Stand: 28.09.2014 09:23 Uhr

Kein Strom: Letzte Chance für BARD Offshore 1

von Christina Gerlach
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Steht der Windpark BARD 1 vor dem Aus, bevor die Stromproduktion überhaupt richtig begonnen hat?

Der Offshore-Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee, 90 Kilometer nordwestlich von Borkum, liefert seit Monaten keinen Strom. Doch die Suche nach der Ursache ist bislang ergebnislos verlaufen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran", sagte Markus Block, Sprecher des Windparkbetreibers Ocean Breeze. Gemeinsam mit Netzbetreiber Tennet und dem Elektronikkonzern ABB wurde eigens dafür eine Task Force eingerichtet. Nach und nach gehen die Windenergieanlagen wieder ans Netz, um so den Grund für die Störung zu identifizieren. Wenn das langfristig nicht gelingt und der Windpark dauerhaft Probleme mit der Stromeinspeisung hat, müsste er in letzter Konsequenz wieder zurückgebaut werden.

1,8 Millionen Euro Entschädigung pro Tag?

BARD Offshore 1 ist der erste kommerzielle Offshore-Windpark in der Nordsee. Immer wieder war es zu Schutzabschaltungen gekommen. Im März hatte es einen Schwelbrand auf der Umspannplattform BorWin alpha gegeben. BARD Offshore 1 hat ein Problem damit, den Wechselstrom, den die 80 Windräder produzieren, in Gleichstrom umzuwandeln. Die Qualität des Stroms stimme nicht, er habe zu viele Störfrequenzen, hieß es bisher als Begründung. Diese werden üblicherweise auf der Umspannplattform auf hoher See herausgefiltert, bevor der Strom zum Land fließt. Sollte der Filter fehlerhaft gewesen sein, hätte Netzbetreiber Tennet die Verantwortung. In dessen Auftrag hat der Elektronikkonzern ABB die Konverterstation gebaut. Dann müsste Tennet Entschädigung an den Windparkbetreiber zahlen - bis zu 1,8 Millionen Euro am Tag. Den größten Teil kann sich Tennet allerdings durch das NeueEnergienGesetz erstatten lassen, also letztlich vom Steuerzahler.

Bau lief aus dem Ruder

Handelt es sich allerdings um einen Konstruktionsfehler an den 80 Windanlagen, hätte Windparkbetreiber Ocean Breeze ein massives Problem. Ocean Breeze ist eine Tochter der HypoVereinsbank. Sie hat den Park finanziert, aber keinen Käufer gefunden. Schon der Bau lief aus dem Ruder. Statt der geplanten 1,5 Milliarden Euro kostete er drei Milliarden. Sollten alle Windkraftanlagen tatsächlich nachjustiert werden müssen, ginge das schnell in die Millionen.

Bundesamt gibt Windpark noch eine Chance

Sollte die Ursache auch in Zukunft nicht gefunden werden und der Windpark langfristig keinen Strom produzieren, erlischt die Genehmigung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). Das ist der Fall, wenn der Windpark dauerhaft außer Betrieb genommen wird oder einzelne Anlagen nur sporadisch laufen. Dann müsste BARD Offshore 1 zurückgebaut werden, was ein fatales Signal für Investoren und für die Branche der erneuerbaren Energien wäre. Aber das BSH betonte auf Nachfrage ausdrücklich, dass es der Wirtschaft und der neuen Technik eine Chance gibt, den Fehler zu beheben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.09.2014 | 08:00 Uhr