Stand: 02.02.2016 16:07 Uhr

Beluga-Prozess: Stolberg packt aus

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Der Angeklagte Niels Stolberg (links) mit seinem Anwalt Bernd Groß.

Erstmals hat der frühere Top-Manager Niels Stolberg im Wirtschaftsstrafprozess um die Bremer Beluga-Reederei Einzelheiten seiner Geschäftspraktiken offengelegt. Im Mittelpunkt stand am Dienstag der Anklagevorwurf des Kreditbetruges. Zu den konkreten Anschuldigungen äußerte sich der angeklagte Stolberg nicht - gewährte aber detaillierte Einblicke in die technischen und strategischen Abläufe seiner Schwergut-Reederei Beluga. Er erläuterte dem Gericht, wie, wo, mit wem und auf welcher Grundlage er sein umfangreiches Schiffsneubauprogramm umsetzte und Frachtaufträge akquirierte.

Gericht will sich genaues Bild verschaffen

Stolberg sagte, 2006 sei rund ein Drittel der weltweiten Flotte von etwa 450 Schwergutschiffen teils über 20 Jahre alt gewesen und ein weiteres Drittel über zehn Jahre. Darauf habe Beluga mit neuen und modernen Schiffen reagiert: "Da entstand eine Nische, in die wir rein rücken wollten", so Stolberg. 2011 ging Beluga in Insolvenz. Stolberg ging ausführlich auf die zahlreichen Fragen der Vorsitzenden Richterin Monika Schaefer ein. Sie wollte sich am dritten Prozesstag ein genaues Bild verschaffen, auch über den internationalen Markt der Schwergutbranche und das komplexe Verfahren für Schiffsneubauten. "Wir wollen möglichst viel von der Sache verstehen", begründete sie ihre Nachfragen.

Stolberg: Bilanzfälschung ja, Kreditbetrug nein

Laut Staatsanwaltschaft soll Stolberg bei Schiffsneubauten mit der niederländischen Werft Volharding um Millionen Euro überhöhte Rechnungen und Zahlungen vereinbart haben. Ein Großteil des Geldes floss demnach später wieder zurück an Beluga, um die Eigenkapitalbasis zu stärken. Dadurch sollen Banken zur höheren Darlehensvergabe bewegt worden sein. Die Schiffe selbst wurden in China gebaut. Am zweiten Prozesstag hatte der Ex-Beluga-Chef den Vorwurf der Bilanzfälschung eingeräumt, den des Kreditbetrugs aber vehement zurückgewiesen. Neben Stolberg sind weitere drei Ex-Manager der Beluga-Reederei angeklagt. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Kreditbetrug, Untreue und Betrug vor. Der Prozess begann am 20. Januar. Angesetzt sind mehr als 50 Verhandlungstage.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2016 | 06:00 Uhr