Stand: 09.05.2017 06:55 Uhr

Hubschrauber beginnt mit Rückbau von Sendemast

von Oliver Gressieker
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Ähnlich wie beim Aufbau des neuen Sendemastes wird ein Hubschrauber die alte Mastspitze abtransportieren. (Archivbild)

Abschied nehmen heißt es in Steinkimmen im Landkreis Oldenburg: Ab Dienstag wird das Wahrzeichen des Ortes, der 305 Meter hohe Sendemast des NDR, Stück für Stück demontiert. Nach dem derzeitigen Stand der Planungen wird der Rückbau voraussichtlich ein halbes Jahr dauern. Der spektakulärste Part erfolgt dabei gleich zu Beginn, wenn mit einem Lastenhubschrauber die Mastspitze des 61 Jahre alten Turmes abgetragen wird.

Die bewegte Geschichte des Sendemastes Steinkimmen

Mastspitze in mehreren Teilen abgeflogen

"Wir rechnen mit bis zu zehn Flügen", sagte der zuständige Leiter der Sendergruppe Niedersachsen, Martin Bertke, im Gespräch mit NDR.de. Die 29 Meter lange Spitze, die aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) besteht, soll nicht in einem Teil, sondern in mehreren, kleineren Segmenten abgeflogen werden. "Die Mitarbeiter werden sie vor Ort auseinanderschrauben und die etwa zweieinhalb bis drei Meter langen Teile dann am Seil des Hubschraubers einhaken", so Bertke. "Wenn alles glatt läuft, soll die gesamte Aktion maximal vier Stunden dauern." Voraussetzung dafür sei aber, dass das Wetter mitspielt. Bei zu starkem Wind oder schlechter Sicht könne der Hubschrauber nicht fliegen und die Demontage müsste auf die nächsten Tage verschoben werden.

Alter Antennenträger ist außer Betrieb

Die Vorbereitungen für den Rückbau laufen schon seit längerem. "In den vergangenen drei Wochen haben wir alle elektrischen Einrichtungen aus der Mastspitze entfernt", berichtet Bertke. "Insgesamt 48 Antennenelemente mussten per Fahrstuhl nach unten gebracht werden." Parallel dazu wurden sämtliche Rundfunkdienste vom alten Mast auf den neuen 285 Meter hohen Antennenträger, der im vergangenen Jahr in unmittelbarer Nähe errichtet wurde, übertragen. "Das hat alles hervorragend geklappt", so Bertke. "Seit Donnerstagmorgen um Punkt 2.50 Uhr ist der alte Sendemast endgültig außer Betrieb." Als letzte Wellen seien NDR Info und N-Joy ausgestrahlt worden.

Mast wird mit Schneidbrenner zerlegt

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Der alte Rohrmast (l.) wird Stück für Stück abgetragen. (Archivbild)

Nach dem Abflug der Spitze soll es umgehend mit der Demontage des Stahlrohrmastes weitergehen. Dazu müssen zunächst sämtliche Antennen, Verkabelungen, Arbeitsbühnen sowie der Fahrstuhl abgebaut werden. "Sobald der Mast in etwa zwei Wochen komplett nackt ist, können die Arbeiter mit der eigentlichen Zerlegung beginnen", erläutert Bertke. "Mit einem Schneidbrenner werden bis zu drei Meter große Stücke abgeschweißt und dann an einer Winde heruntergelassen." Für diese Arbeiten werde ein sogenannter Stockbaum - eine Art Behelfskran - errichtet, der an mehreren Stellen mit dem Turm verbunden ist. Insgesamt sollen auf diese Weise bis zum Herbst 260 Tonnen Stahl abgetragen werden.

Abbau nicht ohne Risiken

Die Schweißarbeiten sind laut Bertke der brenzligste Teil der Demontage. "Der Einsatz von Gas ist in dieser Höhe natürlich nicht ganz ohne", sagt er. "Vor allem der Brandschutz ist da ein wichtiges Thema." Sorgen, dass es zu Zwischenfällen kommen könnte, macht er sich allerdings nicht. "Die Arbeiter der beteiligten Firmen sind alles Vollprofis, von daher wird das sicher ohne Überraschungen ablaufen."

360-Grad-Blick vom Sendemast in Steinkimmen

Schwerer Zwischenfall im Jahr 1961

Beim Thema Sicherheit werden Erinnerungen an einen Zwischenfall aus dem Jahr 1961 wach, als auf der Mastspitze eine neue Sendeantenne installiert werden sollte. Bei den Montagearbeiten riss ein Anker aus dem Boden und die 16 Tonnen schwere Antenne stürzte aus 135 Metern Höhe in die Tiefe. Glücklicherweise wurde dabei niemand verletzt. "So leichtfertig wie damals würde man heute ganz sicher nicht mehr vorgehen", betont Bertke. Heute seien die Sicherheitsvorschriften deutlich strenger.

Hunderte Zuschauer zur Demontage erwartet

Zum Hubschraubereinsatz erwartet Bertke zahlreiche Schaulustige. "Das Interesse hier in Steinkimmen ist deutlich größer als an vielen anderen Standorten", sagt der Leiter der Sendergruppe Niedersachsen. Schon bei Bau des neuen Stahlgittermastes seien viele Menschen vor Ort gewesen. Und jetzt wäre schließlich die letzte Gelegenheit für die Steinkimmer, um "ihren Fernsehturm" noch ein letztes Mal in voller Pracht zu sehen.

Weitere Informationen

Steinkimmen: Wehmütiger Abschied vom Fernsehturm

In Steinkimmen (Landkreis Oldenburg) wird in den nächsten Monaten der 61 Jahre alte Sendemast des NDR demontiert. Den Blick von oben können Sie in unserem 360-Grad-Video genießen. (21.03.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 Uhr | 09.05.2017 | 18:00 Uhr

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