Stand: 14.06.2016 21:19 Uhr

Prothesen-Skandal: Sechsstellige Provision für Arzt

Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Chefarzt der Wirbelsäulen-Chirurgie des Klinikums Leer werden immer detaillierter. Offenbar hat der Arzt über Jahre zwischen 60.000 und 80.000 Euro jährlich nebenbei verdient, indem er Medizintechnikprodukte wie die umstrittenen Bandscheiben-Prothesen durchsetzte. So lautet zumindest der Vorwurf, den ihm das Klinikum vor dem Arbeitsgericht Emden gemacht hat. Dort hat am Dienstag der Prozess begonnen, in dem der Arzt gegen seine fristlose Entlassung vorgeht.

Schild vom Klinikum Leer.

Bandscheiben-Skandal: Prozess um Arzt-Rauswurf

Hallo Niedersachsen -

Der frühere Neurochirurg im Klinikum Leer soll defekte Bandscheibenprothesen eingepflanzt und Provisionen kassiert haben. Gegen seine fristlose Entlassung wehrt er sich.

2,8 bei 15 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Klinik und Arzt stellen gegenseitige Geldforderungen

Bei Vertragsabschlüssen mit Herstellern hat der Chirurg laut Klinik zehn Prozent Provision kassiert. Im Laufe der Jahre sollen sich die Beträge auf mehrere Hunderttausend Euro summiert haben. Geld, auf das nun das Krankenhaus Anspruch erhebt. Der geschasste Arzt wiederum fordert von seinem früheren Arbeitgeber eine Gehaltsfortzahlung. Zu einer gütlichen Einigung haben beide Parteien am Dienstag nicht gefunden. Das Gericht will deshalb zunächst den Betriebsrat hören, bevor es in den kommenden Wochen eine Entscheidung fällt. Für Mittwoch hat der Richter zudem eine Erklärung angekündigt.

Weitere Informationen

Prothesen-Opfer: "Als Versuchskaninchen benutzt"

Else Claaßen gehört zu den Patienten, denen am Klinikum Leer eine der umstrittenen Bandscheiben-Prothesen eingesetzt wurden. Sie hatte mit heftigen Schmerzen zu kämpfen. (14.06.2016) mehr

Rund 50 Patienten bekamen defekte Prothesen

Das Klinikum Leer hatte dem Arzt im September nach dem Rückruf der Prothesen gekündigt. Der britische Hersteller Ranier hatte damals selbst vor seinen Produkten gewarnt. In Leer sollen mindestens 48 Patienten die defekten Bandscheiben-Implantate eingesetzt worden sein. Viele mussten deshalb erneut operiert werden. Das Krankenhaus hatte nach eigenen Angaben erst zu spät davon erfahren, dass die Prothesen für den Vertrieb gesperrt waren - und weist jede Mitverantwortung von sich. Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt gegen den Chefarzt wegen Körperverletzung, die Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen Bestechlichkeit. Ein Papenburger Anwalt, der betroffene Patienten vertritt, kritisierte das Verhalten der Klinik - und droht mit einer Klagewelle. Nach Ansicht seiner Mandanten wurden diese nur unzureichend über die Qualität der später eingesetzten Implantate aufgeklärt.

Weitere Informationen

Bandscheiben-Skandal: Arzt klagt gegen Kündigung

Ein früherer Chefarzt des Klinikums Leer soll Lobbying für einen Hersteller von Bandscheiben-Prothesen betrieben haben. Nun klagt er gegen seine Kündigung. (15.02.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.06.2016 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:30

Glyphosat Thema im Landtag

13.12.2017 14:00 Uhr
NDR//Aktuell
02:13

Verstößt Amazon gegen Arbeitnehmerrechte?

12.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen