Stand: 14.03.2016 13:02 Uhr

Kommentar: "AfD - Herausforderung für die Demokratie"

von Marlis Fertmann

War der Wahlsonntag ein historischer Tag in unserer Demokratie?

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Marlis Fertmann, Fernsehchefin im Landesfunkhaus Niedersachsen, kommentiert den Wahlerfolg der AfD.

Es war ein Tabu, ein Verbot. Eine radikale Unmöglichkeit. Seit 1945 schien kein politischer Raum rechts von der CDU in Deutschland möglich. Seit gestern ist dieser unerreichbare Bereich besetzt von der Partei Alternative für Deutschland (AfD).

Unsere starke, liberale, wohlhabende, stabile Demokratie steht vor einer großen Herausforderung. Vor nicht einmal drei Jahren gegründet, hat die AfD gestern in drei Bundesländern mehr als einen Durchbruch geschafft. Auf gewisse Weise reagiert Deutschland wie andere Länder. Rechtspopulistische Parteien gibt es schon länger bei unseren europäischen Nachbarn. Aber in Deutschland, mit unserer Geschichte? Die Flüchtlingsströme blähen die Segel populistischer Parteien. Und die flüchtlingsfeindliche AfD nutzt die Stimmung, schürt die Ängste und Sorgen der Bürger in verantwortungsloser Weise. Sie sammelt Stimmen als Protestpartei auch und gerade von denen, die zum großen Kreis der Nichtwähler gehörten. Eine Anti-Europa-Partei, die sich zur Anti-Islam-Partei gewandelt hat. Auf dem Weg in den Bundestag.

Mit dem Aufmarsch der AfD ist jene politische Ordnung beendet, wie Deutschland sie seit 1949 kannte und in der die "Volksparteien" CDU und SPD zusammen fast immer ausreichende Mehrheiten hatten und Regierungskoalitionen meist aus zwei Parteien bestanden.

Was jetzt gefragt ist, ist ein Bündnis aller, die diese Demokratie schützen wollen, die diese Demokratie verteidigen wollen; ein Bündnis der Vernunft, der Entschlossenheit und der Tatkraft. Gefragt sind ein klarer Kopf und die Bereitschaft zu handeln, Verantwortung zu übernehmen, gefragt ist jeder und jede in unserem Land. Damit sollten wir die Politiker und Politikerinnen der etablierten Parteien nicht alleinlassen.