Stand: 23.02.2016 14:52 Uhr

AKW Unterweser: 1 Rückbau, 1.000 Einwendungen

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Zu den Rückbau-Plänen des ehemaligen AKW Unterweser gibt es mehr als 1.000 Einwendungen.

Fast 33 Jahre war es am Netz, lieferte seit 1978 insgesamt 305 Milliarden Kilowatt Strom. Damit war das Kernkraftwerk Unterweser im Landkreis Wesermarsch nach Angaben seines Betreibers E.ON der produktivste Atommeiler der Welt. Das ist längst Geschichte - mit der Katastrophe von Fukushima im März 2011 kam das Aus, die Anlage soll abgerissen werden. Am Dienstag hat die offizielle Anhörung zum Rückbau begonnen. Bei der mehrtägigen Veranstaltung in der Markthalle des Stadlander Ortsteils Rodenkirchen sollen Kommunen und Bürger aus der Region ihre Bedenken und Einwände zu den bisherigen Planungen vortragen. Mehr als 1.000 Einwendungen gibt es gegen den E.ON-Antrag.

Geschätzte Rückbaukosten: Eine Milliarde Euro

Zwar begrüßten viele Menschen in der Region den geplanten Rückbau der Anlage, so ein Sprecher des atomkraftkritischen Arbeitskreises Weser. Allerdings gebe es noch viele offene Fragen. Unter anderem, ob ein Abriss überhaupt die beste Lösung sei. Ebenfalls strittig ist demnach die Einrichtung eines weiteren Zwischenlagers für radioaktive Abfälle auf dem Gelände des Atomkraftwerks. Alle Bedenken, Anregungen und Stellungnahmen würden sorgfältig geprüft, versicherte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Dienstag zum Auftakt. Das Vorhaben sei langwierig und komplex, aber es spreche vieles dafür, den Abbau des Atomkraftwerks nicht auf die nächste Generation zu verschieben. Mit Blick auf die Rückbaukosten erklärte Wenzel, dass er "grob geschätzt" von einer Milliarde Euro ausgehe. "Das kann aber durchaus auch 50 Prozent mehr sein am Ende." Dies müsse man jedoch den Betreiber fragen, der aus Wenzels Sicht sowohl für die Rückbau- als auch für die Lagerkosten aufkommt.

"Das ist kein Endlager"

Gleich zum Auftakt äußerten Einwender Bedenken, das geplante Zwischenlager könne letztlich doch auf Dauer geplant sein. "Wenn Sie uns das als ein Zwischenlager verkaufen wollen, muss doch klar sein, wann das ein Ende hat", sagte Dietmar Lange aus Nordenham. Auch dass das Zwischenlager in einem Überflutungsgebiet entstehen solle, könne er nicht nachvollziehen. Dort steht seit Jahrzehnten das Kernkraftwerk Unterweser. Minister Wenzel betonte, alle seien sich einig, dass es keine dauerhafte Zwischenlagerung geben dürfe. "Das ist definitiv nicht beabsichtigt. Hier wird tatsächlich nur über ein Zwischenlager verhandelt, nicht über ein Endlager."

AKW Stade wird bereits seit 2003 zurückgebaut

In Niedersachsen gibt es vier Kernkraftwerkstandorte. Stade ist seit 2003 stillgelegt und wird zurückgebaut. Unterweser wurde 2011 abgeschaltet. Es laufen noch das AKW Grohnde (Abschaltung Ende 2021) und das Kraftwerk Emsland (Ende 2022). Bundesweit sind derzeit noch acht AKW in Betrieb. Der Atomausstieg sieht vor, dass die letzten Atomkraftwerke spätestens Ende 2022 vom Netz gehen müssen.

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Das Ziel lautet: zurück zur "grünen Wiese". Das AKW Stade wird in einem aufwendigen Prozess in seine Einzelteile zerlegt. Der Rückbau dauert rund zehn Jahre. (24.03.2011) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.02.2016 | 13:00 Uhr