Stand: 27.01.2015 14:39 Uhr

Ausschreitungen und Randale bei Hagida-Protesten

Es ging zur Sache. Rauchbomben, Böller und Eier flogen am Montagabend in Hannover, dazu gab es zahlreiche Verstöße gegen das Vermummungsverbot. Die islamkritische Hagida demonstrierte mit etwa 240 Personen in Hannover; Tausende Gegendemonstranten waren ebenfalls in der Innenstadt. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun. Insgesamt wurden 29 Menschen verletzt, darunter 25 Beamte. 19 der Polizisten erlitten Verletzungen durch Pfefferspray aus den eigenen Reihen, fünf durch Pfefferspray-Attacken der Anti-Hagida-Demonstranten. "Ein Beamter wurde durch einen Tritt leicht verletzt", sagte eine Polizeisprecherin NDR.de. Auch der Treter stammte aus der Anti-Hagida-Bewegung. Doch auch die Hagida-Unterstützer fielen aus der Rolle: Böllerwürfe und zahlreiche Verstöße gegen das Vermummungsverbot stellte die Polizei fest. Insgesamt 42 Personen wurden vorläufig festgenommen; 22 Hagida-Befürworter und 20 Hagida-Gegner.

GdP-Vorsitzender kritisiert Ausschreitungen scharf

Die Festgenommenen sind mittlerweile alle wieder auf freiem Fuß. "Nun wird ermittelt, wir vernehmen Zeugen", kündigte die Sprecherin an. Ob es sich bei den Festgenommenen um polizeilich bekannte Personen handelte, wollte sie nicht sagen. Scharfe Kritik an den Ausschreitungen kommt von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Die Attacken auf unsere Kollegen haben insgesamt ein Ausmaß angenommen, das vollkommen unerträglich ist", sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Dietmar Schilff, am Montag.

240 marschieren für Hagida

Zuvor hatten sich etwa 150 Hagida-Anhänger in der Stadt versammelt, die Zahl wuchs im Laufe des Abends auf etwa 240 Personen an. An mehreren Protestveranstaltungen gegen den lokalen Ableger der islamkritischen Pegida-Bewegung nahmen etwa 1.500 Menschen teil. Die Hagida-Unterstützer trafen sich gegen 19 Uhr auf dem Opernplatz, der zuvor von der Polizei abgesperrt worden war. Anschließend brachen sie zu einem "Spaziergang" durch die Innenstadt auf. Aus den Reihen von Hunderten Gegendemonstranten flogen Flaschen und Böller. Kurz vor dem Marsch hatte sich noch eine größere Gruppe unter die Hagida-Anhänger gemischt, die weitaus aggressiver als der Rest der Demonstranten auftrat. Einige waren vermummt und riefen rechtsradikale Parolen.

1.000 Menschen in und vor der Marktkirche

Vertreter von christlichen, jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften hatten zuvor zu einem multireligiösen Friedensgebet in die Marktkirche eingeladen. Hunderte nahmen die Einladung an, die Kirche musste wegen Überfüllung geschlossen werden. Im Anschluss veranstaltete das Bündnis "Bunt statt Braun", zu dem sich unter anderem Gewerkschaften, Kirchen und Verbände zusammengeschlossen haben, eine Kundgebung vor der Kirche. Nach Polizeiangaben demonstrierten insgesamt etwa 1.000 Menschen in und vor der Marktkirche. Die Polizei hatte sich nach eigenen Angaben auf einen Großeinsatz eingestellt. Es seien mehr Beamte als bei der ersten Hagida-Veranstaltung auf den Straßen gewesen.

Martin Kind: "Braun gehört nicht zu den Farben von Hannover 96"

Unterdessen hat der Fußball-Bundesligist Hannover 96 angekündigt, am ersten Bundesliga-Heimspiel der Rückrunde "mit allen Fans, Partnern und Freunden ein klares Bekenntnis für Toleranz und Vielfalt" abzugeben. Fünf Euro von jedem ab sofort verkauften Vollzahler-Tagesticket und 2,50 Euro von jeder ermäßigten Tageskarte für das Spiel gegen Mainz am 3. Februar werden den beiden Initiativen "96-Fans gegen Rassismus" und "Laut gegen Nazis" für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt. Der Verein will sich damit eindeutig gegen die Tendenzen positionieren, die von Hagida ausgehen. Die Botschaften der Demonstrationen deckten sich nicht mit den Werten von Hannover 96. "Braun gehört nicht zu den Farben von Hannover 96. Ganz im Gegenteil: Hannover ist bunt", erklärte 96-Präsident Martin Kind.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Niedersachsen 18.00 Uhr | 26.01.2015 | 18:00 Uhr