Stand: 03.10.2017 18:03 Uhr

Physik-Nobelpreis löst auch in Hannover Freude aus

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften ehrt den Nachweis von Gravitationswellen mit dem Physik-Nobelpreis. Die Auszeichnung geht an die US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne und nicht ausdrücklich an das Team um Karsten Danzmann aus Hannover, das an der Forschung beteiligt ist. Danzmann wertet die Ehrung dennoch als großen Erfolg: "Irgend jemand muss stellvertretend für alle den Preis in Empfang nehmen. Das ist schon richtig so", sagte der Direktor des Max-Planck-Instituts (MPI) für Gravitationsphysik in Hannover nach der Bekanntgabe am Dienstag. Der Nobelpreis für sein Forschungsfeld öffne Türen und könne "überhaupt nicht überschätzt werden", so der Wissenschaftler, dem die Freude deutlich anzusehen war.

Der Astrophysiker Karsten Danzmann applaudiert nach der Verkündung der Nobelpreis-Gewinner.

Physik-Nobelpreis: Hannoveraner feiern mit

Hallo Niedersachsen -

Der Astrophysiker Karsten Danzmann war maßgeblich an der Entdeckung der Gravitationswellen beteiligt. Obwohl er beim Nobelpreis leer ausging, hatte er allen Grund zum Jubeln.

3,5 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Einsteins Relativitätstheorie bewiesen

Danzmann hat mit seinem Team die Lasertechnik mitentwickelt, mit der Gravitationswellen nachgewiesen werden konnten. Sie wurde in den Laboren des Instituts erprobt und dann in den sensiblen Messgeräten in den USA eingesetzt. Ein Meilenstein, wie das renommierte Fachblatt "Science" im Jahr 2016 schrieb. Danzmann spürt schon seit 1989 Gravitationswellen nach und zählt zu den Pionieren seines Fachs in Deutschland. Einem internationalen Team war es 2015 gelungen, zum ersten Mal diese Gravitationswellen nachzuweisen. Albert Einsteins Relativitätstheorie gilt seitdem als bewiesen - eine Sensation.

Signal zur Mittagszeit

Entscheidend daran mitgewirkt haben die Forscher aus Hannover: Zwei von ihnen entdeckten das wichtige Signal an einem Computer in Hannover als erste. Denn hier steht das weltweit größte Rechenzentrum, um die gesammelten Daten zu analysieren. Am 14. September 2015 maßen zwei Detektoren in den USA die Gravitationswellen einer Kollision zweier schwarzer Löcher, die vor rund 1,3 Milliarden Jahren stattgefunden hat. Die Hannoveraner Forscher sahen das Signal zur Mittagszeit.

Danzmann kündigt neue Veröffentlichungen an

"Dies ist ein sensationeller Erfolg und zeigt einmal mehr, dass in Niedersachsen Forschung auf Spitzenniveau stattfindet", sagte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne), die die Bekanntgabe der Preisträger gemeinsam mit den Wissenschaftlern verfolgte. Und Danzmann versprach: "Jetzt geht's erst richtig los." Schon bald würden spannende neue Erkenntnisse veröffentlicht, kündigte er an - worum es sich handelt, behielt er natürlich erst mal für sich.

Mehr als 1.000 Forscher an Erfolg beteiligt

Dass der Nobelpreis direkt an sein Institut geht, damit hatte Danzmann von vornherein nicht gerechnet - der Erfolg habe sehr viele Väter und Mütter gehabt. Mehr als 1.000 Forscher an etwa 100 Universitäten in 18 Ländern, um genau zu sein. Es wäre neu gewesen, wenn der Nobelpreis für Physik an die gesamte Forschergruppe gegangen wäre. Bisher wurde er nur maximal drei Personen verliehen, so wie auch diesmal. Trotzdem ist der Nobelpreis - obwohl er an die Partner in den USA geht - für den Wissenschaftsstandort Hannover ein Segen, wie Danzmann erklärt: "Auf einmal nehmen die Leute wahr, dass da was ganz Neues entstanden ist. Das Wichtige ist, dass Leute erstmals bereit sind, einem zuzuhören, weil sie davon ausgehen, dass es wichtig ist, was man da tut."

Weitere Informationen

Ruhm, Ehre, Geld: Die Geschichte des Nobelpreises

Der Nobelpreis geht aus einer Stiftung des schwedischen Erfinders Alfred Nobel hervor. Zum ersten Mal wurde der wichtigste Wissenschaftspreis der Welt 1901 verliehen. mehr

11 Bilder

Gravitationsphysiker hoffen auf Nobelpreis

Sie haben schon viel Ruhm und Anerkennung für ihren Beitrag zur Gravitationsforschung bekommen. Doch die Physiker Karsten Danzmann und Bruce Allen aus Hannover streben nach mehr. Bildergalerie

Schwarze Löcher erneut in Hannover nachgewiesen

Erneut haben Forscher aus Hannover bedeutende Beobachtungen zu Schwarzen Löchern gemacht: Das Team von Physiker Danzmann wies Gravitationwellen von der Verschmelzung zweier Löcher nach. (01.06.2017) mehr

Physiker Danzmann bekommt Körber-Preis

Der renommierte Preis für die Europäische Wissenschaft der Körber-Stiftung geht an den hannoverschen Physiker Karsten Danzmann. Er hatte erstmals Gravitationswellen direkt nachgewiesen. (31.05.2017) mehr

Dem Klang des Universums lauschen

Es ist geschafft: Forscher haben Gravitationswellen nachgewiesen. Das erlaubt ganz neue Einblicke ins Universum. Physiker aus Hannover waren entscheidend am Erfolg beteiligt. (10.02.2016) mehr

Chemie-Nobelpreis für Stefan Hell

Der Göttinger Forscher Stefan Hell hat in Stockholm den Nobelpreis für Chemie überreicht bekommen. Er wurde für die Erfindung eines hochauflösenden Lichtmikroskops ausgezeichnet. (07.12.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.10.2017 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

29:15

Niedersachsen hat gewählt

16.10.2017 11:00 Uhr
Hallo Niedersachsen
29:36

Das Beste vom Kürbis

15.10.2017 16:30 Uhr
Sass: So isst der Norden
44:35

Apfelmacher auf anderen Wegen

15.10.2017 21:00 Uhr
die nordstory