Stand: 16.02.2016 15:31 Uhr

Millionenschwerer Kreditbetrug - Deal mit Banken?

von Christina Gerlach
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Dem Ex-Reeder Stolberg wird unter anderem Kreditbetrug vorgeworfen.

Niels Stolberg, der Gründer der insolventen Beluga-Reederei, hat die Banken, die ihm Kredite für neue Schiffe gaben, schwer belastet. Der 55-Jährige muss sich seit Mitte Januar vor dem Bremer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Kreditbetrug, Betrug, Untreue und Bilanzfälschung vor. Zu den schiffsfinanzierenden Banken gehörten auch die NordLB und die Bremer Landesbank, an der die NordLB zu 54,83 Prozent beteiligt ist.

Ein Schwergutfrachter kostet - je nach Ausstattung - rund 40 Millionen Euro. Üblicherweise gibt eine Bank einen Kredit über rund 70 Prozent der Baukosten eines Schiffes, den Rest muss der Reeder als Eigenkapital beisteuern. Stolberg erklärte vor Gericht, er gehe davon aus, dass die Banken wussten, dass er seinen Eigenanteil nicht wie vertraglich vereinbart an die Volharding-Werft in den Niederlanden gezahlt habe.

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Volharding war offiziell für das Design und die Bauaufsicht auf den chinesischen Werften zuständig. Aber das Geld floss über Hongkong und die Schweiz auf das Konto von Stolbergs Privatgesellschaft ENESTE GmbH & Co. KG mit Sitz auf Spiekeroog und in Bad Zwischenahn. Bis zu sieben Millionen Euro pro Schiff. Die Anklage listet 16 Schiffsneubauten auf, bei denen das so gelaufen sein soll.

Banken waren irritiert

Nach NDR Informationen soll sich in den Verträgen mit den Banken tatsächlich ein Passus finden, der zumindest ungewöhnlich ist. Er sieht die Möglichkeit einer zeitlich unbefristeten Stundung von Stolbergs angeblichen Eigenkapital-Zahlungen an die Volharding-Werft vor. Ein Geschäftspartner also, der sich darauf einlässt, dass fällige Raten erst irgendwann gezahlt werden oder vielleicht nie. Den Banken muss das eigentlich auffallen sein. Ist es offenbar auch. Die Klausel kam den Sachbearbeitern der Bremer Landesbank offenbar nicht ganz ungelegen. Denn bei einem möglichen Liquiditätsengpass hätte nicht sie mit weiteren Zahlungen einspringen müssen. Er wäre zulasten der niederländischen Volharding-Werft gegangen.

Auch bei der NordLB soll die Stundungs-Klausel bekannt gewesen sein. Offenbar hat aber niemand nachgefragt oder gar Belege von der Volharding-Werft angefordert, um einen Nachweis über die geleisteten Arbeiten zu bekommen.

Überweisung nach Hongkong statt an die Werft

Ein weiteres Indiz für ein Mitwissen und die stillschweigende Duldung der Banken könnten Stolbergs Zahlungsströme gewesen sein. Denn statt an die niederländische Volharding-Werft gingen Millionen direkt auf das Konto eines Havariebüros in Hongkong. Das soll der Bremer Landesbank zumindest im Fall des Neubaus der "Beluga-Houston" aufgefallen sein. Es ging in diesem Fall um 6,3 Millionen US-Dollar.

Eine überzeugende Erklärung, warum die Bank das akzeptierte, ist nicht rekonstruierbar. Entsprechende Unterlagen scheinen verschwunden.

Ein Mitangeklagter im Beluga-Prozess meinte, nur ein einziger Anruf der Banken bei den Werften und das ganze Konstrukt wäre aufgeflogen. Stolberg, der den Kreditbetrug als "branchenüblich" darstellte, sagte vor Gericht: "Die Banken haben ausgezeichnet verdient. Und so lange das so ist, sind sie an Regeln nicht interessiert."

Chaos bei der Bremer Landesbank

Die Bremer Staatsanwaltschaft wurde bei den Geldinstituten vorstellig und bekam die relevanten Unterlagen ausgehändigt. Bei der Zeugenbefragung soll ein ziemliches Chaos bei der Bremer Landesbank ans Licht gekommen sein. Der Kreditantrag für die "Beluga Houston" soll nicht mehr zu finden gewesen sein. Dabei geht es immerhin um 42 Millionen Euro.

Weder die Bremer Landebank noch die NordLB waren zu einer Stellungnahme bereit. Beide Geldinstitute haben bereits im Frühjahr 2011 Anzeige gegen Niels Stolberg erstattet.

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