie es nach Recherchen von Panorama 3 auf Facebook heißt. Nur: Auf die angebliche Gefahr, die von den Flüchtlingen ausgehen soll, gibt es keinerlei Hinweise.

Polizei widerspricht Bürgerwehr

"Davon haben wir nichts gehört, das sind Erzählungen. Die Polizei sagt, das stimmt nicht. Ich glaube der Polizei", sagt Harald Stehnken (SPD), Bürgermeister von Schwanewede. Auch von angeblichen Ladendiebstählen, die Flüchtlinge begangen haben sollen, weiß die Polizei nichts: "Bisher haben wir von dieser Bürgerwehr, wie sie sich nennt, keine sachdienlichen Hinweise bekommen, die zur Aufklärung oder überhaupt zur Dokumentation von Straftaten führten", so Helge Cassens von der Polizeidirektion Verden. Über eine geschlossene Facebook-Gruppe tauschen etwa 750 Menschen trotzdem weiter Gerüchte aus, darunter der Bremer Neonazi Markus Privenau und der NPD-Politiker Sascha Humpe. Die Idee für die "Bürger-Patrouille" stammt laut "taz" allerdings von einem anderen: Dennis Z., Sänger der Bremer Neonazi-Band "Strafmass", soll auf Facebook zu der Aktion aufgerufen haben. Vor der Kamera - für einen Bericht von Hallo Niedersachsen - wollte sich keiner der Teilnehmer der Bürgerwehr äußern.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 20.10.2015 | 19:30 Uhr