Stand: 03.03.2017 12:36 Uhr

Firmen wollen wieder fracken: Kritiker entsetzt

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Ab 2021 soll in Niedersachsen wieder gefrackt werden. (Themenbild)

95 Prozent des in Deutschland gewonnenen Erdgases kommen aus Niedersachsen. Entsprechendes Entsetzen löst die Ankündigung der Erdgasunternehmen aus, ab 2021 wieder fracken zu wollen. Besonders dürfte das die Landkreise Verden und Rotenburg treffen. Bewohner wie Umweltschützer fürchten die Auswirkungen auf Natur und Mensch.

Verdener Bürgerinitiative fürchtet mehr Erdbeben

Als angriffslustig wertet etwa Andreas Noltemeyer von der Bürgerinitiative "No Fracking" in Völkersen (Landkreis Verden) die Ankündigung der Förderunternehmen. Noltemeyers Mitstreiter Thomas Vogel befürchtet deshalb noch mehr Erdbeben in der Region. Erst am Montag hatte dort wieder die Erde gebebt - eine Spätfolge der Erdgasförderung, wie das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) nahelegt. Wenn zusätzlich zu den durch die konventionelle Förderung ausgelösten Erdbeben noch künstliche Explosionen erzeugt würden, sei das besonders problematisch, so Vogel.

BUND Rotenburg bemängelt Fracking-Gesetz

Für den Rotenburger BUND-Vorsitzenden Manfred Radtke belegen die Pläne der Energieunternehmen die Schwächen des Berliner Fracking-Gesetzes. Es sei eben, anders als von der Politik behauptet, keine Bremse. Zudem drohten durch weiteres Fracking Verunreinigungen der "Rotenburger Rinne", aus der Trinkwasser für die Kreise Verden, Rotenburg und die Stadt Bremen gewonnen wird. Diese Befürchtung teilt auch Andreas Ratjens von der Bürgerinitiative Sauberes Trinkwasser. Bislang sei die Gefahr nur anhand von Computersimulationen geprüft worden. Wie die realen Bedingungen aussehen, habe bislang niemand untersucht, so Ratjens.

Konventionelles und unkonventionelles Fracking

Beim konventionellen Fracken wird das Gestein in Tiefen von bis zu fünf Kilometer aufgebrochen. Unternehmen betonen, in dieser Tiefe gebe es keine Gefahr für das Grundwasser. Zudem seien die Chemikalien unbedenklich und würden offengelegt. In Deutschland wird bereits seit Jahren konventionell gefrackt.

Beim unkonventionellen Fracking, wie es in den USA auch praktiziert wird, wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Ton- oder Schiefergestein gepresst, das relativ nahe an der Oberfläche liegt. Diese Schichten werden auf diese Weise aufgebrochen, um bisher unerschlossene Gasreserven frei zu setzen. Der Rückfluss des Gemisches muss dann entsorgt werden, was aus Umweltschutzgründen ebenfalls als bedenklich gilt. Welche Chemikalien eingesetzt werden, muss zudem nicht offengelegt werden. Folgeschäden sind bisher kaum erforscht.
(Quelle: tagesschau.de)

BVEG wirbt mit "weltweit höchsten" Umweltstandards

Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG) hatte am Dienstag angekündigt, nach sechs Jahren Verzichts wieder mithilfe von Fracking Erdgas gewinnen zu wollen. Nachdem das entsprechende Gesetz Mitte Februar in Kraft getreten sei, könnte in drei Jahren erstmals wieder gefrackt werden, sagte Verbandschef Martin Bachmann. Die Methode werde unter den weltweit höchsten Umwelt- und Sicherheitsstandards angewandt, wie er betonte.

Neues Fracking-Gesetz gilt bis 2021

Das Gesetzespaket zur Förderung von Erdöl und Erdgas in tiefliegenden Gesteins- und Kohleschichten gilt zunächst bis 2021. Es verbietet den Einsatz von Fracking zur kommerziellen Ausbeutung von unkonventionellen Lagerstätten. Es sind lediglich maximal vier Probebohrungen zu Forschungszwecken erlaubt, denen das jeweilige Bundesland zustimmen muss. Einer Umfrage der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge will kein Land diese Möglichkeit in Anspruch nehmen. Darüber hinaus verschärft und vereinheitlicht das Gesetz laut Bund die Auflagen für das Fracking konventioneller Öl- und Gasvorkommen in Sandsteinschichten, das seit Langem angewandt wird und erlaubt bleibt. Nun gelten flächendeckend strengere Vorschriften, etwa für die verwendeten Flüssigkeiten. Außerdem wird Fracken unter anderem in Gebieten zur Trinkwassergewinnung untersagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.03.2017 | 12:00 Uhr

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