Stand: 21.11.2014 19:49 Uhr

Niedersachsen testet das Strecken-Radar

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Mitte 2015 startet die Versuchsphase des Strecken-Radars. Schilder weisen Autofahrer darauf hin.

Der niedersächsische Innenminister hat den Rasern im Land den Kampf angesagt. Überhöhte Geschwindigkeit sei immer noch Unfallursache Nummer eins, betont Boris Pistorius (SPD) unermüdlich. Sogenannte Blitzmarathons über 24 Stunden haben durchaus den gewünschten Erfolg: Die Mehrzahl der Autofahrer hält sich an die vorgeschriebenen Tempolimits - aber eben nur während der Blitzer-Aktion. Nun will Niedersachsen etwas Neues ausprobieren: Im bundesweit ersten Pilotversuch soll auf der Bundesstraße 6 zwischen Gleidingen und Laatzen (Region Hannover) ein Strecken-Radar getestet werden.

Automatische Fotos zu Beginn und am Ende der Strecke

Mitte kommenden Jahres soll das Strecken-Radar in Betrieb gehen. Dabei wird das Tempo auf einem längeren Abschnitt kontrolliert: Jedes Fahrzeug wird am Beginn des Abschnitts von hinten fotografiert. Am Ende der drei Kilometer langen Strecke werden die Autos und Lastwagen erneut erfasst. Mittels Computertechnik wird die durchschnittliche Geschwindigkeit berechnet. War der Wagen zu schnell, wird ein weiteres, klassisches Blitzer-Foto mit dem Gesicht des Fahrers und dem Kennzeichen geschossen.

Minister: Niedersachsen prädestiniert für den Test

Wichtigste Voraussetzung für die Auswahl der Strecke sei die Unfallgefahr gewesen, erklärte Pistorius am Freitag. Bei Kontrollen sei der Polizei zwischen Gleidingen und Laatzen, wo Tempo 100 gilt, alle zehn Minuten ein Raser aufgefallen. 15.000 Fahrzeuge seien dort an Werktagen im Durchschnitt unterwegs. "Rund 70 Prozent aller tödlichen Unfälle in Niedersachsen passieren auf den Straßen außerhalb von Städten und Ortschaften", so Pistorius. "Deshalb ist unser Land dafür prädestiniert, ein Pilotprojekt zur Abschnittskontrolle nach den Vorgaben des Deutschen Verkehrsgerichtstages zu starten."

Neue Technik behebt Datenschutz-Problem

Bereits 2009 hatte sich der Verkehrsgerichtstag dafür ausgesprochen, den Strecken-Radar zu testen. Datenschützer hatten jedoch Einwände: Es würden auch Bilder von Fahrern und ihren Kennzeichen aufgenommen, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten. Das sei unerlaubtes Speichern personenbezogener Daten. Die Lösung: Mit der neu entwickelten Technik werden die Daten derjenigen, die nicht gegen das Tempolimit verstoßen, sofort automatisch gelöscht. Es besteht nicht die Möglichkeit, vorher darauf zuzugreifen.

Landesbeauftragter für Datenschutz will noch Details prüfen

Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte Joachim Wahlbrink ist seinem Sprecher Michael Knaps zufolge vorerst zufrieden, will vor einer endgültigen Einschätzung allerdings Einzelheiten zu der verwendeten Technik einsehen. Bis Ende des Jahres laufe noch die Ausschreibung, teilte das Innenministerium mit. Danach werde ein Hersteller ausgewählt und detaillierte Unterlagen zur Technik könnten vorgelegt werden. Der Landesbeauftragte für Datenschutz solle eng in das Projekt eingebunden werden, versprach Pistorius.

Gesetzesänderung für dauerhaften Einsatz notwendig

Das Strecken-Radar, offiziell "Section Control", also "Abschnittskontrolle", genannt, soll zunächst 18 Monate lang getestet werden. Anfang 2015 beginnt laut Innenministerium der Aufbau, Mitte des Jahres der Betrieb. Soll das Radar dauerhaft eingesetzt werden, müsste das niedersächsische Gefahrenabwehrgesetz geändert werden. Bei einem bundesweiten Einsatz der "Section Control" wäre es das Straßenverkehrsgesetz, das angepasst werden müsste.

Stadt Laatzen hofft auf mehr Sicherheit

Seit 2011 gab es allein auf dem ausgewählten Abschnitt 28 Unfälle. Im Januar starben dort ein Mann und ein Jugendlicher, als sie während einer Probefahrt mit ihrem Wagen gegen einen Baum prallten. Die Stadt Laatzen begrüßt daher das Pilotprojekt: "Wir erhoffen uns mehr Verkehrssicherheit durch die neuartigen Kontrollen - und weniger Raserei", sagte ein Sprecher. Auch andere Kommunen könnten von den Erfahrungen profitieren, so die Einschätzung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 21.11.2014 | 17:00 Uhr