Stand: 06.01.2016 18:00 Uhr

Fähr-Odyssee: Schwere Vorwürfe aus Wangerooge

Einen Tag nach der zwölfstündigen Strandung der Fähre "Frisia II" vor der ostfriesischen Insel Juist hat am Mittwoch erneut die Debatte über die natürlichen Fahrrinnen im Wattenmeer begonnen. Wangerooges Bürgermeister Dirk Lindner (parteilos) erhob schwere Vorwürfe gegenüber den Behörden sowie gegen Verkehrs- und Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Zu wenig Absprachen und zu viele Zuständigkeiten führten dazu, dass die Fahrrinne, die Lebensader Wangerooges, immer mehr verschlicke. Auch auf Wangerooge war die Rückreise für Urlauber nach dem Jahreswechsel wegen des Niedrigwassers und des Winterwetters zur Geduldsprobe geworden - Fähren und Flüge waren ausgefallen.

Bürgermeister Lindner: "Behörden schieben Verantwortung hin und her"

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Das Zeitfenster für An- und Abfahrt der Fähren werde immer kürzer, so der Bürgermeister. Bei starkem Ostwind gehe dann gar nichts mehr, wie das Chaos am 2. Januar gezeigt habe. Der Fährverkehr kam während der Rückreisewelle zwischen Sonnabend und Montag komplett zum Erliegen. Lindners Vorwurf lautet: Die Behörden würden die Verantwortung hin und her schieben. Nachfragen des NDR bei Niedersachsen Ports und dem Wasser-und Schifffahrtsamt bestätigen diese Aussage. Jeder erklärt seinen Bereich jeweils für in Ordnung. Während der Bund für die Fahrrinne zuständig ist, muss das Land für eine ausreichende Wassertiefe im Wangerooger Hafen sorgen. Dazwischen gibt es aber offenbar Bereiche, die nicht ausreichend tief ausgebaggert sind.

Der Wirtschaftsminister soll es richten

Insel-Bürgermeister Lindner fordert nun Unterstützung vom Wirtschaftsminister. Zudem verweist er darauf, dass es eine Soll-Tiefe der Fahrrinne gibt, die mindestens drei Meter beträgt. "Hätten wir diese Tiefe, wäre es am Jahresbeginn auch bei Ostwind nicht zu den Ausfällen der Fähren gekommen", so Lindner.

Genaue Pegelstände schwer einzuschätzen

Am Dienstag war die Fähre "Frisia II" bei Niedrigwasser im Wattenmeer stecken geblieben. Touristen mussten auf dem Schiff rund zwölf Stunden ausharren. Am Abend hatte die Fähre mit dem nächsten Hochwasser die Fahrt in Richtung Festland fortsetzen können. Nach der Odyssee hatten die Urlauber zwar das Krisenmanagement der Reederei gelobt, dennoch hatte es auch kritische Stimmen gegeben. Reederei-Sprecher Fred Meyer verwies darauf, dass die Pegelstände nicht genau vorhersagbar seien. Erst auf hoher See entscheide sich, ob der Wasserstand ausreiche. "So ist die Natur, da steckt man nicht drin." Den Kapitän treffe keine Schuld, so Meyer.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.01.2016 | 16:00 Uhr